Von Ralf Euler
16. Januar 2008 Die hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU) hat ihre Ankündigung bekräftigt, nach einem Wahlsieg ihrer Partei in den nächsten fünf Jahren 2500 neue Stellen an den Schulen zu schaffen. Das sollten vor allem Lehrer, aber auch Sozialpädagogen und Verwaltungskräfte sein, sagte Wolff auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden.
Es gehe um die Verbesserung des Unterrichts, die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen und die Stärkung der Hauptschulen durch weitere sogenannte Schub-Klassen. Weil zudem die Verantwortung der Schulen gefördert werden solle, müssten die Schulleiter qualifiziert und durch Verwaltungsfachleute entlastet werden.
Protest hessischer Elternbeiräte
Im August wird nach den Worten von Wolff eine Akademie zur Aus- und Fortbildung von Schulleitern ihre Arbeit aufnehmen. Dort werde unter anderem Personalführung und Kommunikation, Schul- und Personalrecht, Schulentwicklung, Schulorganisation und Schulverwaltung sowie Selbstorganisation und Moderation gelehrt. Zur Verantwortung der Schulen gehörten mehr Freiheiten in Personal- und Budgetfragen, eine Aufgabe, auf die die Schulleiter vorbereitet werden müssten. Für Donnerstag haben die hessischen Elternbeiräte zu einem landesweiten Protesttag gegen die Schulpolitik der Landesregierung aufgerufen. Wolff nahm für sich jedoch in Anspruch, in ihren neun Amtsjahren erfolgreich gearbeitet zu haben. Die Reformen wolle sie fortsetzen. Ein Wahlsieg von SPD und Grünen würde diese Entwicklung in Frage stellen und die Schulen einem Veränderungsstress“ aussetzen. Die Ministerin räumte ein, dass sie von den Schulen viel Reform“ verlangt habe, doch habe dies auch zu einer deutlichen Verbesserung der Unterrichtsqualität und einer drastischen Reduzierung des Stundenausfalls geführt.
Die FDP nahm Wolff das Bekenntnis zur größeren Verantwortung der Schulen nicht ab. Eine zentrale Zuteilung der neuen Stellen durch das Ministerium widerspreche diesem Prinzip, sagte der FDP-Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn. Aus FDP-Sicht sollten den Schulen 105 Prozent der erforderlichen Lehrer zugewiesen werden, wovon sie bis zu 20 Prozent als Geld nach eigenem Gutdünken verwenden könnten. Die Grünen versprachen, im Falle einer Regierungsbeteiligung sofort 1000 neue Lehrer zu rekrutieren. Ministerin Wolff habe eine miserable Bilanz“ vorzuweisen und setze auf ein Weiter so“, kritisierte der Grünen-Landtagsabgeordnete Mathias Wagner.
Die SPD, die rund 2000 neue Stellen an den Schulen für die nächsten fünf Jahre verspricht, vermisste jedes Wort zu Fragen wie den Klassengrößen, der Arbeitsbelastung der Lehrkräfte und der Mitbestimmung an den Schulen. Die Sozialdemokraten planen ein Haus der Bildung“, in dem Kinder und Jugendliche bis zur zehnten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Dabei setze man auf die Freiwilligkeit der Schulen, äußerte die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Heike Habermann. Wenn sich ein Schulträger und wenn sich Schulgemeinden entscheiden, nach anderen pädagogischen Prinzipien zu arbeiten, dann werden diese Schulen Unterstützung erhalten.“ Von Zwang könne keine Rede sein. Die SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti versprach, dass unter einer von ihr geführten Regierung auch Gymnasien weiter gefördert würden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Frank Röth
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