Apotheken

Der neue Konkurrent mit dem grünen Kreuz

Von Thorsten Winter

Das grüne Kreuz hat das rote “A“ mit Giftschale und Äskulapnatter abgelöst

Das grüne Kreuz hat das rote "A" mit Giftschale und Äskulapnatter abgelöst

02. Mai 2007 Das grüne Kreuz ersetzt das rote „A“ mit der Giftschale und der Äskulapnatter: Die Apotheke an der Darmstädter Straße in Weiterstadt hat gestern das vertraute Branchenzeichen und gegen das Logo von Doc Morris eingetauscht - und zwar als erste im Rhein-Main-Gebiet. Inhaber Volker Buffleb folgte mit diesem Schritt einem Kollegen in Fulda, der seit knapp zwei Wochen mit der gerade vom Pharma-Großhändler Celesio gekauften Internet-Apotheke zusammenarbeitet und gleichsam Pionier in Hessen für Doc Morris ist. Der Weiterstadter Apotheker verspricht sich von dem Wechsel mehr Umsatz und bessere, das heißt niedrigere Preise für die Kundschaft, wie er sagt. Mit Doc Morris im Hintergund kann er demnach bei nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln unter dem empfohlenen Preis bleiben und bestimmte dieser Präparate um 30 Prozent günstiger abgeben als die Mitbewerber. Zu diesem Zweck gibt der Kooperationspartner regelmäßig einen Katalog mit 500 Medikamenten heraus, deren Preise für drei Monate gelten.

Eine kleine willkürliche Auswahl zeigt tatsächlich diesen Preisvorteil. So nimmt Buffleb für 40 Brausetabletten Aspirin plus C 12,95 Euro und damit einen Euro weniger als viele Frankfurter Apotheken. Um rund 20 Euro unterbietet er den durchschnittlichen Abgabepreis bei der 800-Stück-Packung Wobenzym, für die er 99,95 Euro verlangt, und für die 100-Gramm-Tube der Schmerzsalbe Mobilat Duoaktiv zahlen Patienten bei dem Weiterstadter Doc-Morris-Partner mit 9,95 Euro knapp ein Fünftel weniger als vielerorts üblich.

„Wir wollen Geld verdienen“

Jetzt auch in Weiterstadt

Jetzt auch in Weiterstadt

Mit dem jeweils drei Monate geltenden Katalog erfasst Doc Morris allerdings nur einen kleinen Teil der nicht rezeptpflichtigen Medikamente, deren Zahl Wolfgang Müller auf mehr als 5000 schätzt. Müller betreibt eine Apotheke in Mannheim und spricht für den Branchenverbund Linda. Zu diesem Kreis zählen derzeit 1400 Apotheker in Deutschland, darunter etwa 100 im Großraum Frankfurt. Linda ist seit zwei Jahren aktiv und nimmt für sich in Anspruch, die erste deutsche Apothekenmarke zu sein. Der Verbund arbeitet mit dem hierzulande führenden Pharmagroßhändler Phoenix AG zusammen und gehört dem Bonuspunktesystem Payback an.

Dies bietet den Kunden einen geldwerten Vorteil, zumal Payback regelmäßig mit Sonderaktionen aufwartet, bei denen der Bonus vervielfacht werden kann, wie Müller erläutert. So können demnach Kunden ein Arzneimittel um zehn oder 20 Prozent günstiger bekommen, auch wenn der Preis nicht von vornherein mit einem Rabatt belegt sei. Eine Vielzahl von Arzneimitteln, gar alle Medikamente zum halben Preis anzubieten kommt für Müller nicht in Frage. „Das wäre ruinös.“ Überhaupt verstehen sich die Mitglieder von Linda nicht als Discount-Apotheker, sondern vielmehr als preiswerte Anbieter, die „Problemlösungen“ anbieten, auf die ein Kunde, anders als beim Versand, nicht zwei oder drei Tage warten muss, wie er sagt.

Eine normale Apotheke zu führen und zudem Medikamente zu verschicken ist dabei für 275 von rund 1600 Apothekern in Hessen kein Widerspruch. Denn sie verfügen über die Erlaubnis, einen Versandhandel zu betreiben, wie Kristen Kuhl, Sprecherin des Apothekerverbands, sagt. Unter diesen Branchenvertretern ist Paul Schneider. Der Gießener betreibt unter der Marke „Pelikan“-Apotheke drei Filialen und hat zu Beginn dieser Woche den Postversand aufgenommen. Aus seinem Beweggrund macht er kein Hehl: „Wir wollen Geld verdienen.“ Schon im laufenden Monat will Schneider bis zu 150 Kunden für den Postversand gewinnen.

„Lieber selbst versenden als jammern“

Nachfrage gibt es genug, wie er sagt. Öfter haben demnach Kunden in den „Pelikan“-Filialen gefragt: „Verschicken Sie auch?“ Mit dem neuen Angebot zielt Schneider nach seinen Worten auf Leute in den Kreisen Gießen, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf. Dort erscheinenden Anzeigenblättern legt er sein Faltblatt „Sparznei“ bei, in dem für jeweils vier Wochen verbilligte rezeptfreie Medikamente aufgeführt sind. In der Mai-Ausgabe befindet sich ein Bestellbogen, den Patienten ausschneiden und an ihn schicken können. Das erste Dutzend an Bestellungen hat die „Pelikan“-Apotheke gestern schon abgearbeitet, wie Schneider berichtet, der im Jahr 2006 die Verwaltung in ein eigenes Gebäude ausgegliedert hat.

Sich als Apotheker nur auf die Kundschaft zu fokussieren gilt ihm als „taktischer Fehler“. Denn: „Je mehr man sich um den Kunden kümmert, desto mehr passiert in der Welt.“ Nicht zuletzt in der Apothekenwelt - Stichwort Doc Morris. Dem Internet-Händler möchte er nicht pauschalen Beifall spenden - „aber das, was er macht, passt in die Welt hinein“. Der Postversand habe zwar den Nachteil, nicht so schnell zu sein wie eine stationäre Apotheke, sei aber eben eine Konkurrenz. „Da mache ich es lieber selbst, anstatt darüber zu jammern.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. / Foto Michael Kretzer, picture-alliance/ dpa

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