Offenbach

„Kitas müssen christliche Tradition pflegen“

Von Anton Jakob Weinberger

21. November 2006 Die Neufassung von zwei Liedern zum Martinsfest durch die Leitung der städtischen Kindertagesstätte 8 am Johann-Strauß-Weg ist in der Stadtverwaltung, beim Magistrat und bei der CDU auf Kritik gestoßen. Die stellvertretende Leiterin der Kita hatte in dem Lied „Durch die Straßen“ die Zeile „Lieber Martin, komm und schaue!“ durch „Liebe Kinder ...“ ersetzt. Im Lied „Kleines Fräulein, kleiner Mann“ wurde die Textzeile „Gott, der ist uns immer nah“ gestrichen. Statt dessen war auf dem Textblatt zu lesen „Kinder, kommt uns alle nah“. Öffentlich bekanntgemacht hat diesen Vorgang die Großmutter eines Kindes, das diese Kita besucht. Mit ihrer Beschwerde richtete sich die Frau auch an die Stadt.

Hermann Dorenburg, Leiter des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (Eko), bestätigte in seinem gestern veröffentlichten Antwortbrief den Vorfall. Zugleich stellte Dorenburg fest, daß das Vorgehen der Kita-Leitung „nicht den Vorgaben und der Orientierung für die pädagogische Arbeit unserer Einrichtungen“ entspreche. Dorenburg schreibt: „Es gibt weder Anweisungen noch allgemeine Orientierungen beim Eko, auf Inhalte und Symbole christlichen Kulturgutes zu verzichten.“ Das Konzept sehe vor, den Kindern die Möglichkeit zum Kennenlernen und zur Auseinandersetzung mit allen Religionen einzuräumen. Dazu zählten „natürlich in ganz besonderer Weise“ Werte, Inhalte und Rituale des Christentums.

Grüttner: „Falsch verstandene Integration“

Nach Angaben von Claudia Kaufmann-Reis, stellvertretende Eko-Leiterin, befürchtete die Leitung der Kita 8 bei den Eltern „anzuecken“, falls „Lieder mit christlichem Hintergrund“ gesungen würden. Vor dem diesjährigen Martinsfest habe es jedoch keine Beschwerden von Eltern gegeben. Bei der morgen stattfindenden Dienstbesprechung wollen Dorenburg und Kaufmann-Reis mit den Leitungen der 21 städtischen Kitas über den Vorfall reden und die Grundlinie des Eigenbetriebs klarmachen.

Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) sagte auf Anfrage, das Vorgehen der Kita-Leitung sein „ein Fehler“ gewesen. In den Kindertagesstätten müsse „unsere christliche Tradition gepflegt werden“. Es gehe nicht an, an traditionellen Texten „herumzufummeln“. Sozial- und Jugenddezernentin Birgit Simon (Grüne) sagte, interkulturelles Lernen könne nicht bedeuten, Traditionen zu nivellieren. Pfarrer Manfred Holtze vom Religionspädagogischen Amt der evangelischen Kirche sagte auf Anfrage, wer den Dialog zwischen Religionen fördern wolle, müsse die eigenen Traditionen kennen und leben.

Unterdessen hat die CDU-Fraktion einen Antrag eingebracht, wonach der Eko ein „verbindliches pädagogisches Konzept“ umsetzen solle, damit Feste wie St. Martin, Advent, Weihnachten und Ostern auf der Grundlage christlich-abendländischer Traditionen gefeiert werden könnten. In einer Mitteilung bezeichnete der CDU-Vorsitzende Stefan Grüttner die Verleugnung christlicher Bezüge bei Festen als „falsch verstandene Integration“.



Text: F.A.Z., 22.11.2006

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