Von Peter Badenhop und Ewald Hetrodt
19. Oktober 2009 Als „einen großen Schritt“ hin zu einem Umzug des Europa-Hauptquartiers der amerikanischen Armee nach Wiesbaden hat eine Sprecherin des Oberkommandierenden, General Carter Ham, den erteilten Auftrag für den Bau eines Kommandozentrums auf dem Militärflugplatz in Wiesbaden-Erbenheim bezeichnet.
Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagte die Sprecherin: „Unsere Planungen haben sich nicht geändert. Wir spekulieren nicht, wir geben nur Fakten bekannt.“ Im Generalstab gibt es allerdings nach der Bewilligung des 84 Millionen Euro teuren Hauptquartier-Neubaus und der Auftragserteilung durch das bereits in Wiesbaden ansässige Ingenieurkorps der Army keine Zweifel mehr an der Verlegung von Heidelberg nach Wiesbaden.
Der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) kündigte an, dass er „die planmäßige Durchführung des Vorhabens nach Kräften unterstützen“ werde. Seine Erleichterung dürfte auch daher rühren, dass der Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) bis zuletzt massiv für den Verbleib der Amerikaner in Heidelberg geworben hatte.
Raum für 1000 Arbeitsplätze
Wie berichtet, soll das Kommandozentrum, das auf dem Erbenheimer Stützpunkt direkt neben dem derzeitigen Hauptquartier der 1. Panzerdivision entstehen wird, auf drei Stockwerken und rund 26.500 Quadratmetern Raum für mehr als 1000 Arbeitsplätze bieten. Die Fertigstellung ist für 2012 geplant. „Alles deutet darauf hin, dass wir dann nach Wiesbaden kommen, aber man weiß natürlich nie, was in Washington entschieden wird“, sagte ein Angehöriger des Hauptquartiers der Rhein-Main-Zeitung. „Die Schecks schreibt immer noch der Kongress.“ Die in diesen Worten zum Ausdruck kommende Unsicherheit bezieht sich allerdings weniger auf die grundsätzliche Entscheidung zum Umzug als vielmehr auf den Zeitplan. Das Vorhaben hatte sich in den vergangenen Jahren nämlich schon mehrfach zum Teil erheblich verzögert.
Nach dem von Präsident George Bush im August 2004 angekündigten Programm zur Reduzierung und Reorganisation der amerikanischen Truppen in Europa war zunächst ein Umzug im Jahr 2009 im Gespräch gewesen. Vier-Sterne-General Ham hatte bei seinem Amtsantritt im September 2008 aber schon mit aller Vorsicht von einem Termin 2011 oder 2012 gesprochen. In der vergangenen Woche hieß es, für den Bau des Kommandozentrums seien drei Jahre eingeplant. Daneben gibt das amerikanische Verteidigungsministerium einen dreistelligen Millionenbetrag für den Bau weiterer Wohnungen und eines neuen Army-Hotels aus. Außerdem ist der Bau einer neuen Zufahrt für die direkt neben dem Militärflugplatz gelegene Staatsdomäne Mechthildshausen beschlossen worden.
Fortgang der Truppenverlegung
Außer den bereits angelaufenen baulichen und organisatorischen Vorbereitungen in Erbenheim und anderen Teilen Wiesbadens haben vor allem die militärischen Einsatzpläne des Pentagon Einfluss auf den Fortgang der Truppenverlegung. Von Bedeutung ist dabei in erster Linie das in Erbenheim stationierte Hauptkommando der 1. Panzerdivision. Es soll bis zum Sommer 2011 nach Fort Bliss in Texas verlegt werden. Erst dieser Umzug wird auf dem Airfield in Erbenheim den nötigen Platz für das Europa-Hauptquartier der Army schaffen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Frank Röth