Bad Orb

Toskanaworld im Spessart kann gebaut werden

Von Holger Dell

18. Juni 2008 Der Bau der Toskanaworld in Bad Orb kann beginnen. Eine Teilgenehmigung brachte der Landrat gleich mit. Im Saal des Kurhaus-Hotels, in dem am Dienstagabend in namentlicher Abstimmung der Stadtverordneten die entscheidenden Beschlüsse über die Verträge zum Bau und zur Finanzierung für das mehr als 22 Millionen Euro teure Projekt einstimmig fielen, machte sich Erleichterung breit. Nicht alltägliche Szenen spielten sich ab.

Nachdem er schon von allen Seiten mit Lob für seinen Einsatz überschüttet worden war, erntete Landrat Erich Pipa (SPD) als Zugabe noch einen Blumenstrauß aus der Hand der CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Gabriele Kempa-Pennekamp. Gleiches widerfuhr seinem Vorvorgänger Hans Rüger (CDU). Er hatte wesentlich zur Beilegung der Streitigkeiten zwischen den Stadtverordnetenfraktionen und zur Versöhnung innerhalb der Parteien beigetragen, was dem Projekt zugute kam.

Verbale Prügel für den Bund der Steuerzahler

Vergeblich hatte Stadtverordnetenvorsteher Heinz Grüll (FWG) die rund 200 Zuschauer ermahnt, Beifalls- und Missfallensbekundungen zu unterlassen. Das Publikum ließ sich immer wieder zu Beifalls- und Missfallensäußerungen hinreißen. Letztere galten jenen, die sich nicht ohne Wenn und Aber in die Reihe der Thermen-Befürworter hatten eingliedern wollen und, wie Bürgermeister Wolfgang Storck (CDU), trotz grundsätzlicher Zustimmung vor negativen finanziellen Folgen gewarnt hatten.

„Störfeuer“ unter anderem von anonymen Briefeschreibern, die versucht hätten, Ministerien, Steuerzahlerbund und die Medien gegen das Projekt aufzubringen, hätten in den zurückliegenden Wochen Verzögerungen bei den Vertragsverhandlungen verursacht, beklagte Pipa. Er sei gezwungen gewesen, viel Zeit für Stellungnahmen aufzuwenden, allein zweimal beim Regierungspräsidenten, sagte Pipa.

Besonders derbe verbale Prügel von allen politischen Seiten bezog der hessische Bund der Steuerzahler, der die Kommunalaufsicht beim Regierungspräsidium und die Stadtverordneten von Bad Orb aufgefordert hatte, dem Thermenprojekt in seiner jetzigen Konzeption die Zustimmung zu verweigern. Seine Unkenrufe, die Therme sei überdimensioniert und könne in den finanziellen Ruin der ohnehin hochverschuldeten Stadt führen, fußten auf unwahren Behauptungen, meinten mehrere Redner.

Fertigstellung der Therme für Ende 2009 geplant

Pipa war sich mit den Fraktionsvorsitzenden einig, dass Bad Orb durch die neue Therme mit Saunalandschaft, Wellnesszone, Schwimm- und Solebecken sowie Gastronomie, deren Fertigstellung für Ende 2009 geplant ist, einen positiven Aufschwung und die Rückkehr in die erste Liga der deutschen Heilbäder erleben werde. Auch die Finanzsituation der Stadt werde sich dank der Investition deutlich verbessern. Der Steuerzahlerbund habe keine Alternative genannt. Wenn die Therme nicht gebaut werde, gehe der Titel „Bad“ verloren, fielen die Immobilienpreise weiter, sänken die städtischen Einnahmen, während die Ausgaben steigen würden. Die von der Kur abhängigen Arbeitsplätze wären bedroht, 2500 Orber und ihre Familien seien von diesen abhängig.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Tobias Weisbecker rechnete vor, dass beim Erreichen der prognostizierten Besucherzahlen für die neue Therme die Stadt keinen weiteren Verlust von Schlüsselzuweisungen und Kurbeiträgen zu befürchten habe, sondern wieder ein Ansteigen erwarten könne. Letztlich würden sich einschließlich des Zuschusses von rund 780.000 Euro an die Betreibergesellschaft die jährlichen Defizite der städtischen Kurgesellschaft und damit die Zuschüsse der Stadt mehr als halbieren und die Stadt zudem Eigentümerin des Bades werden. Pipa habe mit Engagement Bad Orb vor einer Katastrophe bewahrt. FWG-Fraktionsvorsitzender Thorsten Stock sagte, die Unterstützung des Thermenbaus durch die Stadt sei Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung.

Bürgermeister Storck äußerte, er sei nie gegen das Projekt gewesen, habe allerdings Bedenken gegen die Art und Weise der Finanzierung angemeldet. Diese würden aber weder von den politischen Gremien noch von der Bevölkerung geteilt. Er stelle sie deshalb zurück und werde sich für das Gelingen der Bad Orb Therme einsetzen. Um mit dem Kreis wieder eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufbauen zu können, habe er seine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Landrat zurückgezogen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Rainer Wohlfahrt

 

Haben Sie schon eine Feinstaub-Plakette für die Frankfurter Umweltzone?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche