Südhessen

Für die Praktika interessiert sich kaum ein Jugendlicher

20. Dezember 2005 50 in Südhessen von 500, die Hessen-Metall insgesamt mit einer Million Euro fördert. Das Brett, das Kristin Heidelmeyer-Krug vom Bildungswerk der hessischen Wirtschaft zu bohren hatte, war nicht eben dünn. Heidelmeyer-Krug hat telefoniert, sie hat geworben und aufgeklärt, und am Ende hatte sie Erfolg.

Es fanden sich in allen vier südhessischen Landkreisen und der Stadt Darmstadt Betriebe, die sich an der Verbandsinitiative beteiligten. Ein erfreuliches Ergebnis: 50 Möglichkeiten für einen Schulabgänger, ein Metall- und Elektrounternehmen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten kennenzulernen. 50 Angebote, eine berufsbezogene Qualifikation zu erwerben und sich die Kenntnisse mit einem Zertifikat der Industrie- und Handelskammer bescheinigen zu lassen. 50 Mal die nicht unbedeutende Chance, anschließend in ein festes Ausbildungsverhältnis übernommen zu werden, was in der Vergangenheit bei EQJ-Projekten in 30 Prozent der Fall war.

Allein, die viele Mühe hat bislang wenig gefruchtet. Von den 50 Plätzen in Südhessen konnten bislang genau vier besetzt werden. Das aber ist eine Zahl, die Wolfgang Drechsler nicht nur nachdenklich macht, sondern mittlerweile auch ärgerlich. "Wir sind missionarisch tätig, wir haben erfolgreich Plätze geschaffen, und am Ende finden sich vier Bewerber. Da stellt sich mir die Frage, ob der Freiwilligkeitsvorbehalt noch aktuell ist", meinte der Bezirksgruppen-Geschäftsführer des Unternehmerverbandes am Dienstag mit Blick auf die Vermittlungsarbeit von Arbeitsagentur und Kommunen und der mangelnden Bereitschaft mancher Jugendlicher, vom ursprünglichen Berufswunsch abzulassen, um Alternativen zu erkunden.

Jasmine Haas und Daniel Hoch gehören zu den vier, die die Chance eines EQJ-Platzes nutzen. Die 20 Jahre alte Frau aus Trebur im Kreis Groß-Gerau hat nach ihrem Fachabitur 70 Bewerbungen geschrieben, aber die gewünschte Ausbildungsstelle als Bürokauffrau nicht bekommen. Nun arbeitet sie seit sechs Wochen in der Firma Grass Valley Germany in Weiterstadt als Praktikantin im Berufsfeld Kauffrau für Bürokommunikation - offensichtlich ganz zur Zufriedenheit von Personalleiter Edgar Kleffmann, der sich schon mit dem Gedanken trägt, noch eine zweite Praktikumsstelle einzurichten. Auch Haas ist zufrieden: "Ich werde hier wie eine Auszubildende behandelt und habe vielleicht später mal die Chance, im kaufmännischen Bereich zu arbeiten."

Hoch steht seit drei Wochen bei der Firma Geiser Metallverarbeitung in Schaafheim an der Werkbank, wo er mit den Arbeitstechniken des Konstruktions-Mechanikers vertraut gemacht wird. Der Betrieb von Inhaberin Johanna Mauritz beschäftigt acht Mitarbeiter und einen Lehrling. "Mir macht das Riesenspaß", sagt der 19 Jahre alte Hoch, der mit seinem Realschulabschluß in der Tasche zuvor vergebens einen Ausbildungsplatz gesucht hatte.

Die beiden sind, das hoben sowohl Mauritz als auch Kleffmann hervor, in die übliche betriebliche Ausbildung integriert. Sie erhalten eine Praktikantenvergütung von 192 Euro im Monat, die Arbeitsagentur übernimmt darüber hinaus die Sozialversicherung in Höhe von 102 Euro. Die Einstiegsqualifizierung dauert zwischen sechs und zwölf Monaten. Sollte danach ihre Bewerbung um ein reguläres Lehrlingsverhältnis Erfolg haben, kann ihre Praktikantenzeit auf die Ausbildung angerechnet werden.

Obwohl in Südhessen noch 390 Lehrstellensuchende registriert sind - auf die nur 188 freie Lehrstellen kommen -, waren die Informationsveranstaltungen des Bildungswerks zu den EQJ-Praktika nur mager besucht. In Darmstadt kamen acht Teilnehmer, im Odenwald gar nur einer. Über die Gründe läßt sich spekulieren: Allgemeines Desinteresse oder Resignation bei vielen Jugendlichen, schlechtes Image des Langzeitpraktikums als "Warteschleife", mangelnde Information über das Angebot, bürokratische Hürden, die es dem Bildungswerk verwehren, sich direkt mit möglichen Interessenten in Verbindung zu setzen. Eines ist nach den bisher gemachten Erfahrungen von Heidelmeyer-Krug jedoch klar: Es sind in der Regel nicht die hohen Anforderungen der Betriebe, an denen ein EQJ-Praktikum scheitert. "Das eigentliche Manko ist der Mangel an Jugendlichen."

Wer Informationen zum EQJ-Praktikum wünscht, kann sich mit Heidelmeyer-Krug unter der Telefonnummer 0 61 51 / 27 10 57 oder per E-Mail unter heidelmeyer-kristin§bwhw.de in Verbindung setzen. Die Chance zur Teilnahme an einem Langzeitpraktikum von Hessen-Metall besteht noch bis zum 1. März.

h.r., F.A.Z. vom 21. Dezember 2005



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