28. Juni 2007 Der symbolische erste Spatenstich ist getan, und voraussichtlich noch in diesem Sommer wird mit dem Bau des Wiesbadener Filmhauses begonnen. Bauherrin des annähernd sieben Millionen Euro teuren Projekts ist die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Die Bewahrerin des deutschen Filmerbes von seinen Anfängen bis in die sechziger Jahre will Ende nächsten Jahres gemeinsam mit der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (Spio) vom Kreuzberger Ring in den unmittelbar am alten Schlachthofgelände nahe dem Hauptbahnhof gelegenen Neubau umziehen.
Kernstück des Filmhauses ist ein Kino mit 100 Plätzen, das tagsüber für die Prüfvorführungen der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) und der Filmbewertungsstelle (FBW) genutzt werden soll, abends und an den Wochenenden aber auch öffentlich bespielt werden könnte. Gedacht ist nicht nur an Vorführungen deutscher Filmklassiker aus den umfangreichen Beständen der Murnau-Stiftung und des Deutschen Filminstituts (DIF), die Wiesbadener Filmfestivals GoEast oder Exground könnten das Filmhaus mit nutzen.
Filmhaus als Begegnungsstätte
Als filmkulturelles Zentrum soll das Filmhaus ausdrücklich auch Begegnungsstätte werden, was sich insbesondere in seinem Foyer mit angeschlossenem Multifunktionsbereich ausdrückt, in dem beispielsweise Ausstellungen möglich sein werden; auch ein öffentlich zugängliches Café/Bistro ist vorgesehen. Die Spio hat das 3150 Quadratmeter große Grundstück zu günstigen Konditionen, wie es heißt, von der Stadt erwerben können und der Murnau-Stiftung in Erbpacht überlassen. Die Planung stammt von dem Idsteiner Architekturbüro Schneider & Sommer.
Mit in das Filmhaus einziehen werden auch zahlreiche andere Institutionen der Branche, allen voran die FSK und die Filmbewertungsstelle FBW sowie das Archiv des Deutschen Filminstituts, das Institut für Kino und Filmkultur und die Deutsche Filmkünstler Nothilfe. Außerdem wollen eng mit der Murnau-Stiftung verbundene Firmen wie die Transit Film GmbH München und die Omnimago GmbH im neuen Filmhaus vertreten sein.
Die zu 100 Prozent bundeseigene Transit Film, die vor allem für den weltweiten Vertrieb und die sonstige kommerzielle Auswertung des Filmbestands der Stiftung verantwortlich ist, will künftig auch ein Büro in Wiesbaden unterhalten; die Ingelheimer Postproduktions-Firma, die unter anderem die digitale Nachbearbeitung des Filmbestands der Murnau-Stiftung übernommen hat, hat bislang noch auf dem Gelände Unter den Eichen eine Dependance.
Corts: Kulturelle Bereicherung für die Filmstadt
Das vom Land mit 1,7 Millionen Euro geförderte Filmhaus Wiesbaden werde eine kulturelle Bereicherung nicht nur für die Filmstadt Wiesbaden“, sondern auch für den Filmstandort Hessen“ sein, sagte der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Udo Corts, bei dem zeremoniellen ersten Spatenstich voraus. Die Landesregierung sei an der Realisierung eines filmkulturellen Zentrums mit nationaler und internationaler Ausstrahlung sehr interessiert – biete es doch neben der Präsentation der hervorragenden Arbeit“ der Murnau-Stiftung und der beteiligten Institutionen vielfältige Chancen auch für andere filmische Projekte.
Bürgermeister Helmut Müller (CDU), der morgen in sein neues Amt als Oberbürgermeister eingeführt wird, erhofft sich von dem Neubau eine Aufwertung des Schlachthof-Umfelds, die es gerechtfertigt habe, das Grundstück günstig zur Verfügung zu stellen. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Kulturzentrum Schlachthof (KUK), die in der Vergangenheit manchen Investor abgeschreckt haben soll, sieht der Vorstandsvorsitzende der Murnau-Stiftung, Friedemann Beyer, ausschließlich positiv.
Mit den KUK-Betreibern gebe es bereits gute Kontakte, sagte Beyer auf Anfrage. Sie hätten bereits angeboten, dass die Stiftung die KUK-Räume für größere Veranstaltungen gegebenenfalls mitbenutzen könne, und auch gemeinsame Projekte seien vorstellbar. Ohnehin plane das KUK ein Facelifting“ und habe sich vorgenommen, von dem vor allem mit seinen vielen Graffiti verbundenen Schmuddelimage“ wegzukommen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Simulation Architektenbüro Schneider & Sommer