Sicherheit

Automatische Gesichtserkennung ungeeignet zur Terrorfahndung

Von Katharina Iskandar

„Das Ziel, eine Gefahr zu verhindern, erreiche ich damit nicht“: BKA-Chef Zie...

„Das Ziel, eine Gefahr zu verhindern, erreiche ich damit nicht“: BKA-Chef Ziercke über den Biometrie-Testlauf

11. Juli 2007 Die automatische Erkennung von Gesichtern aus einer Menschenmenge heraus ist nach Angaben des Bundeskriminalamtes nicht geeignet, um bei der Fahndung von Terroristen oder Gewalttätern eingesetzt zu werden. Das sagte gestern Jörg Ziercke, der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA). Im Auftrag des Bundesinnenministeriums hatte die Behörde vom 9. Oktober vergangenen Jahres bis zum 31. Januar 2007 ein Pilotprojekt zur sogenannten Foto-Fahndung gestartet. Drei Kameras unterschiedlicher Herstellerfirmen wurden in der Eingangshalle des Mainzer Hauptbahnhofs montiert (F.A.Z. vom 11. Oktober 2006). Sie sollten 200 Testpersonen unter den rund 23 000 Reisenden, die sich täglich am Mainzer Hauptbahnhof aufhalten, herausfiltern. Doch selbst bei guten Lichtverhältnissen hätten die Kameras nur eine Trefferquote von gerade einmal 60 Prozent erzielt, lautete gestern das Ergebnis. Ziercke sagte, er werde Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Foto-Fahndung nicht empfehlen.

Das Bundesinnenministerium hatte große Hoffnungen gehegt, dass die biometrische Gesichtserkennung schon bald im Kampf gegen Terrorismus in Deutschland eingesetzt werden kann. Gerade nach den beiden geplanten Kofferbombenattentaten in Dortmund und Koblenz waren Forderungen laut geworden, nicht nur die Zahl der Kameras an Flughäfen und Bahnhöfen zu erhöhen, sondern auch die Qualität der Aufnahmen zu verbessern.

„Ein zu hohes Risikopotential“

Zwei Kameras setzte das BKA in Mainz beim Test zur biometrischen Gesichtserke...

Zwei Kameras setzte das BKA in Mainz beim Test zur biometrischen Gesichtserkennung ein

Das Augenmerk richtete sich auf intelligente Systeme wie die biometrische Gesichtserkennung. Im Idealfall wäre es mit Hilfe dieser Technik innerhalb kürzester Zeit möglich, einzelne Gesichter in einer Menschenmenge auszumachen. Das hätte sich laut Ziercke vor allem bei der Suche nach verdächtigen Gewalttätern oder vermissten Personen bewähren können. Der Testversuch am Mainzer Hauptbahnhof habe aber gezeigt, dass dies zwar theoretisch möglich, aber beim derzeitigen Stand der Technik für die Polizei nicht anwendbar sei.

Ziercke machte gestern auch auf die Konsequenzen aufmerksam, die entstünden, sollte die Technik schon jetzt genutzt werden. Festnahmen allein auf der Basis biometrischer Gesichtserkennung wären nicht zu verantworten, so der BKA-Präsident. Diese Art von Fahndung berge momentan noch „ein zu hohes Risikopotential“. Selbst bei Treffern wäre es unter derzeitigen Voraussetzungen notwendig, zusätzlich noch einen Polizisten zu Rate zu ziehen, um den Abgleich zu verifizieren. Dann, so Ziercke, könnten Verdächtige auch gleich weiterhin, wie gehabt, direkt observiert werden. Die Technik müsse nun weiterentwickelt werden. Sie sei nur dann einsetzbar, wenn die Trefferquote auch bei schlechten Lichtverhältnissen nahezu 100 Prozent betrage.

„Wir werden die Internetüberwachung brauchen“

Die Lichtverhältnisse hatten sich bei dem Test als entscheidend erwiesen. Bei Dunkelheit sank die Trefferrate auf zehn bis 20 Prozent. Empfindlich reagierten die Kamerasysteme auch auf Bewegungen: Bei stillstehenden Personen auf der Rolltreppe lag die Quote um fünf und 15 Prozentpunkte höher als bei Personen, die die Treppe nutzten. Der Versuch wurde am Mainzer Hauptbahnhof eingerichtet, weil er nach Angaben der beteiligten Ermittler gute Testbedingungen wie etwa Lichtverhältnisse vorweisen konnte. Gute Chancen auf einen baldigen Einsatz hat die Technik nach Angaben Zierckes hingegen bei Zugangskontrollen und Personenschleusen. Dort blickten die Personen einzeln in die Kamera, und die Beleuchtung sei ausreichend.

Trotz des wenig beeindruckenden Ergebnisses des Pilotprojekts machte Ziercke deutlich, dass man sich neuen Möglichkeiten bei den Ermittlungen nicht verschließen dürfe. „Wir werden die Internetüberwachung brauchen“, sagte er im Hinblick auf den Kampf gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität.

Biometrie ist die Vermessung von Lebewesen zum Zweck ihrer Unterscheidung. Stimmen, Gesichtszüge, Fingerabdrücke, die Regenbogenhaut des menschlichen Auges (Iris) - aus all dem lassen sich unverwechselbare Datenmuster gewinnen. Ein Problem ist, dass sich die äußeren Merkmale von Lebewesen - etwa wegen ihres Alterns - verändern. Die biometrische Gesichtserkennung konzentriert sich deshalb auf Details, die diesem Prozess möglichst wenig unterliegen. Dazu zählen die Ränder der Augenhöhlen sowie bestimmte Partien des Kieferknochens und des Mundes.

Text: FAZ.NET mit dpa/lhe
Bildmaterial: dpa, F.A.Z. / Foto Michael Kretzer

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