Von Heike Lattka
13. März 2008 Der Protest gegen das auf 34 Millionen Euro Kosten geschätzte Projekt hat sich längst formiert, denn die Ausmaße des Vorhabens markieren tiefgreifende Änderungen: Die B 519 soll am südlichen Ortsrand Marxheims von der Rheingaustraße abgeleitet werden, führt durch das Feld in Richtung Kreishaus und wird über eine 259 Meter lange Brücke 4,5 bis acht Meter hoch über die Landstraße 3011 und die Bahnlinie auf Krifteler Gemarkung geführt.
Dort soll die Straße auf 188 Meter Länge in einem Tunnel unter den Krifteler Sportstätten verschwinden, um später wieder oberirdisch in Höhe der Feuerwehr an die Niederhofheimer Straße angeschlossen zu werden. Den geplanten Mittelteil, die Untertunnelung Kriftels, lehnt Bürgermeister Christian Seitz (CDU) ab: Die Gemeinde werde gegen das Vorhaben unter Ausschöpfung aller Mittel vorgehen, kündigte er an.
Hofheim hofft auf Entlastung
Für den hauptamtlichen Hofheimer Magistrat gibt es zur Ortsumgehung jedoch keine Alternative. Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD), Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) und Stadtrat Wolfgang Winckler (SPD) machten gestern deutlich, dass allein dieser Straßenbau eine echte Entlastung für die stark befahrenen Straßen der Innenstadt brächte.
In dieser Haltung wird der Magistrat gestützt durch erste Ergebnisse aus dem Verkehrsentwicklungsplan, der gerade vom Planungsbüro Mörner & Jünger erstellt wird. Die Verkehrsplaner wiesen dem Bau der Ortsumgehung eine hohe Bedeutung bei der Bekämpfung der Verkehrsprobleme in der Kreisstadt zu.
23.500 Autos pro Tag
Wie Diplom-Ingenieur Tobias Franke gestern berichtete, ergaben Verkehrszählungen an 48 Knotenpunkten im vergangenen Jahr, dass das höchste Verkehrsaufkommen in den Straßenzügen der innerörtlichen B 519 liege. So weise die Rheingaustraße in Marxheim eine tägliche Belastung von 23.500 Autos auf. Doch die Hälfte dieser Autofahrer steuere keine Ziele in Marxheim an.
Auch über die Niederhofheimer Straße im Norden der Kreisstadt führen etwa 11.500 Fahrzeuge in 24 Stunden. Zwar habe die Untersuchung gezeigt, dass der reine Durchfahrtsverkehr nur etwa ein Viertel des gesamten Verkehrsaufkommens betrage, allerdings gebe es wegen der Rhein-Main-Therme, des Globus-Marktes samt Gewerbegebiet und des Kreishauses einen erheblichen Zielverkehr“. Hofheims Verkehr sei deshalb keinesfalls nur hausgemacht, widersprach die Bürgermeisterin entsprechender Kritik.
Hoher technischer Aufwand
Als Prognose für das Jahr 2020 sagte Franke eine Steigerung des Verkehrsaufkommens um nochmals zehn Prozent auf 120.000 Fahrzeugbewegungen täglich voraus. Allein die Rheingaustraße müsste ohne ein Gegensteuern zusätzlich 2300 Fahrzeuge täglich verkraften. Der neuen B 519 komme deshalb eine besondere Verteilerfunktion zwischen Norden und Süden zu.
Denn die Straße könne 10.000 bis 16.000 Fahrzeuge aufnehmen. Dies führe zu einem Rückgang des Verkehrs auf der Rheingaustraße um die Hälfte. Aber auch die anderen innerörtlichen Straßen würden spürbar entlastet.
Die Planer halten einen Teilbau ohne das in Kriftel umstrittene Mittelstück für die schlechtere Variante. Zwar werde sich der Verkehr in Marxheim verringern, aber für die anderen innerstädtischen Straßen seien die zu erzielenden Effekte deutlich geringer, so Franke. Auch werde ein solches Projekt aufgrund des hohen technischen Aufwandes und der damit verbundenen Kosten wohl kaum umsetzbar sein.
Stadt will Konzept vorlegen
Planungsdezernent Winckler sagte, allein der Bau der B 519 eröffne der Stadt Spielräume für eine Verbesserung des Straßenbildes. Es gehe dabei nicht nur um Hofheimer. Tausende Schüler nutzten täglich den Busbahnhof – eine Neugestaltung dort sei aber ohne eine gleichzeitige Entlastung des Rings nicht möglich, warb er für das Straßenbauprojekt.
Nach der Sommerpause wollen die Verkehrsplaner konkrete Vorschläge für Parken und eine bessere Anbindung von Rad- und Fußwegen vorlegen. Das Innenstadtkonzept, verspricht Franke, werde nach der Sommerpause vorgelegt und soll dann die Belange aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigen. Eine zufriedenstellende Lösung der Hofheimer Verkehrsprobleme biete aber allein das große Straßenbauprojekt.
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