
Stefan Müller trat für das Landeskriminalamt vor die Presse, um sich zum Blutbad von Rüsselsheim zu äußern
14. August 2008 Die blutige Schießerei von zwei verfeindeten türkischen Gruppen in Rüsselsheim ist weitgehend geklärt. Die Ermittler nahmen am Donnerstag weitere Verdächtige fest. Nach dem bisherigen Erkenntnisstand sind vermutlich alle an der Auseinandersetzung beteiligten Personen identifiziert, sagte Stefan Müller vom Hessischen Landeskriminalamt (LKA). Mehrere Verdächtige hätten sich auch freiwillig gestellt. Bei der Schießerei waren am Dienstagabend vor einer Eisdiele in der Fußgängerzone drei Menschen getötet worden, darunter eine unbeteiligte 55 Jahre alte Frau.
Insgesamt sollen acht Männer in unterschiedlicher Weise an der Auseinandersetzung mit drei Toten und einem Verletzten beteiligt gewesen sein. Vier sollten noch am Donnerstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, einer ist noch flüchtig. Drei weitere Festgenommene stehen vor der Entlassung. Zwei von ihnen haben mit der Sache nichts zu tun, sagte Ger Neuber von der Staatsanwaltschaft Darmstadt.
Bandenmitglieder in ihrer Ehre verletzt
Die Ermittler gehen beim Motiv weiter davon aus, dass sich einige Bandenmitglieder in ihrer Ehre verletzt fühlten. Die Bluttat könnte daher ein Racheakt gewesen sein: Den Angreifern von Rüsselsheim war am vergangenen Freitag von einem Türsteher, der Mitglied der anderen Gang ist, der Einlass in eine Diskothek in Mainz verwehrt worden. Ein erster Versuch, diese Erniedrigung gewalttätig zu vergelten, scheiterte am Samstag. Nach den Vernehmungen sei relativ sicher, dass mindestens zwei der Tatbeteiligten seit längerem im Streit lagen, sagte LKA-Sprecher Udo Bühler. Wie lange schon, sei derzeit aber noch unklar. Die Demütigung durch den verwehrten Disco-Einlass habe möglicherweise das Fass voll gemacht.
Zu den vier Verdächtigen, die dem Haftrichter vorgeführt werden sollen, gehören nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch die 49 und 28 Jahre alte Männer, die bereits am Mittwochvormittag festgenommen worden waren. Zeugen hatten die beiden am Tatort gesehen. Auch der 31-jährige Türke aus Wiesbaden, der bei dem Blutbad am Dienstagabend schwer verletzt wurde, sollte am Donnerstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Die Polizei rechnet ihn dem Kreis der Angreifer zu. Sein 26-jähriger Bruder starb bei der Schießerei ebenso wie ein 29 Jahre alter Mann aus der Gruppe der Angegriffenen.
Am Mittwoch identifizierte Türken einschlägig bekannt
Nach Darstellung des LKA saßen drei bis vier Personen in dem Café in der Rüsselsheimer Fußgängerzone, als sie von mehreren Männern angegriffen wurden. Dabei wurde mit mindestens zwei Schusswaffen mehrfach geschossen, auch Messer wurden eingesetzt. Die bereits am Mittwoch identifizierten Türken sind laut Landeskriminalamt bei der Polizei allesamt einschlägig bekannt. Zu den vorläufigen Obduktionsergebnissen halten sich die Ermittler vorerst bedeckt, um reines Täterwissen nicht preiszugeben.
Text: FAZ.NET mit AP/lhe
Bildmaterial: dpa, Marcus Kaufhold
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