Wälder

Stabiles Vermögen, aber kümmerliche Rendite

Von Oliver Bock

Das Interesse am Kauf von Forstflächen steigt

Das Interesse am Kauf von Forstflächen steigt

20. März 2007 Die Konjunktur belebt die Nachfrage nach Holz als Bau- und Werkstoff. Die Verteuerung fossiler Energieträger treibt mehr Bürger zur Brennholzgewinnung in den heimischen Wald. Holzpelletheizungen gewinnen in der Klimadebatte an Attraktivität. Schon überlegen Landwirte, schnell wachsende „Energiebäume“ auf Äckern zu pflanzen, um mit dem Holz Geld zu verdienen.

Und der Hessische Waldbesitzerverband berichtet vom steigenden Interesse am Kauf von Forstflächen. Die Branche sieht das wachsende Interesse mit Zufriedenheit, zumal es das Ziel des „Holzabsatzfonds“ ist, den jährlichen „Pro-Kopf-Verbrauch“ von Holz als Bau- und Werkstoff in Deutschland von derzeit 1,1 Kubikmeter bis 2014 auf 1,3 Kubikmeter zu steigern.

875.000 Hektar Wald in Hessen

Die Auflösung von Aktienfonds und die Umschichtung von Vermögen in eigenen Waldbesitz lohnt sich aber nur für den, der nicht mit einer marktüblichen Verzinsung seines Kapitals rechnet. Zwar gibt es verlockende Renditeversprechen von elf Prozent, doch diese Bäume wachsen dann nicht in Deutschland in den Himmel, sondern in Panama. In Hessen ist die Vermögensstabilität von Forstgrundstücken zwar hoch, aber die monetäre Rendite kümmerlich.

Rund 875.000 Hektar Wald gibt es in Hessen. Das sind mehr als 42 Prozent der Landesfläche, weshalb Hessen als waldreichstes Bundesland gilt. Die Verteilung des Waldreichtums in Hessen unterscheidet sich ungewöhnlich stark vom deutschen oder gar europäischen Durchschnitt. Während in Europa 65 Prozent des Waldes in Privateigentum, 25 Prozent im Besitz des Staats und nur zehn Prozent im Eigentum der Kommunen sind, ist das Bild in Hessen anders. Dem Land und damit allen Bürgern gehören mit 340.000 Hektar rund 40 Prozent der Waldfläche, während die Kommunen 35 Prozent ihr Eigen nennen. Die geschätzt 100.000 privaten Forsteigentümer kommen nur auf 25 Prozent Waldanteil.

Der Waldreichtum des Staates bereitet den Steuerzahlern aber keine Freude. Die staatliche Forstverwaltung arbeitet defizitär. Das hat sich auch durch die Gründung des Landesbetriebs Hessen-Forst noch nicht entscheidend geändert, auch wenn die ökonomischen Erfolge in den vergangenen Jahren durch einen drastischen Personalabbau und eine Strukturreform unübersehbar geworden sind.

Unternehmen als Pächter nicht willkommen

Hessen-Forst betreut bis heute auch die meisten der 418 waldbesitzenden Kommunen in Hessen. Das Gesetz, den kommunalen Wald von den staatlichen Förstern bewirtschaften zu lassen, ist zwar gefallen, doch ist die Neigung zum Wechsel bei der Betreuung aus ökonomischen und politischen Gründen in den Kommunen bislang nicht sehr groß. Neben Frankfurt und Wiesbaden, die schon seit langer Zeit über Stadtforstämter verfügen, haben in jüngerer Zeit nur Bad Homburg, Laubach, Mengerskirchen und Bad Orb auf die Dienste von Hessen-Forst verzichtet. In Laubach hieß es bei einer Bilanz nach sieben Jahren, die Effizienz des Forstbetriebs habe sich radikal verbessert, die Kosten seien geringer, die Erlöse höher. Bad Homburg meldete ein Jahr nach der Trennung von Hessen-Forst eine Rendite von 108.000 Euro: Das war mehr, als Hessen-Forst jemals an die Stadtkasse überwiesen hatte. Doch Schule gemacht haben die Beispiele bislang nicht.

Mit dem Gedanken an einen Wechsel tragen sich aber viele. Ein Beispiel dafür ist Idstein. Mit fast 4000 Hektar Kommunalwald steht die Stadt an vierter Stelle unter den kommunalen Waldeigentümern in Hessen. Dem hohen Vermögenswert des Waldes steht auch hier eine bescheidene Rendite gegenüber. Zwar wurden zum Beispiel 2004 aus dem Holzverkauf 80.000 Euro erlöst, doch unter Berücksichtigung aller Kosten hatte die Bewirtschaftung des Walds ein Defizit von 16.000 Euro erbracht.

