Von Heidi Müller-Gerbes
18. Juni 2008 Die Wiesbadener Meetings of Styles“ gelten in der Szene als etwas Besonderes. Nicht nur, weil sich da Jahr für Jahr die internationale Kenner- und Könnerschaft in Sachen Graffiti trifft. Auch die Bereitschaft der Landeshauptstadt, ein solches Festival zu unterstützen, hat sich über die Jahre herumgesprochen.
Wäre es nach dem Willen der schwarz-gelb-grünen Koalition im Rathaus gegangen, hätte es die Veranstaltung im elften Jahr ihres Bestehens wohl gar nicht mehr gegeben. Die politische Mehrheit nämlich hat im vorigen Jahr beschlossen, derlei Events“ nicht mehr zu unterstützen. Ohne die vom Sozialdezernat zur Verfügung gestellten 8500 Euro aber hätten wir das Festival nicht stemmen können“, sagt dessen Initiator Manuel Gerullis. Um Qualität und Internationalität der Veranstaltung aufrecht- erhalten zu können, müssten die Wiesbadener nämlich beispielsweise für Fahrt- und Verpflegungskosten der eingeladenen Künstler aufkommen.
SPD: Förderung von Jugendkultur
Nach Darstellung der CDU-Stadtverordneten Astrid Wallmann hat der Ausschuss für Umwelt und Sauberkeit im November vorigen Jahres bestimmt, dass von Seiten der Stadt keine gezielte und unmittelbare Unterstützung von Spray-Aktivitäten gewährt“ werde. Zur Förderung von Farbschmierereien“ sollten keine öffentlichen Mittel mehr zur Verfügung gestellt werden. Dass ein städtisches Amt diese Beschlusslage für nicht bindend halte und im eigenen Sinne“ interpretiere, sei nicht hinnehmbar.
Sozialdezernent Arno Goßmann (SPD) hat diesen Vorwurf zurückgewiesen. Wir gehen davon aus, dass es bisher keine Beschlusslage gibt, die uns verwehrt, städtische Mittel für Graffiti auf legalen Flächen auszugeben“, sagte er auf Anfrage. Im Übrigen unterscheide er sehr deutlich zwischen einem künstlerischen Ausdruck und illegalen Schmierereien“, die auch er ablehne. Und obgleich er sich nicht zum Kunstsachverständigen aufschwingen wolle, gefielen ihm fachlich ordentlich besprühte Wände besser als tote, seelenlose Betonflächen“.
Auch Sprecher von SPD und Linker Liste haben die Zuschüsse für das Festival Meeting of Styles“ gerechtfertigt. Dabei gehe es eben nicht um Schmierereien, sondern um die Förderung von Jugendkultur“, sagte der jugendpolitische Sprecher der SPD, Christoph Manjura, und warf der CDU in dem Zusammenhang ein von Ignoranz und Unverständnis zeugendes, antiquiertes Schwarz-weißdenken“ vor. Den Grünen kreidete der Stadtverordnete an, dass sie den völlig unausgegorenen Law-and-order-Antrag“ von CDU und FDP im Umweltausschuss mitgetragen hätten. Befremdlich“ findet das auch Festival-Organisator Gerullis. Die Grünen hätten die Veranstaltung nicht nur jahrelang unterstützt, sondern sich auch noch damit gebrüstet. Jetzt seien sie heiß auf Macht“, und ihr Geschwätz von gestern“ sei ihnen egal.
Es könnte das letzte Meeting of Styles gewesen sein
Unterdessen hat der Revisionsausschuss den umstrittenen November-Beschluss“ zur Klärung an den Umweltausschuss zurückgegeben. Tatsächlich ist er schwammig und in sich widersprüchlich formuliert. Zwar heißt es darin, dass der Magistrat derartige Aktivitäten nicht unterstützen solle. Zugleich steht darin aber auch: Es besteht Einvernehmen darüber, dass von der Stadt geförderte Institutionen legale Graffiti-Aktionen auch weiterhin durchführen oder sich daran beteiligen dürfen“.
Dennoch ist nicht auszuschließen, dass das Meeting of Styles“ am vergangenen Wochenende das letzte seiner Art war. Bis eine Beschlusslage vorliegt“, so Goßmann, werde das Sozialdezernat Graffiti-Aktionen auf legalen Flächen zwar weiter planen, finanzwirksame Ausgaben aber nicht mehr tätigen“. Er persönlich, so der Dezernent, würde sich ja freuen, wenn Wiesbaden ein solches internationales Fest weiter behalten könnte. Die Entscheidung darüber liege aber bei den Parlamentariern.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Cornelia Sick
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