Im Gespräch: Der neue Bischof von Limburg

„Es ist wichtig, einige Gebete auswendig zu können“

Von Peter Lückemeier und Stefan Toepfer

02. Januar 2008 Knapp drei Wochen vor seiner Amtseinführung äußert sich der künftige Limburger Oberhirte, Franz-Peter Tebartz-van Elst, im Gespräch mit der Rhein-Main-Zeitung ausführlich über seine Herkunft, die familienpolitischen Vorstellungen der Kirche und Mut in der Seelsorge.

Wie oft sind Sie gedanklich schon in Ihrem neuen Bistum?

Jeden Tag. Schon wenn ich morgens aufstehe und es im Gebet bedenke.

Was muss jetzt geregelt werden?

Vor allem die Liturgie zu meiner Amtseinführung am 20. Januar. Deswegen war ich schon zweimal in Limburg; auch, um wichtige Mitarbeiter kennenzulernen. In Münster bereite ich mich außerdem in Gebet und Meditation auf meine neue Aufgabe vor. Wenn es eben geht, bin ich tagsüber für einige Zeit in der Servatiikirche, wo Gelegenheit zur eucharistischen Anbetung besteht. Dort kann ich gut bei Gott und den mir jetzt anvertrauten Menschen sein.

Vorübergehend werden Sie in Limburg im Priesterseminar wohnen, langfristig aber in einem neuen Bischofssitz am Dom. Für Wohn- und Diensträume stehen 3,5 Millionen Euro zur Verfügung, während woanders gespart wird.

Das Domkapitel hatte schon zu Beginn der Sedisvakanz im Februar die Entscheidung getroffen, dass nach einem Wohnort für die Limburger Bischöfe in der Nähe des Domes gesucht werden soll, eine Praxis, die in den allermeisten Diözesen üblich ist. Es ist hilfreich, wenn der Bischof in der Nähe des Domes leben kann. So, wie Pfarrhäuser bei der Pfarrkirche liegen, hilft es, wenn Arbeitsräume und die Wohnung des Bischofs nahe am Dom sind.

Wussten Sie, dass Sie auf der Liste mit den drei Kandidaten stehen, aus denen das Domkapitel Sie ausgewählt hat?

Ich wusste es nicht. Deswegen war es für mich umso überraschender. Mein erster Gedanke: O Gott, was für eine große und verantwortungsvolle Aufgabe.

Wie haben Sie von Ihrer Wahl erfahren?

Ich war mit Ehrenamtlichen zu einem geistlichen Wochenende in einem Exerzitienhaus. Wir waren gerade beim Mittagessen. Ich hatte den ersten Schlag Suppe auf dem Teller, da kam eine Ordensschwester des Hauses mit dem schnurlosen Telefon zu mir. Der Sekretär unseres Bischofs war dran und wollte mich mit Bischof Reinhard Lettmann verbinden. Ich habe dann, nachdem ich einen ruhigen Platz gefunden hatte, mit ihm gesprochen, und er hat mir die Nachricht des Limburger Domkapitels überbracht, die er gerade zuvor vom Domdekan erhalten hatte. Ich war zunächst erschrocken, bin dann in die Kapelle zum Gebet gegangen und spürte dann eine innere Zuversicht.

Die Suppe war inzwischen kalt geworden.

Ja, aber mir war in diesem Moment sowieso nicht mehr nach Essen zumute.

Wissen Sie, wer die anderen beiden auf der Dreierliste waren?

Nein.

Würde Sie das interessieren?

Ich glaube, es ist gut, das nicht zu wissen.

Trotzdem: Würde Sie es interessieren?

Wen interessiert das nicht? Aber es macht freier, wenn man das nicht weiß. Ich werde nicht nachfragen.

Was verbindet Sie mit Ihrem Vorgänger Franz Kamphaus?

