Formel 1 auf dem Nürburgring

Alonso triumphiert im Regenchaos

Raus mit der Freude: Fernando Alonso

Raus mit der Freude: Fernando Alonso

23. Juli 2007 Regenchaos, Rennabbruch, Massenausfälle, zahlreiche Boxenstopps und ein zwischenzeitlicher Sensations-Spitzenreiter: Der Große Preis von Europa wird als eines der denkwürdigsten Rennen in die Formel-1-Geschichte eingehen.

McLaren-Mercedes-Mann Fernando Alonso sorgte nach einem mitreißenden Überholmanöver gegen Felipe Massa kurz vor Schluss mit seinem dritten Saisontriumph für die sportliche Krönung beim Heimspiel der Silberpfeile. Der Spanier entriss dem lange klar führenden Ferrari-Rivalen in der viertletzten Runde den scheinbar sicheren Sieg. Mark Webber (Australien) erreichte am Sonntag im Red Bull Rang drei.

Heidfeld auf Platz sechs

Nick Heidfeld, der als einziger des deutschen Quintetts durchkam, belegte in diesem verrückten zehnten Saisonlauf den sechsten Platz. Nach der Geburt seines Sohnes Joda in der Nacht zum Samstag hatte der 30 Jahre alte BMW-Sauber-Pilot damit bei seinem Heimrennen zum zweiten Mal Grund zu Freude. Auf Kimi Räikkönen lastet dagegen weiterhin der „Nürburgring-Fluch“. Der finnische Ferrari-Pilot, der die beiden zurückliegenden Grand Prix gewonnen hatte, rollte in der 35 Runde mit Hydraulikproblemen aus. Statt des scheinbar sicheren Podiumsplatz musste der „Iceman“ im Titelrennen einen weiteren herben Rückschlag hinnehmen.

Alonso gewann nach 308,863 Kilometer in 2:06:26,358 Stunden mit 8,155 Sekunden Vorsprung vor dem Südamerikaner. Wieder einsetzender Regen und seine bravourösen Schlussattacken im letzten Rennabschnitt brachten den Titelverteidiger noch nach vorn. Lewis Hamilton (70 Punkte), der in der Qualifikation am Samstag bei einem schweren Unfall Glück hatte (Siehe auch: Unverletzt, schmerzfrei, fröhlich: Lewis Hamilton), verteidigte trotz seines Nullers als Neunter knapp die WM-Führung. Der McLaren-Mercedes-Mann hat allerdings nur noch zwei Zähler Vorsprung vor seinem Teamkollegen Alonso (68). Massa (59) ist nun Dritter vor Räikkönen (52). Heidfeld (34) bleibt Fünfter.

Schumacher: „Es ist unfahrbar“

Wolkenbruchartiger Regen im Südteil der 5,148 Kilometer langen Strecke unmittelbar nach dem Start führte zu einem absoluten Chaos: Gleich ein halbes Dutzend Fahrer rutschte auf der unter Wasser stehenden Piste in der gleichen Kurve in der dritten Runde ins Kiesbett, darunter WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton, Nico Rosberg (Wiesbaden) im Williams-Renault und Adrian Sutil (Gräfelfing) im Spyker. „Wir haben die falschen Reifen drauf gezogen“, räumte Rosberg einen entscheidenden Fehler ein. „Beim Aquaplaning fing das Auto an zu schwimmen. Da kannst du nichts mehr machen.“ Ralf Schumacher sprach von „einer Katastrophe für alle Fahrer.“ Heidfeld schimpfte: „Es ist unfahrbar.“

Einziger Gewinner dieser Wetter-Wirrwarrs war Markus Winkelhock: Der Formel-1-Frischling aus Berglen-Steinach fuhr noch vor dem Start in die Box und wechselte sofort auf Regenreifen. Innerhalb kürzester Zeit pflügte sich der 27-Jährige dank dieses taktischen Geniestreichs durchs gesamte Feld und übernahm die Führung.

Debütant Winkelhock vorne

Um Schlimmeres zu verhindern, brachen die Rennkommissare das Regen-Roulette in der vierten von 60 Runden ab. Nach 22 Minuten Pause schickten sie das auf 17 Fahrer geschrumpfte Feld abermals auf die Reise. Die Sonne hatte die Strecke schon teilweise abgetrocknet.

Der am Samstag im Qualifying schwer verunglückte Hamilton hatte dieses Mal Glück: Obwohl er ebenfalls gestrandet war und mit seinem Silberpfeil schon am Haken des Abschleppwagens hing, durfte er wegen seines noch laufenden Motors wieder antreten.

Winkelhock ging vor Massa als Erster in den zweiten Teil des Grand Prix, wurde aber nach fünf Umläufen an der Spitze erwartungsgemäß nach hinten durchgereicht. In der 15. Runde musste der Sohn des 1985 bei einem Sportwagenrennen in Kanada tödlich verunglückten früheren Formel-1-Fahrers Manfred Winkelhock seinen Spyker an 16. Stelle liegend wegen eines Motorschadens abstellen. „Ich war etwas perplex, als ich P1 auf dem Boxenschild gesehen habe“, sagte der Schwabe. „Führungskilometer - das kann mir keiner mehr nehmen.“

Ralf Schumacher verabschiedete sich in der 20. Runde als nächster des deutschen Quintetts unfreiwillig: Heidfeld schob seinen neuntplazierten Landsmann im Toyota in einer Kurve unabsichtlich ins Kiesbett. „Das war ärgerlich, weil unnötig. Pech für mich“, sagte der Kerpener, der Heidfeld aber als fairen Piloten bezeichnete.

Hamilton war in der Qualifikation wegen eines geplatzten Reifens mit über 200 Stundenkilometer im „Schumacher S“ nahezu ungebremst in einen Reifenstapel gerast. Der 22-Jährige überstand den schweren Unfall unverletzt und bekam von den Ärzten nach eingehenden Untersuchungen fünf Stunden vor dem Start Grünes Licht. Wegen des Crashs vom zehnten Startplatz gestartet und durch das Chaos zunächst ganz nach hinten gespült, reichte es nicht mehr zum zehnten Podestplatz hintereinander, weshalb seine sensationelle Serie riss.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AFP, ddp, dpa, REUTERS

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