Formel 1

Alonso kommt den Kollegen im Training spanisch vor

Von Anno Hecker, Barcelona

26. April 2008 Und dann streckte er die Faust aus dem Cockpit. Wie in alten Tagen: Formel-1-Star Fernando Alonso feierte sich als Sieger. Für ein paar Augenblicke stand der Asturier mit seinem Renault ganz vorne in der Zeitentabelle. Dann jagte ihm Kimi Räikkönen im Ferrari beim Qualifikationstraining für den Großen Preis von Spanien (Start am Sonntag, 14 Uhr/live bei RTL, Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) an diesem Sonntag vor den Toren von Barcelona die Pole Position ab.

Um eine Zehntelsekunde fuhr der Finne am Samstag schneller. Was die Alonso-Fans gern hinnahmen, die ihren um einen Hauch geschlagenen Landsmann dennoch wie einen Champion feierten: „Das hatten wir nicht erwartet“, sagte der zweimalige Weltmeister, nachdem er die Ferrari-Phalanx mit Felipe Massa als Drittem gesprengt und sowohl die Kollegen von BMW-Sauber als auch von McLaren-Mercedes hinter sich gelassen hatte: „Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht mit dem Auto, kein Zweifel.“

Wie leicht ist Fernando Alonso unterwegs?

Teamchef Flavio Briatore erklärte den plötzlichen Sprung in bessere Zeiten mit dem Leerlauf in den ersten drei Rennen: „Da gab's keinen Fortschritt.“ Die Überraschung des Tages kam der Konkurrenz allerdings ein bisschen spanisch vor. Am Freitag hatte Alonso noch erklärt, allenfalls Siebenter werden zu können. Die Vermutung, seine Beschleunigung sei mit einer Leichtgewichtstaktik erkauft (Teamkollege Piquet brauchte 0,7 Sekunden mehr für die Runde), entkräftete der Asturier nicht.

Im Gegenteil. „Im Rennen wird es sicher schwieriger. Mal sehen, was am Sonntag geht. Zweiter hinter Ferrari, das ist allerdings etwas unrealistisch. Aber eigentlich haben wir unseren Job ja schon gemacht.“ Das gilt zweifellos auch für Ferrari. Nur mit dem Unterschied, dass sich Weltmeister Räikkönen allein mit seiner ersten Pole Position in dieser Saison nicht zufriedengibt: „Punkte gibt es erst im Rennen. Das zählt. Sonst nichts. Wenn wir unfallfrei durch die ersten Kurven kommen, dann bin ich sicher, dass wir ein maximales Ergebnis herausholen können.“

Alle Deutschen langsamer als die jeweiligen Teamkollegen

Ferrari scheint mit neuer Frontpartie inklusive Loch in der „Nase“ bestens gerüstet, auch den nächsten Angriff der lauernden Konkurrenz BMW-Sauber und McLaren-Mercedes auf den Rängen vier bis sechs (Robert Kubica, Lewis Hamilton, Heikki Kovalainen) wieder abwehren zu können. Zumal Massa mit einem Blitzstart auf der sauberen, griffigeren Seite die Chance hat, den „Störenfried“ Alonso aus der Blockerposition in die Pufferstellung vor der Konkurrenz zu verdrängen. „Ich setzte auf einen guten Start“, sagte der Brasilianer, „da ist noch alles machbar.“

Das gilt für die deutschen Fahrer diesmal nicht. Auf der ganzen Linie wurden sie von ihren Teamkollegen geschlagen. Der gegenwärtige WM-Zweite Nick Heidfeld (9.), unzufrieden wegen einer „nicht gerade perfekten Runde“, blieb zum vierten Mal hinter Kubica zurück. Timo Glock (14.) konnte auch in Barcelona Jarno Trulli (0,3 Sekunden) nicht ganz folgen, Nico Rosberg verlor im Williams als 15. erstmals ein Trainingsduell gegen den Neuling Kazuki Nakajima (12.), während sich Sebastian Vettel in seinem Toro Rosso (18.) schon im ersten Teil des Zeittrainings dem Franzosen Sebastian Bourdais deutlich geschlagen geben musste (0,6 Sekunden). Das hatte man bei Adrian Sutil (20.) nicht anders erwartet. Aber diesmal lag es nicht am Piloten. Eine gebrochene Bremsscheibe verdarb ihm jede Chance, dem Altmeister Giancarlo Fisichella im Force-India näher zu kommen.

Startaufstellung:

1. Startreihe: 1. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari 1:21,813 Min.; 2. Fernando Alonso (Spanien) Renault 1:21,904

2. Startreihe: 3. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 1:22,058; 4. Robert Kubica (Polen) BMW-Sauber 1:22,065

3. Startreihe: 5. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes 1:22,096; 6. Heikki Kovalainen (Finnland) McLaren-Mercedes 1:22,231

4. Startreihe: 7. Mark Webber (Australien) Red Bull 1:22,429; 8. Jarno Trulli (Italien) Toyota 1:22,529

5. Startreihe: 9. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) BMW-Sauber 1:22,542; 10. Nelson Piquet Jr. (Brasilien) Renault 1:22,699

6. Startreihe: 11. Rubens Barrichello (Brasilien) Honda 1:21,049; 12. Kazuki Nakajima (Japan) Williams 1:21,117

7. Startreihe: 13. Jenson Button (Großbritannien) Honda 1:21,211; 14. Timo Glock (Wersau) Toyota 1:21,230

8. Startreihe: 15. Nico Rosberg (Wiesbaden) Williams 1:21,349; 16. Sébastien Bourdais (Frankreich) Toro Rosso 1:21,724

9. Startreihe: 17. David Coulthard (Großbritannien) Red Bull 1:21,810; 18. Sebastian Vettel (Heppenheim) Toro Rosso 1:22,108

10. Startreihe: 19. Giancarlo Fisichella (Italien) Force India 1:22,516; 20. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India 1:23,224

11. Startreihe: 21. Anthony Davidson (Großbritannien) Super Aguri 1:23,318; 22. Takuma Sato (Japan) Super Aguri 1:23,496



Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP, dpa

 

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