Viele interessante Erinnerungen. Kamphaus war ja von 1973 bis 1982 Regens im Priesterseminar von Münster und hat die Priester des Bistums Münster in dieser Zeit mit dem ihm eigenen starken Charisma sehr geprägt. Ich habe 1978 mein Theologiestudium begonnen. Kamphaus hatte damals gemeinsam mit seinem Weggefährten, dem Spiritual des Priesterseminars Johannes Bours, eine Predigtreihe über die Evangelischen Räte Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam in der Lambertikirche gestaltet. Diese Predigten gingen mir mitten ins Herz. Das ist nur eine Erinnerung. Zu seiner Bischofsweihe am 13. Juni 1982 bin ich in Limburg gewesen.

Hat er Ihnen jetzt schon Ratschläge gegeben?

Ich habe ihn besucht, und wir haben Eindrücke und Erinnerungen ausgetauscht. Er hat mir gesagt: Man kann gut im Bistum Limburg ankommen. Wir waren beide der Meinung, dass es gut ist, wenn ein Bischof von außen in eine Diözese kommt. Ich sehe darin eine große Chance, für das Bistum Limburg und für mich selbst.

Es gibt Menschen, die sagen, Sie blieben nicht bis zu Ihrem Ruhestandsalter von 75 Jahren im Bistum, sondern würden im Laufe der Zeit für noch größere Aufgaben zur Verfügung stehen.

Solche Äußerungen sind Gerede.

Sie wurden promoviert und 2002 Professor für Pastoraltheologie und Liturgiewissenschaft in Passau, 2003 dann Weihbischof und 2007 zum Limburger Bischof ernannt. Sie haben Karriere gemacht.

Das Wort gefällt mir nicht. Ich habe das alles nicht von mir aus angestrebt, keine Karriere geplant. Es steckt zweifellos eine gewisse Dynamik in meinem Leben, aber ich habe die Dinge angenommen, wie sie auf mich zugekommen sind. Zum Beispiel die Freistellung zu meinem Promotionsstudium. Das hat der Bischof mir vor 20 Jahren angeboten. Ich hatte mich immer schon mit der Katechese, der Glaubensweitergabe, befasst. Die Pastoraltheologie interessierte mich von Beginn meines Studiums an. Außerdem glaube ich, dass mich darin auch meine Herkunft geprägt hat.

Was genau meinen Sie damit?

ch komme aus einer Bauernfamilie, in der der Glaube gelebt wurde. Der Sonntag war anders als der Werktag, das Kirchenjahr wurde mitgefeiert. Das hat mir Orientierung vermittelt. Als mich der Bischof bat, mich im Promotionsstudium vertiefend mit der Katechetik zu befassen, lag es nahe, dass ich das Angebot annahm, weil ich daran arbeiten wollte, weiterzugeben, was mich selbst auf den Weg gebracht hat. Dass ich dann 1990 zum erweiterten Studium in die Vereinigten Staaten nach Washington D.C. und Chicago gehen konnte, war für mich unglaublich belebend. Dort habe ich mich intensiv mit der Sakramentenpastoral beschäftigt, besonders mit der Vorbereitung Erwachsener auf die Taufe.

Wie hat Amerika Sie geprägt?

Beeindruckt haben mich der Mut und die positive Einstellung, mit denen man dort pastorale Projekte beginnt. In Deutschland ist es oft so, dass sich erst einmal alle möglichen Bedenkenträger melden, so dass eine anfängliche Begeisterung schnell verpufft. In Amerika hält man sich nicht lange bei Bedenken auf, sondern wagt missionarische Schritte. Das war die Initialzündung für mich, auch im Bistum Münster Wege des Erwachsenenkatechumenats umzusetzen. So ist zum Beispiel langsam ein großer Kreis von Taufbewerbern entstanden. Anfang dieses Jahres hatten wir im Dom eine Zulassungsfeier zur Taufe mit 70 Männern und Frauen aus 40 Gemeinden.

Sie sind eben dem Wort „Karriere“ sehr demütig begegnet. Empfinden Sie keinen Stolz auf das bisher Geleistete?

Ich möchte es Dankbarkeit nennen. Stolz hört sich so an, als hätte ich alles selbst gemacht. Andererseits hätte ich ohne eine große Einsatzbereitschaft das, was ich geschafft haben, nicht erreicht. Ich arbeite gerne.

Sind Sie ehrgeizig?

Vielleicht in dem Sinn, dass ich mich anstrenge, Ziele, die ich habe, auch zu erreichen.

Können Sie noch etwas sagen zu Ihrer Familie und Ihrer religiösen Sozialisation?

Wie gesagt, ich komme von einem Bauernhof. Ich habe eine ältere Schwester und drei jüngere Brüder. Es hätte nach niederrheinischer Tradition nahegelegen, dass ich als ältester Sohn den Hof übernommen hätte. Das war aber nie mein Interesse, schon als Kind nicht. Das hat der nächstälteste Bruder gemacht. Ich fand das Leben auf dem Hof mit der Natur und den Tieren schön und habe als Jugendlicher natürlich auch mit angepackt. Dann war ich aber auch schnell wieder im Haus und habe lieber gelesen. Bei uns zu Hause wurde auch Wert auf Schule und Bildung gelegt. Meine Mutter hat das besonders gefördert.

Wurde bei Ihnen gebetet?

Das war ganz selbstverständlich. Wir fuhren zu großen Festtagen von unserem Dorf oft ins nahe gelegene Kevelaer in die Marienbasilika. Liturgie hat mich immer tief beeindruckt, schon als Kind.

Sie waren natürlich Messdiener?

Ich bin aus Leidenschaft Messdiener gewesen, ich habe mich immer gerne zum Dienst gemeldet und meinen Bruder gerne vertreten. Zu Hause haben wir regelmäßig vor und nach dem Essen gebetet, ein Gebet, das wir auswendig kannten. Es ist wichtig, einige Gebete auswendig zu können. Wenn es auf den Tod zugeht, hat der Mensch nur noch das, was er auswendig gelernt und gepflegt hat. Als meine Großeltern noch lebten, haben wir im Oktober auf dem Hof den Rosenkranz gemeinsam gebetet, auch mit den Angestellten.

Das alles klingt ein wenig wie eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten.

Ja und nein. Der Niederrhein ist noch immer volkskirchlich geprägt. Aber dazu kamen auch andere Impulse. Als Jugendlicher, während der gymnasialen Oberstufe, war ich auf einem bischöflichen Internat in Coesfeld, dem Pius-Kolleg. Dadurch kam ich als Fünfzehnjähriger schon nach Taizé, dort habe ich die Internationalität von Kirche und den beeindruckenden Roger Schütz erlebt. Das alles hat mein Interesse an Glaube und Kirche während eines kritischen Alters verstärkt.

Wann war klar, dass Sie Priester werden wollten?

Die Entscheidung reifte in der Unterprima. Aber vollständigerweise muss ich sagen: Der Wunsch geht bis in die Kindertage zurück.

Und in der Unterprima hat Sie keine Freundin oder der Gedanke an eine Partnerschaft davon abhalten können?

Das war sicher eine Auseinandersetzung. Aber mein Berufswunsch, Priester zu werden, war stärker. Ich habe dann mit dem Theologiestudium begonnen und - wie ich es bei allen Dingen im Leben getan habe - ernsthaft angefangen. Wichtig ist: Zölibatäres Leben heißt nicht, einsam zu sein; wohl aber, allein sein zu können mit Gott. Hier hilft das Gebet. Zölibatäres Leben eröffnet so eine Gemeinschaft des Glaubens, die mich trägt und be·heimatet.

Nun ist man in Spitzenpositionen, und das Amt des Bischofs gehört dazu, naturgemäß ein bisschen einsam.

Das ist mir aus meiner bisherigen Zeit als Weihbischof nicht unbekannt - gerade dann, wenn es um schwierige Entscheidungen geht. Das A und O für die zölibatäre Lebensform ist eine lebendige Spiritualität. Regelmäßiges Gebet ist wie ein geistliches Polster, das Schwierigkeiten abfedern kann. Es ist außerdem wichtig, gute Freunde zu haben, mit denen man vertraulich reden kann.

Was bedeutet Ihnen Macht?

Macht ist zunächst nichts Negatives. Wo sie verantwortet wahrgenommen wird, gibt sie die Möglichkeit zur Gestaltung. Ich bin bereit und geneigt, bischöfliche Verantwortung wahrzunehmen.

