Rauchverbot

Umsatzrekord im „Alt Ascheberg“

15. Mai 2008 Seit mehr als zehn Jahren führt Susi Friedreich die Gaststätte „Alt Ascheberg“ in der Aschaffenburger Innenstadt. „Ich hatte immer mein Auskommen“, sagt sie. „Aber so gut wie zur Zeit lief es bei mir noch nie.“ Die Wirtin macht sich eine Lücke im bayerischen Gesundheitsschutzgesetz zunutze: Das heftig umkämpfte Rauchverbot gilt zwar für alle öffentlich zugänglichen Lokale, aber in geschlossenen Gesellschaften darf weiterhin nach Lust und Laune gequalmt werden. Eine solche Insel ist auch das „Alt Ascheberg“. Denn dort haben nur Mitglieder Zutritt. Genau 32 der 430 Gaststätten in Aschaffenburg haben sich zum Raucherclub erklärt.

Raucherclubs müssen „ echte Mitgliederstruktur“ aufweisen

Das von allen Fraktionen im bayerischen Landtag beschlossene Gesetz trat zu Jahresbeginn in Kraft. Sechs Wochen später endete die Schonfrist. Dann begannen manche Wirte, sich gegenseitig beim Ordnungsamt der Stadt Aschaffenburg anzuschwärzen. „Wir haben die Inhaber der Gaststätten über das Rauchverbot belehrt, mussten aber bis heute keinen Bußgeldbescheid verhängen“, sagt Lothar Hinzer vom Ordnungsamt. Dazu könnten auch die Raucherclubs einen Betrag geliefert haben. Sie sind in den ministeriellen Vollzugshinweisen zum Gesetz ausnahmsweise erlaubt, wenn sie „eine echte Mitgliederstruktur“ aufweisen, dem Wirt also die Angehörigen seines Clubs bekannt sind und er ihre Daten jederzeit abrufen kann. Außerdem müssen die Mitglieder sich als solche ausweisen können. Eine nur für einen Abend gelöste Einrittskarte reicht nicht aus.

Für einen Euro im Monat nach Herzenslust rauchen

Friedreich hat nicht nur einen einfachen Raucherclub gegründet. Gemeinsam mit sechs Gästen ist sie nach den Karnevalstagen zum Notar gegangen und hat gegen eine Gebühr in Höhe von 180 Euro den „Raucher-Verein Alt Ascheberg“ eintragen lassen. Der monatliche Beitrag beträgt einen Euro. „Im Moment haben wir 80 Mitglieder“, sagt die Vierundsechzigjährige. Nie hätte sie gedacht, eines Tages nicht nur Wirtin, sondern auch Vorsitzende eines Vereins sein zu müssen, um ihre Existenz zu sichern, sagt sie. Dies gelingt ihr jetzt besser als je zu zuvor. Die Umsatzsteigerung ist schnell erklärt: „Früher gingen meine Gäste auch mal woanders hin. Seit dem Rauchverbot kommen sie nur noch hierher.“ 30 Personen finden in ihrer Gaststätte Platz. Neben den Getränken serviert Friedreich auch Hausmannskost. Erst gestern hat sie noch ein Schild vor die Tür gehängt. „Damit die Leute nicht glauben, dass hier nur geraucht und getrunken wird.“

Auch Diskotheken nutzen Gesetzeslücke

Eine echte Konkurrenz unter dem Raucherclubs gibt es in Aschaffenburg nicht, zumal die Klientel sehr heterogen ist. Denn außer Traditionsgaststätten nutzt auch eine Reihe von Diskotheken die Lücke, die das Gesetz bietet. Während der Weg zur Tür in kleinen Kneipen nur ein paar Meter beträgt, ist es für Disco-Besucher oft sehr umständlich, etwa von der Tanzfläche im Kellergeschoss bis nach draußen zu gelangen - und zurück. In Raucherclubs gibt es solche Probleme nicht.

Kleine Betriebe leiden am meisten unter rigiden Regelungen

Das Ordnungsamt kontrolliert sie wie alle anderen Gaststätten auch. Allerdings fragen die Beamten die Mitglieder außerdem stichprobenartig nach ihrem Ausweis. Hinzer berichtet, dass der Vollzug des bayerischen Gesundheitsschutzgesetzes der Stadtverwaltung in Aschaffenburg keine Probleme bereite. „Das pendelt sich alles ein.“ Theo Keller, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im Kreis Miltenberg und Seniorchef der „Hotel-Brauerei“, hofft hingegen, dass die gegenwärtigen Regelungen noch nicht das letzte Wort des bayerischen Gesetzgebers sind. Sein eigenes Haus profitiere zwar, weil insbesondere die Gäste, die zum Essen kämen, sich über die gute Luft freuten. Aber die kleinen Betriebe litten sehr unter den neuen Verhältnissen. Keller teilt deshalb die Auffassung der hessischen FDP: Die Inhaber von „Ein-Mann-Eckkneipen“ sollten selbst darüber entscheiden dürfen, ob bei ihnen geraucht werden dürfe oder nicht.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Foto Rainer Wohlfahrt

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