Von Patricia Andreae
26. Juni 2005 Taptap, taptap, so tun die Füße, taptap, taptap....: Zum Schlag des Tamburins singen neun hörbar unterschiedlich geübte Stimmen. Zugleich stapfen 17 Paar Füße in Socken über den Ziegenhaarteppich - acht Mütter und ihre etwa anderthalb Jahre alten Sprößlinge. Im Laufen zwar schon recht sicher, im Sprechen aber noch sehr holprig, folgen sie dem Takt von Elke Häder-Steinau. Musikalische Frühförderung, wie diese sie in ihrer privaten Frankfurter Musikschule Rhythmix anbietet, ist gefragt. Gilt doch der frühe Umgang mit Musik als ausgesprochen förderlich für den Intellekt.
Würde man hier eine Baby-Pisa-Studie machen, wäre das Ergebnis sicher hervorragend. Schließlich lassen die Mütter oder Väter von Max, Konstantin, Elena und Julia seit achtzehn Monaten kaum eine Möglichkeit aus, die Sinne ihrer Kleinen zu wecken.
Mit Wickeltasche und Olivenöl
Babymassage zum Beispiel: Bepackt mit Wickeltasche und einer Halbliterflasche Olivenöl, finden sich die Mütter und ihre vier bis acht Wochen alten Winzlinge in der evangelischen Familienbildungsstätte ein. Auch wenn Nora jetzt vielleicht viel lieber in Ruhe gelassen würde, wird sie aus Strampler, Leibchen und Windel gepellt und auf der Gymnastikmatte in ein ölig glänzendes glückliches Baby verwandelt. Das kleine Geschöpf scheint es dann aber doch recht schön zu finden und schlummert, kaum wieder bekleidet und gestillt, friedlich ein.
So kann die Mutter in aller Ruhe das gute Gefühl genießen, ihrem Kind nicht nur eine satte Portion Körperkontakt, sondern auch noch wichtige Impulse für sein eigenes Körpergefühl gegeben und es somit schon ein wenig gefördert zu haben. Die Kann-es-schon-Fragen allerdings, die künftig am Sandkastenrand und in der Krabbelgruppe das Gespräch bestimmen, drehen sich noch um die Nachtruhe und die Sorgen und Nöte mit der Nahrungsaufnahme.
Das ändert sich freilich in der Pekip-Gruppe. Der Name ist die Abkürzung für das Prager-Eltern-Kind-Programm und gehört bei Eltern, die ihrem Nachwuchs keine Fördermöglichkeit vorenthalten möchten, zum absoluten Muß. Vor allem aber macht es Spaß - denn hier können die Säuglinge vom dritten Lebensmonat an ohne beengende Textilien beginnen, die Welt zu entdecken. Die Welt, das ist in diesem Fall ein wohlig warm geheizter Raum, der mit Gummimatten ausgelegt ist - für die regelmäßig auftretenden kleinen Malheurs ist jede Mutter mit einer Küchenrolle bewaffnet. Andere Babys zu sehen, sie zu betatschen, mit verschiedenen Materialien zu hantieren, mit Wasser zu planschen und immer wieder bewegt oder zur Bewegung angeregt zu werden, das ist das Programm.
Geduldig beraten und Fehlentwicklungen erkennen
Die Treffen in der Neu-Isenburger Hebammenpraxis, in der Sabine Müller ihre Pekip-Gruppen betreut, sind aber - wie fast alle anderen Angebote, ob sie nun Still- oder Krabbelgruppe, Baby-Turnen oder sonstwie heißen - auch eine Art Selbsthilfegruppe für die Eltern. Erfahrene Gruppenleiterinnen können helfen, Fehlentwicklungen zu erkennen. Und sie beraten geduldig bei immer wieder gleichen Fragen zur Umstellung auf feste Kost oder beruhigen, falls der Sprößling sich im statistisch vorgegebenen Zeitraum immer noch nicht dreht oder mit dem Krabbeln beginnt.
Denn nun kann man den Fragen nicht mehr entrinnen: Kann es schon? Macht es schon? Hat es schon? - Seit das Steckkissen, auf dem die Säuglinge einst ordentlich verschnürt wurden, in die Kategorie der Folterinstrumente verbannt ist, stehen Babys zunehmend im Wettbewerb. Der erste Schritt, das erste Wort - sie werden sehnsüchtig erwartet.
Wasser regt die Kleinen an
Alternativ oder ergänzend zu den Bewegungsspielen auf dem Trockenen erfreut sich das Baby-Schwimmen zur Förderung der Entwicklung immer größerer Beliebtheit. Reiner Cherek weiß aus fast drei Jahrzehnten Erfahrung in seiner Frankfurter Schwimmschule, wie sehr die Bewegung im Wasser die Kleinen anregt, weshalb er auch intensiv mit behinderten Kindern arbeitet.
Die neuen Erfahrungen mit dem nassen Element, das Gefühl auf der Haut, der Einfluß auf den Kreislauf, die Veränderung der Schwerkraft. All das gibt dem Gehirn einen regelrechten Kick. Der macht die Babys fit fürs Leben - und vielleicht ein wenig schlauer.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.06.2005, Nr. 25 / Seite R1
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Daniel Pilar