Rallye Dakar

Gefahr und Faszination

Von Leonhard Kazda

11. Januar 2007 Sie ist und bleibt ein Wagnis, die Königin der Wüsten-Rallyes. Am vergangenen Samstag startete die Dakar-Rallye, das wohl härteste Autorennen der Welt, in Lissabon. Es ist bereits die 29. Auflage der traditionsreichen Fahrt.

Extreme Risiken und haarsträubende Unfälle bilden die eine Seite der Dakar; faszinierende Bilder aus exotischen Landschaften, die extremen Herausforderungen der Wüste und der Geist des charismatischen Rallye-Gründers Thierry Sabine, der 1986 bei einem Hubschrauberabsturz tödlich verunglückte, sind die andere Seite des Rennens. Sie prägen den eigenartigen Reiz, dem Motorsportprofis wie Amateure gleichermaßen erliegen.

Medienspektakel mit 51 Todesopfern

Viel Staub: die Dakar stellt höchste Ansprüche an Mensch und Maschine

Viel Staub: die Dakar stellt höchste Ansprüche an Mensch und Maschine

Auch bei der bevorstehenden Rallye fährt die Gefahr wieder mit. Insgesamt 51 Todesopfer hat die Dakar in 28 Jahren gefordert. Im vergangenen Jahr starben drei Menschen während der Rallye. Der australische Motorradfahrer Andy Caldecott wurde bei einem Sturz durch einen Halswirbelbruch getötet. Ein zehnjähriger Junge geriet beim Überqueren der Straße unter die Räder eines Rallyeautos und wurde tödlich verletzt, ein zwölfjähriger Junge kam nach einem Unfall mit einem Servicefahrzeug ums Leben.

Auch in diesem Jahr haben die französischen Veranstalter des Medienspektakels, das in 180 Ländern der Erde im Fernsehen zu verfolgen ist, versucht, die Sicherheitsbedingungen der wüsten Fahrt zu verbessern. Weniger Ortsdurchfahrten, eine bessere Aufklärung der Bevölkerung und harte Strafen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen sind Mittel, mit der die Rallye gezähmt werden soll.

Timbuktu umfahren wegen Terrorwarnung

Titelverteidiger Luc Alphand ist auf Mitsubishi unterwegs

Titelverteidiger Luc Alphand ist auf Mitsubishi unterwegs

Dennoch - die Dakar bleibt unberechenbar. So mussten die Veranstalter wegen einer Terrorwarnung des französischen Außenministeriums erste Änderungen an der knapp 8000 Kilometer langen, zweiwöchigen Fahrt von Lissabon in die senegalesische Hauptstadt Dakar vornehmen. Nach Geheimdienst-Informationen sollen radikale Milizen Angriffe in der Region rund um Timbuktu geplant haben. Also müssen die 525 Teilnehmer der Rallye - 187 Autos, 250 Motorräder und Quads sowie 88 Trucks - ebenso umgeleitet werden wie die zusätzlichen 300 Servicefahrzeuge, die die 15 Etappen des Rennens absolvieren wollen.

Derartiges ist nicht ungewöhnlich bei der Dakar. Im Jahr 2000 war der gesamte Tross der Rallye in riesige Antonow-Transportflugzeuge verfrachtet und über das Gebiet des Nigers transportiert worden, weil die Gefahr eines Angriffes algerischer Moslemrebellen bestanden hatte. Eines ist sicher: Ganz sicher wird die Dakar-Rallye nie werden. Gut möglich, dass sie gerade dann einen wichtigen Teil dessen verlieren würde, was ihren eigenartigen Reiz ausmacht.

Die letzten sechs Siege holte Mitsubishi

Kleinschmidt war im vergangen Jahr noch im VW Race Touareg unterwegs

Kleinschmidt war im vergangen Jahr noch im VW Race Touareg unterwegs

Dabei sind die Herausforderungen der Technik und der Strecke schon groß genug, auch für die großen Automobilkonzerne, die Millionen investieren. Wer wird die Dakar 2007 gewinnen? Der große Favorit auf den Sieg ist wieder einmal Mitsubishi, das die Rallye insgesamt elfmal gewann.

