Frankfurter Flughafen

Ausbau genehmigt - Vielstimmige Kritik an Nachtflug-Limit

Der Frankfurter Flughafen mit der geplanten neuen Landebahn im Nordwesten (oben links), dem neuen Terminal im Süden (unten rechts) und der A380-Wartungshalle daneben.

Der Frankfurter Flughafen mit der geplanten neuen Landebahn im Nordwesten (oben links), dem neuen Terminal im Süden (unten rechts) und der A380-Wartungshalle daneben.

18. Dezember 2007 Der jahrelang umstrittene Ausbau des Frankfurter Flughafens ist genehmigt. Den entsprechenden Planfeststellungsbeschluss unterzeichnete der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) nach eigenen Angaben am Dienstag in Wiesbaden.

Der Beschluss umfasst den Bau einer neuen Landebahn sowie eines dritten Terminals, schränkt dafür aber den nächtlichen Flugbetrieb stark ein. Rhiel begründet die Genehmigung des rund vier Milliarden Euro teuren Vorhabens mit den neuen Arbeitsplätzen, die der Ausbau mit sich bringen werde. Er veranschlagte deren Zahl auf 40.000.

17 Nachtflüge zwischen 23 und 5 Uhr

Ein abgestuftes System von Flugbeschränkungen soll die Nachtruhe der Anwohner gewährleisten. So wird für die Zeit zwischen 22.00 und 06.00 Uhr die Zahl der Starts und Landungen in Frankfurt auf 150 beschränkt. Zwischen 23.00 und 05.00 Uhr dürfen dabei nur 17 Flüge stattfinden, wobei Frachtflüge Vorrang haben vor Passagier- und Charterflügen; derzeit gibt es regelmäßig 37 Flüge zwischen 23 und 5 Uhr. Ein Anrecht auf planmäßige Flugverbindungen in diesem Zeitabschnitt haben zudem ausschließlich Unternehmen, die in Frankfurt ihren Heimatflughafen haben.

Das seit 1998 diskutierte Vorhaben soll die Kapazität von Deutschlands größtem Flughafen von derzeit knapp 500.000 auf rund 700.000 Starts und Landungen steigern. Das Bundesverkehrsministerium habe gegen die wichtigsten Teile des Beschlusses keine Einwände gehabt, hieß es. Der mehr als 2.500 Seiten umfassende Beschluss werde Fraport und den Kommunen in der Region voraussichtlich am 7. und 8. Januar zugestellt. Danach haben die Betroffenen einen Monat Zeit, um Rechtsmittel einzulegen.

Zum Börsenkurs

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat schon unmittelbar nach der Genehmigung eine Klage angekündigt. Auch die Stadt Rüsselsheim will gegen den Planfeststellungsbeschluss vorgehen. Gleiches gilt für Kelsterbach und die Stadt Offenbach. Diese will gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens durch alle Instanzen klagen. „Es wird nicht leiser, es wird lauter“, sagte der für das Thema zuständige Offenbacher Stadtrat Paul Gerhard Weiß (FDP). Dies sei für Kelsterbach „kein guter Tag“, meinte Bürgermeister Erhard Engisch (SPD). Die Kommune soll 288 Hektar Bannwald für den Ausbau abgeben.

„Die Rechtsfehler liegen auf der Hand. Täuschen und Tricksen beim Nachtflugverbot darf keinen Erfolg haben“, sagte Vorstandssprecherin Brigitte Martin in Frankfurt. Der BUND kritisierte die Zunahme der Lärmbelastung und eine „völlige Ignoranz gegenüber dem Klimaschutz“.

Fraport-Chef: Ein glücklicher Tag

Lufthansa sprach von einem wichtigen Signal für den Standort Frankfurt. „Wir haben eine größere Zahl von Nachtflügen erwartet“, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen wolle den Beschluss in den kommenden Wochen prüfen. Enttäuscht äußerte sich der Konzern über die Zahl der Nachtflüge, die es künftig noch geben solle. Lufthansa habe für sich einen Bedarf von 41 Nachtflügen angemeldet.

Mit der Genehmigung der neuen Landebahn und des dritten Terminals ist nach Darstellung von Fraport-Chef Wilhelm Bender eine wichtige Hürde für die Erweiterung des Flughafens genommen. Dafür sei allerdings ein langer, vielleicht zu langer Anlauf nötig gewesen, sagte Bender. Für ihn persönlich sei es ein „glücklicher Tag“, sagte Bender. Er nannte den rund vier Milliarden Euro teuren Ausbau das größte privat finanzierte Investitionsvorhaben Deutschlands.

