27. März 2008 Weil sie ihr Baby direkt nach der Geburt in eine Mülltüte steckte und sterben ließ, ist eine 25 Jahre alte Frau wegen Totschlags zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht Darmstadt sah es als erwiesen an, dass die Frau das Kind im Januar 2007 auf einer Krankenhaustoilette in Viernheim zur Welt brachte. Sie packte das Mädchen lebend in eine Tüte und versteckte es hinter einem Gebüsch nahe der Klinik.
Die Angeklagte gab die Tat zu und begründete sie mit Geldsorgen und Angst vor ihrem strengen Vater. Der habe gedroht, ihr das Kind aus dem Bauch zu schneiden, wenn sie schwanger würde, sagte die arbeitslose Deutsche vor Gericht. Sie habe nicht gemerkt, dass sie schwanger war und sei von der Niederkunft überrascht worden.
Die Leiche wurde vier Wochen nach der Tat zufällig von einem Kind gefunden, dessen Ball beim Spielen in dem Gebüsch gelandet war. Die Rechtsmedizin konnte die Todesursache nicht mehr eindeutig feststellen: Offensichtlich ist das lebensfähige Neugeborene durch mangelnde Fürsorge gestorben. Es war unterkühlt oder ist in der Plastiktüte erstickt, sagte Rechtsmediziner Roman Bux.
Sie fühlten sich hilflos und allein
Nach Überzeugung des Gerichts ließ die gelernte Hauswirtschafterin das Baby aus Hilflosigkeit sterben. Sie hatten Angst vor ihrem Vater, fühlten sich hilflos und allein. Sie waren nicht mutig genug, sich den Tatsachen zu stellen, sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner. Deshalb und wegen des Geständnisses bestrafe sie das Gericht für einen minderschweren Fall von Totschlag. Sie waren zu schwach, das Kind zum Jugendamt zu bringen. Dass sie nichts von der Schwangerschaft gewusst haben will, nahm das Gericht der Angeklagten aber nicht ab: Das ist abwegig. Die Periode sei ausgeblieben und das Kind habe in ihrem Bauch gestrampelt, sagte Wagner.
Die Frau hatte sich der Polizei gestellt, nachdem Bilder von ihr aus der Überwachungskamera des Krankenhauses veröffentlicht worden waren. Nach Zeugenhinweisen hatten die Ermittler ihr auch eine DNA-Probe zum Vergleich mit der des toten Babys abgenommen. Der Polizei sagte sie, sie sei im Krankenhaus auf Toilette gegangen, weil ich dachte, ich muss groß. Dann sei das Kind in die Schüssel gefallen. Ich war geschockt, holte das Kind raus und legte es ins Waschbecken. Das Kind habe einmal kurz gebrüllt. Danach putzte die Frau notdürftig das Blut von der Toilette und brachte das Baby versteckt unter ihrer Jacke nach draußen.
Text: FAZ.NET mit lhe
Bildmaterial: dpa
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