Die letzten sechs Siege gehen auf das Konto der Japaner, die mit vier Toppiloten und überholten Pajeros Evolution an den Start gehen werden. Luc Alphand, der ehemalige Skistar aus Frankreich, tritt als Titelverteidiger an; seinem Landsmann Stephane Peterhansel werden als zweimaligem Dakar-Sieger und sechsmaligem Sieger des Rennens auf dem Motorrad fast noch bessere Chancen eingeräumt. Neben Alphand und Peterhansel gehen für Mitsubishi der Japaner Hiroshi Masuoka, Dakar-Sieger von 2002 und 2003, und der Spanier Nani Roma, Motorrad-Sieger von 2004, an den Start.

Vier Volkswagen mit nur einem deutschen Beifahrer

Über Stock und Stein müssen auch die wagemutigen Motorradpiloten

Über Stock und Stein müssen auch die wagemutigen Motorradpiloten

Der große Herausforderer ist Volkswagen. Auch die vier Race-Touaregs, mit denen die Wolfsburger in Lissabon ins Wüstenrennen gehen werden, sind komplett überholt. Die Dieselmotoren verfügen über mehr Drehmoment als im Vorjahr, was vor allem im feinen Sand der Sahara Vorteile haben sollte. Nur noch ein Deutscher ist Mitglied in der Touareg-Armada.

Nach der Trennung von der Dakar-Siegerin Jutta Kleinschmidt, die die Rallye 2001 gewann, ist Dirk von Zitzewitz als Beifahrer von Giniel de Villiers der einzige Deutsche im Cockpit der Wüstenrenner. Der Südafrikaner de Villiers wurde im vergangenen Jahr Zweiter und zählt zum engen Kreis der Favoriten. Wie sich der finnische Europaabgeordnete und viermalige Dakar-Sieger Ari Vatanen im Touareg schlagen wird, muss man erst noch abwarten. Zudem gehen für VW der Spanier Carlos Sainz und der Amerikaner Mark Miller auf die fast 8000 Kilometer lange Strecke.

Kleinschmidt mit neuem BMW-Team

Probesitzen: Kleinschmidt (l.) mit Co-Pilotin Thörner

Probesitzen: Kleinschmidt (l.) mit Co-Pilotin Thörner

Und was ist mit der deutschen Wüstenkönigin? Jutta Kleinschmidt tritt erstmals seit 1998 nicht als Werkspilotin an, sondern geht in einem privaten Team ins Rennen. Was keineswegs bedeutet, dass die gebürtige Kölnerin, die in Monte Carlo lebt, chancenlos wäre. Denn der vom X-Raid-Team von Sven Quandt eingesetzte BMW X3-CC gilt als durchaus konkurrenzfähig und wird ebenfalls von einem Dieselmotor angetrieben. Neben der 44 Jahre alten Rennfahrerin wird die Schwedin Tina Thörner auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Für BMW starten zudem der Franzose Guerlain Chicherit sowie Nasser Al-Attiyah aus Katar.

Während all die oben Erwähnten eine gute Platzierung oder gar den Sieg als Ziel haben, haben die meisten Teilnehmer der Dakar nur einen Vorsatz: ankommen. Ob das neue Reglement, das den Teilnehmern durch zusätzliche Markierungspunkte in ihren Navigationsgeräten gefährliche Irrfahrten durch die Wüste ersparen soll, die Rallye wirklich einfacher machen wird, ist jedoch ungewiss. Wer auf Nummer sicher gehen will, für den bietet sich bei diesem Rennen nur eine Alternative: zu Hause bleiben.

Text: F.A.Z vom 6. Januar 2007
Bildmaterial: AFP, dpa, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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