Mainz

Das Kesselhaus als Kunsthalle

Von Markus Schug

27. Februar 2008 Auf alle Fragen hat Stadtwerke-Vorstand Hanns-Detlev Höhne geduldig geantwortet – nur nicht auf jene, was denn der Umbau des alten Kesselhauses in eine moderne Kunsthalle gekostet habe. Die Ausstellungsräume in der ehemaligen Energiezentrale des Mainzer Zollhafens, die durch einen um sieben Grad geneigten Turm ergänzt wurde, seien ein Geschenk an kunstinteressierte Bürger der Stadt und des Landes, erklärte Höhne.

Und weil er nicht damit rechne, dass jemand die seit Jahrzehnten geforderte Kunsthalle „umzutauschen“ gedenke, sei das Preisschild wie bei Präsenten üblich sozusagen entfernt worden. Ohnehin bleibe das in den vergangenen eineinhalb Jahren aufwendig umgestaltete Gebäude ja im Eigentum der Stadtwerke Mainz, die gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz, der Stadt und Sponsoren künftig zudem jährlich eine Viertelmillion Euro für die Präsentation zeitgenössischer Ausstellungen zur Verfügung stellen will.

Werke von zehn Künstlern zu sehen

Zumindest für die nächsten fünf Jahre sei die Finanzierung gesichert, sagten übereinstimmend Kultur-Staatssekretär Joachim Hofmann-Göttig (SPD) und Kulturdezernent Peter Krawietz (CDU), die wie Höhne dem Vorstand der Stiftung Kunsthalle Mainz angehören. Bei der Vorab-Besichtigung der ersten Ausstellung, die unter der Überschrift „Alle Zeit der Welt“ von Samstag an besucht werden kann, sprach Hofmann-Göttig von „einer mittleren Sensation“. Die von den Stadtwerken beabsichtigte Umwandlung des Zollhafens in ein Wohn- und Kulturviertel, die in den nächsten 15 Jahren vollzogen werden soll, habe Mainz eine „Lösung beschert, mit der man so nicht rechnen konnte“.

Nicht zufällig seien zum Auftakt die Werke von zehn Künstlern zu sehen, die sich mit Langzeitprojekten beschäftigen, sagte die künstlerische Leiterin Natalie de Ligt. Denn auch in der nach Plänen des Berliner Architekten Günter Zamp Kelp geschaffenen Kunsthalle werde, damit dieser Ort Zukunft habe, ein „langer Atem“ gebraucht. Für Wechselausstellungen, Einzel- und Gruppenschauen sowie themenbezogene Präsentationen steht eine Fläche von etwa 840 Quadratmetern zur Verfügung; davon befinden sich drei Räume mit jeweils 60 Quadratmetern in dem 21 Meter hohen und leicht schrägen Turm, der Besuchern schon allein durch seine Panoramafenster ungewohnte Ausblicke und Ansichten verspricht.

1000 kleine Kreise aus Papier

Für zwei der jährlich mindestens vier geplanten Präsentationen wird das Land verantwortlich zeichnen; genauer gesagt: Studenten der Kunstakademie in Mainz sowie Landesstipendiaten. Dieses Engagement will sich Rheinland-Pfalz jeweils 90.000 Euro im Jahr kosten lassen. Darüber hinaus werden die Stadt 30.000 und die Stadtwerke 100.000 Euro für die „Bespielung der Kunsthalle“ beisteuern; weitere Gelder sollen Sponsoren aufbringen. Von Vertretern aus Stadt und Land seien zwar Anregungen zu erwarten, sagte der Kulturdezernent. Die Verantwortung dafür, was gezeigt werde, trage letztlich aber die Kuratorin. Schließlich sollen die Ausstellungen in dem langgestreckten Backsteingebäude, zu dem auch die im früheren Lokschuppen untergebrachte „7° Café Bar Lounge“ gehört, nicht nur in der Region, sondern möglichst weit darüber hinaus wahrgenommen werden.

Am Wochenende haben Interessierte erstmals Gelegenheit, sich im Innern der Kunsthalle umzuschauen – wo aus Pappe gefertigte Flugzeuge im Raum schweben, Skulpturen und Familienfotos zu sehen sind, ein mühsam verknoteter Seidenfaden ausgestellt wird und Reste von Papier zu erkennen sind, aus dem der Künstler von Hand bis zu 1000 kleine Kreise ausgeschnitten hat, um diese als Konfetti bei Fastnachtsumzügen zu werfen. Der Blick auf die Gegenwartskunst kostet Erwachsene drei Euro Eintritt; Kinder können sich am Samstag von 10 bis 22 Uhr sowie tags darauf von 10 bis 20 Uhr unentgeltlich im alten Kesselhaus umsehen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Wonge Bergmann

 

Wie ist die harsche Fan-Kritik an Eintracht Trainer Funkel zu werten?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche