14. Dezember 2005 Immer mehr Privathaushalte in Hessen sind zahlungsunfähig. Von Juli bis September meldeten mehr als 1.000 private Schuldner bei den Gerichten Insolvenz an, teilte das Statistische Landesamt in Wiesbaden mit. Das waren fast 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und 22,5 Prozent mehr als im zweiten Quartal. Als Gründe nennen Experten die Änderung der Insolvenzordnung im Jahr 2001, die die Entschuldung erleichtert und sich erst langsam herumspreche, sowie die hohe Arbeitslosigkeit.
Beim Land dagegen bessert sich die Finanzlage etwas: Hessen braucht im laufenden Jahr dank guter Steuereinnahmen zum Jahresende weniger Kredite als ursprünglich geplant. Die Nettoneuverschuldung werde 960 Millionen Euro betragen, sagte Ministerpräsident Roland Koch (CDU) im Landtag. Mitte Oktober hatte das Finanzministerium noch mit 1,22 Milliarden Euro gerechnet. Addiere man die kommunalen Investitionen zu denen des Landes hinzu, sei der Nachtrag mit der geringeren Verschuldung verfassungsgemäß, sagte Koch. Die Verfassung erlaubt Neuverschuldung nur in Höhe der Investitionen.
Dessenungeachtet gilt die Finanzlage des Landes als angegriffen. Der Kreditbewerter Standard & Poor's hat Ende November die Kreditwürdigkeit Hessens herabgesetzt. Grund sei der erwartete Schuldenanstieg bis Ende des nächsten Jahres. Die Bonitätsnote für das Bundesland wurde von AA+ um eine Stufe auf AA gesenkt. Hessen gilt gleichwohl weiter als sehr guter Schuldner.
Text: dpa/thwi