Bei Ihrem ersten Besuch nach Ihrer Ernennung sprachen Sie im Dezember in Limburg von „vielen gesellschaftlichen Veränderungen, die uns als Kirche herausfordern“. Was sind die wichtigsten Herausforderungen?

Die Kirche muss in der Gesellschaft so etwas wie das moralische Gewissen sein und prophetische Kritik üben, wenn die Gesellschaft Wege geht, die Gott aus dem Blick verlieren. Wo Gott vergessen wird, nimmt der Mensch Schaden. Etwa wenn es um das unbedingte Recht auf Leben geht, wie die gegenwärtige Diskussion um Forschung an embryonalen Stammzellen zeigt.

Sie waren damals auch für den Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung? Papst Johannes Paul II. hatte auch mit der Klarheit des Zeugnisses argumentiert.

Ich weiß, wie komplex dieses Problem ist. Aber um direkt auf Ihre Frage zu antworten: Damals machte ein Gerichtsurteil von sich reden, das Eltern das Recht auf die Abtreibung eines behinderten Kindes gab und darauf verwies, die katholische Kirche sehe das ähnlich. Wie absurd! Da ist mir bewusst geworden, dass wir klar und unmissverständlich Stellung beziehen müssen. Ich habe seinerzeit die Not der Gewissensentscheidung auch bei Bischof Franz Kamphaus wahrgenommen und respektiert. Genauso wichtig war aber, dass das Bistum Limburg zur Einheit mit dem Papst zurückgefunden hat.

Ein anderes wichtiges gesellschaftspolitisches Thema ist die Familie. Welche Rolle soll und kann die Kirche mit ihrem Familienbild in dieser Debatte spielen?

Für den Einzelnen und die Gesellschaft ist die Familie lebenswichtig, und zwar so, wie die Kirche das verbindliche Miteinander von Eltern und Kindern auf der Basis der sakramentalen Ehe versteht.

Aber das gibt es immer seltener, zumal in Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet.

Das weiß ich. Aber es kann doch nicht sein, dass wir uns wegen einer Situation, die faktisch anders ist, von einem Familienbild verabschieden, das wir aus der Schöpfungsordnung Gottes her für uns Christen als normativ verstehen. Natürlich hat sich vieles verändert. Wir müssen denen helfen, die Familienleben nicht allein gestalten können, und denen, die ohne die Geborgenheit tragender Bindungen aufwachsen. Hier sind der Staat und die Kirche sicher gefordert. Unsere kirchlichen Kindergärten helfen in diesem Zusammenhang zum Beispiel mit guten Betreuungsangeboten zur Entlastung Alleinerziehender. Aber: Wenn - wie ich jüngst bei einer Visitation erlebte - Mütter, die gerne bei ihren Kindern bleiben würden, ein schlechtes Gewissen bekommen, weil nach ihrem Eindruck die Politik die Betreuung von Kindern in Tagesstätten bevorzugt bewertet, dann setzt hier ein problematischer Bewusstseinswandel ein. Betreuung bei Personen und Institutionen außerhalb der Familie hat eben nicht den gleichen Stellenwert wie in der eigenen Familie. Bei aller Hilfe, die wir geben müssen, hat die klassische Familie als Keimzelle in Kirche und Staat Vorrang.

Ein Thema, das Ihnen wichtig ist, ist die „missionarische Kirche“. Hat die Kirche dafür genug Kraft?

Wir müssen Prioritäten setzen. Wir können nicht mehr alles. Vorrangig ist die Frage: Was gehört zum Wesen des Glaubens? Was ist für Christen unverzichtbar? Die Feier, dass der Auferstandene in unserer Mitte ist, und das Zeugnis, dass wir in seinem Namen an der Seite der Menschen sind. In Amerika habe ich gelernt, wie eine solche Standortvergewisserung praktisch gehen kann. Dort gibt es in den Gemeinden immer wieder den Austausch über das, was aufbricht und lebt, und zugleich den nüchternen Blick auf das, was Kräfte bindet, ohne wirklich etwas zu bewegen.

Tut die Kirche genug für ihre Priester, von denen die meisten in mehreren Gemeinden schuften?

