Von Rainer Schulze
17. Juli 2008 In Frankfurt hat er schlanke Wolkenkratzer gestaltet, in Peking die fast schwebende Chinesische Nationalbibliothek entworfen. Aber ein Gebäude von dieser Dimension und Bedeutung ist für den Architekten Jürgen Engel dennoch etwas ganz Besonderes. Am Donnerstag unterzeichnete er für sein Büro KSP Engel und Zimmermann im Präsidentenpalast von Algier im Beisein der Bundeskanzlerin und des algerischen Präsidenten den Vertrag für ein Projekt, das vielleicht der Auftrag seines Lebens sein wird: die Mosquée d'Algérie.
Das Riesenensemble in der Bucht von Algier, dessen Anblick auch weltlich Gesinnte beeindrucken kann, soll Platz für 40 000 Gläubige bieten und eines der größten und höchsten Bauwerke in der islamischen Welt werden. Auf eine Milliarde Euro werden die Baukosten geschätzt. Die bloßen Zahlen beeindrucken. Das Minarett, an dessen Spitze ein riesiger Halbmond strahlt, ist mit 214 Metern das höchste der Welt. Der Gebetssaal soll 20 000 Gläubige fassen. Drumherum entstehen viele religiöse und kulturelle Gebäude, die fast einen eigenen Stadtteil bilden. Universitätsbauten sind geplant, ein Kulturzentrum, ein Basar, ein Museum und eine Schule.
Spanische Moscheen als Vorbilder
Am Donnerstag aus Algier, die Leitung knistert, klingt Engel mit sich zufrieden. Er sei sehr glücklich, dass sein Entwurf für das riesengroße Bauwerk auch umgesetzt werde. Es sei ein Meilenstein für ihn und das Büro. Ihn freue besonders, ein kulturelles Bauwerk zu errichten: Das ist ein befriedigendes Thema. Denn die Moschee ist ein Ort der Zusammenkunft. Ein Café, Läden, ein islamisches Forschungszentrum - anders als deutsche Kirchen wird dieser Ort für viele Gläubige ein Teil des Alltags sein. Es wird von der Moschee eine Wirkung ausgehen, die eine ganze Region prägen kann. Engel hofft, mit dem spirituellen Gebäude auch die Stadtentwicklung voranbringen zu können.
Das Büro KSP hat sich bei der Moscheeplanung von Fachleuten für die spezielle Baukultur beraten lassen. Er selbst habe sich in die Typologie des Moscheebaus eingefühlt und viele Moscheen, insbesondere in Spanien, besucht. Die Moscheen seien traditionell als sogenannte Stützräume gebaut. Daran angelehnt hat Engel eine 46 Meter hohe Stützenhalle geplant. Es war eine ganz neu Bauaufgabe für mich. Die Frage, wie sich die Tradition in die Moderne transformieren lässt, beschäftigt Engel seit langem.
Mit zwei Liften auf das Dach des Minaretts
Schon im Januar hatte KSP gemeinsam mit dem Darmstädter Ingenieurbüro Krebs und Kiefer International den Wettbewerb gewonnen. Aber dass aus dem Entwurf auch tatsächlich ein Gebäude wird, ist nicht selbstverständlich. Vorbehalte gegenüber einem westlichen Architekten habe es während des zweijährigen Auswahlverfahrens nicht gegeben. Das habe ihn zunächst sehr gewundert, sagt Engel. Es sein eine besondere Herausforderung gewesen, in einem Land, in dem die Baukultur noch nicht stark entwickelt sei, die Leute davon zu überzeugen, dass es ein hervorragendes Bauwerk wird. Hervorragend wird die Moschee im wörtlichen Sinne sein. Denn das Minarett ist schon ein Hochhaus in sich. Zwei Lifte sollen Besucher zu einer Aussichtsplattform bringen. Wie ein Teppich aus Palmen soll der Moscheepark die einzelnen Baukörper einhüllen und verbinden.
Gemeinsam mit dem Darmstädter Ingenieurbüro Krebs und Kiefer hat KSP die Generalplanung übernommen. Auch bei den südhessischen Kollegen ist die Freude groß. Jan Ackermann, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens sagt, ein Projekt in dieser Größe sei nicht alltäglich. An die Konstruktion des Tragwerks würden in Algerien wegen der hohen Erdbebengefahr hohe Ansprüche gestellt. Über die Ausführung macht sich Akkermann keine Sorgen. Algerien sei kein Dritte-Welt-Land mehr, die technischen Standards relativ hoch. Krebs und Kiefer hat insbesondere in den arabischen Staaten Erfahrung, seit sechs Jahren ist das Unternehmen in Algerien tätig. Bisher sagt Ackermann, habe man dort stets verlässliche Partner gefunden. Der Planungsschwerpunkt für das Projekt werde aber in Deutschland liegen.
Text: FAZ
Bildmaterial: dpa