Von Ralf Euler
04. Juli 2007 Im Landtag verteidigte die hessische Kultusministerin Karin Wolff am Mittwoch wortreich und entschlossen ihre Schulpolitik gegen Kritik von SPD, Grünen und FDP. Zu einem anderen Thema, das die Debatten auf den Gängen außerhalb des Plenarsaals beherrschte, wollte sich die Unionspolitikerin lieber nicht äußern: keine Interviews, keine Informationen, kein Kommentar zum Privatleben, hieß es von ihr persönlich und in ihrem Ministerium. Die Bild-Zeitung habe bereits alles geschrieben, was es dazu öffentlich mitzuteilen gebe, hieß es lediglich.
Unter der Schlagzeile CDU-Ministerin: Ich liebe eine Frau! hatte das Boulevardblatt am Morgen auf Seite 1 berichtet, dass Wolff, die auch stellvertretende Ministerpräsidentin ist, seit einem halben Jahr mit einer Wiesbadener Heilpraktikerin glücklich sei. Ein Foto zeigt das sich zuprostende strahlende Paar beim Bild-Sommerfest.
Kein politisches Signal wie bei Wowereit
Dem Vernehmen nach hat die Ministerin die Entscheidung, sich als Homosexuelle zu bekennen, selbst getroffen. Die Achtundvierzigjährige stehe zu ihren Gefühlen und halte nichts von Heimlichtuerei, heißt es. Daher sei in Abstimmung mit Ministerpräsident Roland Koch (CDU) beschlossen worden, die Geschichte der Bild-Zeitung anzubieten und die Privatangelegenheit anschließend möglichst nicht mehr weiter zu thematisieren. Ein politisches Signal, wie ehemals der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit seinem Statement Ich bin schwul - und das ist auch gut so!, verbinde Wolff dezidiert nicht mit ihrem Bekenntnis.
Bei den im Landtag vertretenen Fraktionen herrschte denn gestern auch Einigkeit darüber, dass das Liebesleben der umstrittenen Ministerin in der politischen Auseinandersetzung keine Rolle zu spielen habe. Ministerpräsident Koch stärkte Wolff, die derzeit wegen ihrer Forderung nach einer Einbindung theologischer Fragen in den Biologieunterricht in der Kritik steht, den Rücken. Sie ist eine ausgezeichnete Kultusministerin, und wir wünschen ihr natürlich auch privat alles Gute. In der CDU-Fraktion wurde hinter vorgehaltener Hand allerdings auch Unverständnis und Verärgerung über die öffentliche Liebesbekundung Wolffs geäußert. Sieben Monate vor der Landtagswahl werde die konservative Wählerschaft der Union ohne Not verunsichert, heißt es.
Der Parteifreund und die Homosexualität
Tatsächlich hat auch in der Landtagsfraktion wohl noch so mancher Schwierigkeiten, mit dem Thema Homosexualität unbefangen umzugehen. Ausgerechnet der schulpolitische Sprecher und stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jürgen Irmer, hatte im Herbst 2004 in dem von ihm herausgegebenen Anzeigenblatt Wetzlar Kurier die Ansicht geäußert, Homosexualität sei nicht angeboren und Lesben und Schwulen daher eine therapeutische Behandlung empfohlen.
Text: FAZ.NET mit dpa/lhe
Bildmaterial: ddp
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