Condor sieht sich benachteiligt

Der Ferienflieger Condor sieht sich von der Nachtflugregelung benachteiligt. Es sei zu befürchten, dass Condor nächtliche Flüge stark einschränken müsse, erklärte Geschäftsführer Christoph Debus. „Wir müssen die Entscheidung genau prüfen, aber eines steht jetzt schon fest: Als in Frankfurt beheimatete Fluggesellschaft sind wir besonders von den Auswirkungen betroffen.“ Das gehe auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit. Betriebsratsvorsitzende Annemarie Maiwald zeigte sich ebenfalls besorgt: „Die angekündigten Einschränkungen bedrohen unsere Arbeitsplätze“. Sie habe „wenig Verständnis dafür, die mögliche Schaffung von neuen Arbeitsplätzen zu bejubeln, während man gleichzeitig bestehende bei Condor gefährdet.“

Die hessische Wirtschaft hat die Genehmigung des Flughafenausbaus am Dienstag als Durchbruch für die Region dagegen gutgeheißen. „Der Rhein-Main-Airport kann damit nun für die nächsten Jahre zum wichtigsten Wachstumstreiber in Hessen werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), Volker Fasbender, in einer Mitteilung. Die größte privat finanzierte Investition in Deutschland werde 100.000 neue Arbeitsplätze bringen.

Roth: Guter Kompromiss - Grüne: Wortbruch vollendet

Das teilweise Nachtflugverbot ist nach Einschätzung von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) ein „gut gelungener Kompromiss“. Zwar sei eine weitere Landebahn in einer Region mit zwei Millionen Einwohnern eine Belastung für Mensch und Natur. Allerdings werde sich der Lärm in der Nacht in etwa halbieren, sagte Roth am Dienstag in Wiesbaden nach der Erteilung der Baugenehmigung für den Ausbau des größten deutschen Flughafens.

SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti bekannte sich zum Ausbau des Flughafens, will aber nach Möglichkeiten suchen, im Falle eines Siegs bei der Landtagswahl am 27. Januar doch noch ein völliges Nachtflugverbot zu erreichen. Sie bestritt am Dienstag die juristische Notwendigkeit der Ausnahmen. Der CDU wirft sie Wortbruch vor, da Ministerpräsident lange Zeit von einem Nachtflugverbot gesprochen hatte.

FDP: 17 Nachtflüge kein Grund zum Jubeln

Hessens Grüne werten das aufgeweichte Nachtflugverbot als „Vollendung des seit langem angekündigten Wortbruchs“. Mit 17 Flügen zwischen 23.00 und 5.00 Uhr werde die Grundlage der Mediation eindeutig verlassen, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Tarek Al-Wazir. „Die Landesregierung hat die Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet systematisch für dumm verkauft.“ Ministerpräsident Roland Koch (CDU) habe sich mehrfach dafür gelobt, dass er als Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport dessen Antrag zum Nachtflugverbot durchgesetzt habe. „Wenn die beschworene „unlösbare Verbindung“ von Ausbau und Nachtflugverbot nicht umgesetzt werden kann, dann müsse auf den Ausbau verzichtet werden“, forderte Al-Wazir.

Die FDP hat den Ausbaubeschluss als wichtige Entscheidung zur Sicherung der Wirtschaftskraft des Rhein-Main-Gebietes begrüßt. Sie schaffe zahlreiche Arbeitsplätze und sichere Mobilität sowie Wohlstand der Region, sagte der Landtagsabgeordnete Dieter Posch. Die 17 Ausnahmen vom Nachtflugverbot seien aber kein Grund zum Jubeln: „Dies entspricht nicht den Vorstellungen der FDP nach einer vollständigen Umsetzung des Mediationsergebnisses“. Der Planfeststellungsbeschluss sei aber zu akzeptieren.

Die geplante Landebahn kann die Kapazität des Frankfurter Flughafens deutlich erhöhen. So sollen künftig gut 120 Flugbewegungen pro Stunde möglich sein, bisher sind es rund 80. Das Terminal 3 wird im Süden des Flughafens entstehen.


Länge der Bahn: 2800 Meter
Breite der Bahn: 45 Meter plus an jeder Seite eine sogenannte 7,5 Meter breite Schulter
Rollbrücken: Zwei Rollbrücken über die ICE-Trasse, die Autobahn
A 3 und den Airportring ermöglichen den Anschluss an die bestehenden Flugbetriebsflächen
Terminal 3: 335.000 Quadratmeter Geschossfläche, Kapazität für
25 Millionen Passagiere im Jahr
Abstellplätze: Voraussichtlich für rund 75 Flugzeuge direkt am Terminal 3
Kosten: Mehr als vier Milliarden Euro für den gesamten Ausbau
einschließlich des Baus des Terminals 3
Inbetriebnahme: Die Bahn soll mit dem Winterflugplan 2011/12 in Betrieb genommen werden. Das Terminal 3 soll schrittweise bis 2015 gebaut werden.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, Frank Röth, Fraport AG

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