Mir liegt sehr daran, die Mitbrüder zu stützen und die Gemeinsamkeit unter den Priestern zu fördern. Das Gebet miteinander und der Austausch untereinander gibt Halt. Dazu möchte ich besonders beitragen. In der Ausbildung der Priesteramtskandidaten werden die neuen Herausforderungen in der veränderten Pastoral aufgegriffen: Für Studienanfänger gibt es in einigen Diözesen inzwischen ein Propädeutikum, in dem sie auf die priesterliche Lebensweise vorbereitet werden. Es geht darum, geistliches Leben und pastoralen Dienst an den Menschen so zusammenzuführen, dass eine stimmige priesterliche Identität wachsen kann, die in der Praxis trägt.

Die Personalsituation im Bistum Limburg ist dramatisch. Allein zwölf sogenannte Pastorale Räume haben keine priesterlichen Leiter oder werden sie alsbald verlieren. Was wollen Sie tun?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich möchte bald mit den Bezirksdekanen zusammenkommen, um viel über die Situation vor Ort zu erfahren. Dass sich der Priestermangel zugespitzt hat, ist mir sehr bewusst. Bei allen Engpässen scheint es mir zugleich wichtig zu sein, auf die persönlichen Begabungen der einzelnen Priester zu schauen und sie entsprechend einzusetzen. Das dient den Mitbrüdern und den Gemeinden.

Mal eine ganz profane Frage: Verbessern Sie sich eigentlich finanziell mit Ihrem neuen Amt?

Ich antworte Ihnen ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Wirklich nicht. Ich habe danach nicht gefragt. Die Gehälter der Priester in Deutschland sind so, dass man gut für sich sorgen und zudem anderen helfen kann, denn: Eigentum verpflichtet zur Hilfe für andere - das gilt gerade für Geistliche.

Ein anderes Thema: In Frankfurt, und nicht nur dort, gibt es teils heftig geführte Debatten über neue Moscheen. Schrecken Sie solche Bauvorhaben?

Nein. Muslime sollen in Deutschland ihren Glauben leben können. Umgekehrt erwarte ich von muslimischen Ländern, dass sich Christen dort versammeln können und ihnen das Recht eingeräumt wird, Kirchen zu bauen.

Ist das Neue nicht die deutliche Sichtbarkeit von Moscheen mit Minaretten?

Ich störe mich im Prinzip nicht an Minaretten, aber sicherlich empfände ich sie, wenn ich in der Nachbarschaft einer Moschee leben würde, als fremd. Das will ich nicht leugnen. Insgesamt möchte ich sagen, dass wir im Dialog mit den Muslimen und auch in unserer Gesellschaft unsere Identität als Christen deutlicher äußern müssen.

Seit Ihrer Bischofsweihe tragen Sie einen Ring. Was hat es mit ihm auf sich?

Der Ring wird einem Bischof bei der Weihe angesteckt - mit den Worten: Trag diesen Ring als Zeichen deiner Treue, denn in unverbrüchlicher Treue sollst du die Braut Christi, die heilige Kirche, vor jedem Schaden bewahren. Meinen Ring habe ich von meiner Mutter und meinen Geschwistern geschenkt bekommen. Er ist gefertigt worden aus den Eheringen meiner vier Großeltern und dem Trauring meines Vaters, der meine Ernennung zum Weihbischof noch erlebt hat, vor meiner Weihe aber verstorben ist. Der Ring ist für mich sehr wertvoll. Aus den Ringen der gelebten ehelichen Treue in meiner Großfamilie wurde der neue Ring meiner Treue im Dienst für Gott und die mir anvertrauten Menschen.

Hat Ihr Ring eine besondere Symbolik?

Er zeigt ein Kreuz, einen Anker und zwei Fische. Fische und Anker sind ursprüngliche christliche Symbole. Der Fisch ist, von seiner griechischen Wortbedeutung her, ein Bekenntnis zu Jesus Christus als Gottes Sohn und Retter. Und glauben heißt, den Anker zu werfen in Gott, sich in ihm mit seinem ganzen Leben festzumachen.



Text: F.A.Z., 02.01.2008, Nr. 1 / Seite 41
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

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