Mordprozess

Vater weist Schuld an Jacquelines Hungertod von sich

15. November 2007 Im Mordprozess um den qualvollen Hungertod der kleinen Jacqueline hat der Vater die Schuld von sich gewiesen. Seine Frau habe nie gesagt, dass sie mit der Versorgung des Kindes überfordert sei, hieß es in einer Erklärung, die der Verteidiger des 33-Jährigen vor dem Landgericht Marburg verlas. Der Mann und seine elf Jahre jüngere Frau aus dem nordwesthessischen Bromskirchen sind wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Sie sollen ihre Tochter nicht ausreichend ernährt und gepflegt haben. Das 14 Monate alte Kind starb Ende März. Es wog damals sechs Kilogramm - rund die Hälfte dessen, was ein Kind dieses Alters normalerweise wiegt. Die Mutter hatte sich in ihrer Einlassung selbst die Schuld am Tod ihrer Tochter gegeben.

Es habe eine „klassische Rollenverteilung“ gegeben, wie er sie auch von zu Hause her kannte, las der Verteidiger vor. Seine Frau habe sich um das Kind und den Haushalt gekümmert, der Vater habe als Industriemechaniker gearbeitet und die beiden Hunde umsorgt. „Ich weiß, ich habe es mir bequem gemacht“, hieß es in dem Schriftstück. Es sei augenscheinlich gewesen, dass seine Frau mit dem Haushalt irgendwann nicht mehr zurecht kam, aber sie habe nie um Hilfe gebeten. Das Bauernhaus am Ortsrand der 2000-Seelen-Gemeinde Bromskirchen war komplett verdreckt und vermüllt.

„Irritiert und geschockt“ vom Tod des Kindes

Auf die Frage, wie es dem Kind gehe, habe seine Frau immer gesagt, dass alles in Ordnung sei. In den letzten Wochen vor Jacquelines Tod habe seine Frau ihn immer davon abgehalten, nach der Tochter zu schauen. Das Kind würde schlafen, er solle lieber mit den Hunden spazieren gehen. Deswegen sei er „irritiert und geschockt“ gewesen, als er vom Tod seiner Tochter erfahren habe. „Ich weiß nicht, wie ich in Zukunft damit leben soll“, hieß der letzte Satz im Schriftstück.

Der Trauzeuge des Paares hatte im Zeugenstand berichtet, dass Jacqueline im Dezember 2006 noch „kräftig“ ausgesehen habe. Anfang März habe Jacqueline zwar „kränklich“, aber nicht Besorgnis erregend ausgesehen, schilderte der Großvater des Mädchens. Seine Schwiegertochter habe von einer Magen-Darm-Grippe gesprochen. Weiter nachgehakt habe er nicht, sagte der 71-Jährige. Der Trauzeuge sagte aus, sein „Kumpel“ habe Gespräche über das Kind immer „abgeblockt“. Der 37-Jährige hatte die Mutter und Jacqueline Ende März zum Arzt gefahren. Jacqueline war zu diesem Zeitpunkt bereits tot.



Text: FAZ.NET mit dpa/lhe
Bildmaterial: AP

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