Aschaffenburg

Simultan, beweglich und mit Glockengeläut

Von Ewald Hetrodt

Krippenszenen auf dem nachgebildeten Aschaffenburger Stiftplatz

Krippenszenen auf dem nachgebildeten Aschaffenburger Stiftplatz

13. Dezember 2006 Die klassische Inszenierung ist alle Jahre wieder in vielen Haushalten zu bewundern: Spätestens am Heiligen Abend liegt das Jesuskind im Stall. Zur Standardausstattung gehören daneben natürlich Maria und Josef, Ochse mitsamt Esel sowie - wenn beim Aufbau alles gutgegangen ist - das mit einer kleinen Elektrobirne unter Stanniolpapier simulierte Feuerchen, das die bittere Kälte erträglich macht.

Die gesamte Szenerie ist auf die Geburt des Herrn fokussiert und ändert sich im Normalfall erst am 6. Januar. Dann werden die drei Könige aus dem Morgenland ausgepackt. Sie sind dafür vorgesehen, Gold, Weihrauch und Myrrhe herbeizuschaffen und das Kind in der Krippe anzubeten, während ihr Kamel den gebührenden Abstand hält. Damit ändert sich die Lage. Die Fachleute sprechen von einer Wechselkrippe, weil der Figurenbestand streng nach dem liturgischen Kalender verändert und erweitert wird.

Josef und Maria vor der Löwenapotheke

Davon unterscheidet man die eher seltenen Jahreskrippen, in denen ständig Szenen aus dem Evangelium dargestellt werden, und schließlich die Simultankrippen. Sie werden in der Vorweihnachtszeit aufgebaut und zeigen die biblischen Ereignisse gleichzeitig. Ein Beispiel ist in einer Aschaffenburger Ausstellung zu sehen. In einer Anlage, die den ganzen Altarraum der alten Krankenhauskapelle einnimmt, ist der Stiftsplatz mitsamt den ihn umgebenen historischen Bauten detailgetreu nachgebildet. Diese dienen als Stationen, an denen die verschiedenen Ereignisse gleichzeitig zu betrachten sind. Das Besondere: Viele der Figuren bewegen sich auf Knopfdruck.

Am Schönborner Hof wird beispielsweise gezeigt, wie Kaspar, Melchior und Balthasar auf ihrem Weg zu dem Kind bei König Herodes vorstellig werden. Vor der Löwenapotheke werden Josef und Maria auf der Suche nach einer Herberge abgewiesen. Am Stiftsbrunnen mitten auf dem Platz verkündet ein Engel Maria die Frohe Botschaft. Unmittelbar im Schutz der Päpstlichen Basilika ist das zentrale Ereignis inszeniert: „Es kam die Zeit, daß Maria gebären sollte.“ Geschaffen wurden das große Ensemble und die vielen ausgestellten „kleinen“ Kunstwerke von den „Aschaffenburger Krippenfreunden“. Sie haben sich 1919 zusammengeschlossen, um „beim Einzug der Weihnachtskrippe ins christliche Heim“ mitzuwirken.

Vom Hobby zum Beruf

Mit dem Pfarrer der Stiftskirche, Dechant Jürgen Vorndran, an der Spitze arbeiten heute das ganze Jahr über 130 Mitglieder in einem eingetragenen Verein mit internationalen Kontakten an anspruchsvollen Projekten.

Walter Lippert aus Sailauf (Landkreis Aschaffenburg) hat sein Hobby mit Beginn der Pension zum Beruf gemacht und in Innsbruck die Ausbildung und die Prüfung zum Krippenbaumeister absolviert. Jetzt bildet er selbst aus. Die nächsten Kurse bietet er im August und im September in der vereinseigenen Werkstatt an.

Im zurückliegenden Jahr sind 30 neue Krippen entstanden. Außerdem ist die große Simultankrippe abermals erweitert worden. Mit dem Döngestorturm haben die Krippenfreunde die Gegenwart gleichsam überholt. Denn sie haben in Miniaturform ein historisches Bauwerk wiedererrichtet, das 1777 abgerissen und nicht wiederaufgebaut wurde. Und sogar ein akustisches Detail ist verändert worden. Nachdem die Stiftsbasilika neue Glocken bekommen hat, mußten auch die Krippenfreunde reagieren. Zum Glück war das aktuelle Geläut auch als CD zu haben.

Die Ausstellung ist bis zum 14. Januar in der alten Krankenhauskapelle, Lamprechtstraße 2, zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis samstags zwischen 13 und 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Am 24. und 31. Dezember ist geschlossen. Der Eintritt ist frei.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Rainer Wohlfahrt

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