In Idstein bot der schwedisch-finnische Konzern Stora Enso an, den Stadtwald zu pachten – zu einem Preis, der deutlich über der bisherigen Rendite gelegen hätte, die von Hessen-Forst für die Stadt erwirtschaftet wird. Das verlockende und von den staatlichen Förstern als geradezu „unanständig“ empfundene Angebot: ein fester Pachtzins in Höhe von 125.000 Euro, während Hessen-Forst zwischen 2001 und 2005 als Dienstleister für die Stadt nur einen jährlichen Überschuss von durchschnittlich 44.000 Euro überwiesen hatte. Doch weil die emotionale Bindung vieler Kommunalpolitiker zu „ihrem“ Wald meist größer ist als die ökonomische Vernunft und weil niemand sich auch nur dem Verdacht aussetzen will, er wolle den Wald der Gemeinde für schnöden Mammon plündern lassen, haben Angebote wie die von Stora Enso bislang keine Chance.

Was der Wald wert ist

Auch in Heidenrod ist die Zufriedenheit mit der Rendite mäßig. Die kleine Taunusgemeinde ist hinter der Großstadt Frankfurt Hessens größter kommunaler Waldbesitzer mit rund 4600 Hektar Forst. Doch wenn Heidenrod 100.000 Euro Rendite im Jahr aus diesem Besitz zieht, ist das schon ein üppiges Ergebnis. Als Musterbeispiel für die Abkehr von Hessen-Forst gilt das mittelhessische Laubach, das 1999 für seinen 1900 Hektar großen Forst eine Stadtwaldstiftung gegründet hat.

Anders als die Kommunen sind die fast 100.000 privaten Waldeigentümer frei von politischen Erwägungen bei der Bewirtschaftung. Vor allem im Odenwald und in Mittelhessen ist ihre Zahl groß und sind ihre Parzellen klein. Der Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbandes Christian Raupach vertritt die Interessen von 60.000 Waldeigentümern und schätzt, dass die durchschnittliche Privatwaldgröße in Hessen bei drei bis vier Hektar liegt.

Was aber ist der Wald wert? Raupach zufolge wird Waldboden in Hessen je nach Lage, Verkehrsanbindung, Größe, Marktlage und Baumbestand zwischen 50 Cent und einem Euro je Quadratmeter gehandelt. Wald kann jedoch dann an zusätzlichem Wert gewinnen, wenn er eine Mindestgröße von 75 Hektar erreicht und als sogenannter „Eigenjagdbezirk“ ein separates Jagdrevier ist, das selbst bejagt oder an einen Jäger verpachtet werden kann. Wenn das noch in verkehrsgünstig guter Lage liegt und womöglich von Hirschen bevölkert ist, spielt der Wert der Bäume ohnehin nur eine Nebenrolle. Ein solches 81 Hektar großes Waldstück in Sachsen-Anhalt wird beispielsweise derzeit für 235.000 Euro offeriert, in Mecklenburg-Vorpommern kosten 22 Hektar in guter Lage 140.000, in Brandenburg 45 Hektar rund 78.000 Euro.

Wertstabile Anlage

Die Rendite, die sich in Hessen aus Waldeigentum ziehen lässt, schätzt Raupach auf vielleicht ein halbes bis ein Prozent. Das ist nicht nur auf den ersten Blick wenig attraktiv. Tatsächlich aber ist Wald als sichere, wertstabile Anlage durchaus gefragt. Für Besitzer kleiner Flächen macht Raupach eine andere Rechnung auf: Wer einen Hektar gesunden Mischwald sein Eigen nenne, könne daraus jährlich fünf Kubikmeter Brennholz für den eigenen Kamin oder die eigene Heizung gewinnen, was er sich sonst für rund 80 Euro je Kubikmeter von Fremdanbietern anliefern lassen müsste.

Die Rendite des Waldes sei somit nachwachsender Rohstoff, der zur eigenen Versorgungssicherheit beitrage, ohne dabei das Vermögen anzugreifen. Wer den schweißtreibenden Griff zur eigenen Motorsäge oder Axt scheut, kann – wie 25.000 Waldbesitzer – auf Hessen-Forst zurückgreifen, denn bis fünf Hektar große Wälder werden unentgeltlich betreut. Oder aber er engagiert private Forstdienstleister, die allerdings etwa 40 bis 60 Euro je Hektar verlangen.

Ein Waldstück zu finden ist nicht immer leicht. Der Staat als mit Abstand größter Eigentümer ist notorisch verkaufsunwillig und erwägt sogar, einige Flächen zur Arrondierung seiner Wälder hinzuzukaufen. Auch die Kommunen verkaufen ihr „Tafelsilber“ schon aus politischen Gründen nicht. Nach Ansicht von Hessen-Forst darf auch die „ideelle“ Rendite des Waldes nicht übersehen werden: Erholung, Lebensraum, sauberes Grundwasser und reine Luft. Nur bezahlen will das dem Forsteigentümer niemand.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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