Hilfe für Kambodscha

„Ich muss alles mit eigenen Augen gesehen haben“

Von Ingrid Karb

15. Juni 2007 Im September wird es auf dem Schafhof der Sportlerin Ann Kathrin Linsenhoff wieder ein Kinderfest geben. Vom 14. bis 16. September öffnet die Reiterfamilie die Tore zu ihrem Privatgrundstück bei Kronberg für das mittlerweile vierte Festival, mit dessen Erlösen abermals ein Hilfsprojekt in einem Entwicklungsland finanziert wird. Das erste Festival fand zum 50. Geburtstag von Unicef Deutschland im Jahr 2003 statt.

Diesmal wird die Unterstützung der Ann-Kathrin-Linsenhoff-Unicef-Stiftung Kambodscha gelten. Mit den Eintrittsgeldern, Tombola-Einnahmen und Spenden soll, wie Linsenhoff bei einer Pressekonferenz mitteilte, ein Kinderkrankenhaus ausgebaut und das Straßenkinder-Projekt „Mith Samlanh“gefördert werden.

Tanz der andalusischen Pferde

Im vergangenen Jahr hatte die Familie wegen wichtiger Reitturniere auf die Ausrichtung des Festes verzichtet. Die Organisation sei sehr aufwendig, schon lange zuvor müssten Sponsoren und Mitwirkende gefunden werden, berichtete Klaus Martin Rath, der Ehemann Linsenhoffs. Ohne die Sponsoren könnte das Festival nicht stattfinden, dankte er den unterstützenden Firmen. Zudem seien auf dem Hof alle eingebunden und nach dem Festival dann „ausgelaugt“. Rath: „Wir haben nicht gewusst, worauf wir uns einlassen.“ Deshalb wolle man auch künftig bei dem Zwei-Jahres-Rhythmus bleiben.

In diesem Jahr erwartet die Besucher der Eröffnungsgala eine außergewöhnliche Präsentation: Zum Konzert der Philharmonie der Nationen unter Justus Frantz werden Reiter der Königlich Spanischen Reitschule aus Jerez andalusische Pferde tanzen lassen. Etwa 650 Gäste können der Präsentation in der Reithalle des Anwesens beiwohnen.

Die eigentlichen Adressaten des Fests sind jedoch Kinder. Für sie wird es an allen drei Tagen ein „Riesenprogramm“ – so Rath – geben. Für die jüngsten werden Karussells, Streicheltiere aus dem Opelzoo und eine Hüpfburg bereitstehen, die älteren können sich auf einem Trampolin oder einem Kletterturm, mit Gokarts und Mini-Motorrädern beschäftigen. Darüber hinaus werden wieder zahlreiche Sportler die jungen Besucher zum Mitmachen bewegen: darunter natürlich bekannte Reiter, aber auch die Frankfurter Eintrachtschule, Basketballer der Deutsche Bank Skyliners oder Footballspieler der Frankfurt Galaxy. Gerade diese Angebote machten das Festival auf dem Schafhof so einmalig, sagt Reinhard Schlagintweit, der Unicef auf der Pressekonferenz vertrat. Hier könnten Kinder mit ihren Vorbildern zusammenkommen.

Höchste Aids-Infiziertenrate in Asien

Linsenhoff hatte sich bei einer Reise nach Kambodscha Anfang des Monats über Unicef-Projekte in Phnom Penh und den Provinzen Kampong Speu und Siem Reap informiert. Ihr ursprünglicher Wunsch sei gewesen, den Kampf gegen Aids zu unterstützen. Über die dramatische Lage in Afrika sei hierzulande schon viel geschrieben worden. Deshalb habe sie bewusst das Augenmerk auf eine andere Region lenken wollen. Kambodscha verzeichne die höchste Infiziertenrate in Asien. Deshalb sei die Entscheidung zugunsten dieses Unicef-Vorschlags gefallen.

Linsenhoff hat sich Krankenhäuser, ein Frauenhaus, ein Jugendzentrum, eine Telefon-Hotline und Pagoden angesehen. Darüber hinaus hat sie arme Familien auf dem Land und in einem städtischen Slumviertel besucht. Überall hat sie sich Zeit genommen für die Menschen und sich im persönlichen Gespräch deren Lebensgeschichten schildern lassen. Dies sei ihr nicht immer leichtgefallen, bekennt Linsenhoff. Manchmal habe sie angesichts der Not auch mit Tränen kämpfen müssen. „Doch nur so kann ich mein Anliegen nachher auch glaubhaft vermitteln.“ Die Menschen in Deutschland spendeten ihr Geld an sie, an ihre Stiftung. Deshalb müsse sie auch dafür geradestehen, was damit geschehe. Alle von ihr bisher unterstützten Projekte habe sie selbst gesehen.

Erst nach einer Informationsreise werde festgelegt, wohin das Geld genau gehe. Auch das sei sehr schwer: „Man muss sich für eine Sache und damit gegen andere, ebenso sinnvolle Angebote entscheiden.“ Doch letztlich werde die Mühe belohnt, sind sich Linsenhoff und Rath einig: „Wir können viel bewegen. Das macht Freude.“

Auf der Internetseite www.schafhof-festival.de sind alle Informationen zum Fest abzurufen. Von nächster Woche an kann dort auch das Tagebuch Linsenhoffs von der Kambodscha-Reise eingesehen werden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Karb

 

Kommt es zu Rot-Grün unter Duldung der Linksfraktion?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche