Von Jens Joachim
20. Juni 2007 Der NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll hat am Mittwoch zu Beginn der Sitzung des Wetterauer Kreistags abermals für einen Eklat gesorgt und ist vom Kreistagsvorsitzenden Bernfried Wieland (CDU) von der Sitzung ausgeschlossen worden.
Nach Aussage der ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten Astrid Triesch (CDU) wurde Wöll gegenüber Jugendlichen, die Flugblätter mit der Aufschrift Nie wieder Faschismus - NPD verbieten verteilt hatten, handgreiflich. Die Verteilung der Flugblätter an Kreistagsmitglieder und Journalisten hatte Wieland zuvor genehmigt.
In gröbster Weise kontra Geschäftsordnung
Ein 16 Jahre altes Mitglied der Jugendorganisation der Linkspartei sagte gegenüber dieser Zeitung, er habe Wöll beim Betreten der Zuschauertribüne im Plenarsaal des Kreishauses fotografiert. Daraufhin habe Wöll ihn am T-Shirt gepackt, die Herausgabe des Fotoapparates gefordert und ihm Prügel angedroht. Ein Zwanzigjähriger sagte zudem, Wöll habe ihm mit mehreren Blättern Papier ins Gesicht geschlagen.
Kreistagsvorsitzender Wieland begründete gestern den Ausschluss Wölls damit, dass dieser in gröbster Weise gegen die Geschäftsordnung des Kreistages verstoßen habe. Sein Verhalten könne nicht gebilligt werden. Wöll, dem Wieland keine Gelegenheit gab, eine persönliche Erklärung abzugeben, verließ daraufhin unter dem Applaus der Kreistagsmitglieder den Plenarsaal.
Prozess steht an
Weil er Auschwitz bei einer Sitzung des Wetterauer Kreistags im März als Stätte des sogenannten nationalsozialistischen Terrors bezeichnet haben soll, muss sich Hessens NPD-Chef Wöll vor Gericht verantworten. Der Auftakt verzögert sich aber (Prozess gegen Hessens NPD-Chef verschoben).
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp