24. November 2005 Früher war in dem kleinen Laden Berger Straße 31 ein Antiquariat gewesen, dann ein Geschäft für Surfbretter. Seit Donnerstag residiert dort die Deutsche Bahn AG. Zwischen einem Bistro und einer Filiale der Frankfurter Sparkasse hat das erste "DB Mobility Center" seine Pforten geöffnet. Dort soll man künftig Fahrkarten oder Bahncards kaufen und sich beraten lassen können. "Es ist ein Pilotprojekt, wenn es sich bewährt, machen wir dasselbe in allen großen Städten Deutschlands", so Bahnchef Hartmut Mehdorn.
Eine Konkurrenz für Reisebüros wolle man nicht schaffen, sagte er - obwohl es offensichtlich ist, das es genau um so etwas geht. Mehdorn führte aus, wenn die Menschen nicht in ausreichender Zahl zur Bahn kämen, müsse die Bahn zu den Menschen kommen. Deshalb gehe man mit den neuen Vertriebsstellen in die Stadtviertel, zeige dort Präsenz und biete die Möglichkeit, beim Einkaufen nebenbei eine Fahrkarte zu erstehen. Einige der Bahnfahrräder aus dem Programm "Call a Bike" stehen auf einer kleinen Terrasse des Geschäfts, man kann sie dort ebenso mieten wie Autos der Bahntochter DB Rent. "Es ist das erste Mal seit 170 Jahren, daß die Bahn die Bahnhöfe verläßt", sagte Bahn-Vertriebschef Jürgen Büchy. Marketing-Generalbevollmächtigter Ralf Klein-Bölting deutete an, man könne sich vorstellen, in Frankfurt weitere solcher Läden aufzumachen, etwa an der Zeil. Zum Namen "Mobility Center" sagte Mehdorn, man habe im Management gesagt, wenn jemand den Namen kritisieren wolle, müsse er einen besseren nennen: "Bahn-Mobilitätszentrum, da wäre einem die Spucke ausgegangen", meint Mehdorn. "Bahnshop gibt es schon, da kann man Bahn-Souvenirs kaufen."
Mit allerhand Werbung versucht die Bahn, auf das neue Angebot aufmerksam zu machen. Quer über die Berger Straße hängen rote Transparente, die darauf hinweisen. Außen am "Mobility Center" gibt es einen Fahrkartenautomaten, der aussieht wie die Geldautomaten an Bankfilialen. Vertriebschef Büchi sagte, die Bahn habe den automatischen Fahrkartenverkauf in den vergangenen Jahren sehr vorangetrieben. So sei der Umsatz über Automaten von 500 Millionen Euro im Jahr 2000 auf 1,2 Milliarden Euro im vorigen Jahr gestiegen. Der Umsatz über das Internet habe im selben Zeitraum von zwölf Millionen auf 450 Millionen Euro zugenommen. "Irgendwann gibt es da aber eine Grenze", glaubt Büchi. Während "erfahrene" Bahnkunden den technischen Angeboten gegenüber sehr offen seien, könne man neue Kunden besser durch einen persönlichen Vertrieb gewinnen. Dem wolle die Bahn Rechnung tragen.
Mehdorn sagte, man achte bei den Standorten für die "Mobility Center" darauf, daß nicht zu viele Reisebüros mit Bahn-Lizenz in der Nähe seien. Grundsätzlich aber sei es sinnvoll für die Bahn, solche Angebote mit eigenen Leuten zu betreiben, weil man so mehr für die Bahn werben und beraten könnte, als das in Reisebüros möglich sei. Für Mehdorn ist es kein Widerspruch, daß die Bahn sich zunächst von ihrer Beteiligung an der Reisebürokette DER getrennt hatte, um jetzt in Eigenregie neue Vertriebsstützpunkte zu errichten: "Für das Geld aus dem DER-Verkauf haben wir viele neue Züge gekauft. Das war damals wichtiger."
Bildmaterial: F.A.Z. - Wonge Bergmann