13. März 2008 Sie wollen alle Weltmeister werden. Aber keiner wird es. Weder Nico Rosberg, noch Timo Glock oder Sebastian Vettel, schon gar nicht Adrian Sutil. Auch Nick Heidfeld dürfte keine große Chance haben. Zumindest nicht in der neuen Formel-1-Saison. Dafür sind ihre Boliden nicht schnell genug. Die Schumacher-Lücke bleibt also für ein weiteres Jahr frei. Trotzdem bestreitet das deutsche Quintett ein spannendes Rennen; einen Wettlauf, der extreme Ergebnisse produzieren wird: Aufstieg oder Abstieg.
Für Nico Rosberg zeigt die Kurve nach oben. Er sitzt - nach seinen Leistungen 2007 im unterlegenen Williams allseits hochgelobt - wie festgezurrt in seinem Team, erfreut sich eines beherrschbaren Teamkollegen und wartet geduldig auf bessere Zeiten für den rechten Moment. Die Kollegen müssen mehr strampeln, um in die Gänge zu kommen. Selbst ganz am Ende des Feldes: Dort haut Adrian Sutil, 25 Jahre alt, nach wie vor in die Tasten, um Gehör zu finden. Der vor Jahresfrist als verhinderter Klaviervirtuose in Szene gesetzte Pilot steht vor einer schwierigen Reifeprüfung.
Ralf Schumacher musste seinem Landsmann weichen
Der erfahrene Giancarlo Fisichella hat neben ihm im zweiten Renner von Force India Platz genommen. Ein Grand-Prix-Sieger, einst Kollege von Fernando Alonso im Weltmeisterteam Renault. Chance und Risiko stecken in dieser Konstellation. Ich versuche, so nah wie möglich an ihm dran zu sein, sagte Sutil dem Internetanbieter F1total.com, dann ist das gut für meine Zukunft. Das wird wohl nicht reichen für den ersehnten Sprung in ein potentielles Siegerauto. Denn der blitzschnelle Instinktpilot Fisichella tourt mit dem Ruf des ewigen Talents durch die Branche. Mit 35 Jahren, 194 Grand Prix und drei Siegen gehört der Römer inzwischen zu der Kategorie Fahrer, die man schlagen muss. Falls es denn eine Saison mit einem Paukenschlag werden soll.
Toyotas nächster Deutscher Timo Glock wird vorerst nicht wirbeln. Das hat der 25 Jahre alte Wersauer schon vor dem Saisonstart angekündigt. Ich werde meinen Fahrstil wohl umstellen müssen, offenbarte der Hesse zum Ende der Testfahrten in der vergangenen Woche. Bei Anpassungsversuchen an die Fahreigenschaften des Autos ist vor Glock schon einer aus der Kurve geflogen: Ralf Schumacher musste seinem Landsmann weichen. Nun stellte Glock erstens fest, dass auch der jüngste Toyota trotz der enormen finanziellen Ressourcen kein goldener Wurf geworden ist. Und zweitens versteht er jene Piloten, die seinen Teamkollegen Jarno Trulli als einen Spezialisten für das Qualifikationstraining, für die eine, schnelle Runde schätzen. Ihm gelingt es häufig, für eine Tour die Schwächen eines Rennwagens zu überfahren. Glock scheint bei seinem Wiedereinstieg in die Formel 1 nach den Einsätzen im Jordan 2004 zunächst auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein. Jedenfalls steht ihm bei der Fahrstilanpassung eine schwierige Übung bevor: Es ist wie beim Fußball, wenn man den Ball immer mit rechts angenommen hat und nun auf links umstellen muss.
Heidfeld hat die besten Aussichten
Dagegen bleibt bei Sebastian Vettel vorerst alles beim Alten. Das hört sich überholt an. Aber hinter der Ankündigung von Toro Rosso, den neuen Boliden erst im vierten Rennen einzusetzen, steckt Kalkül. Der umgebaute STR2 ist standfest und schnell genug, Fehler der Konkurrenz zu Saisonbeginn auszunutzen, dann in die Punkteränge zu rauschen (wenigstens Rang acht), wenn technische Defekte die Großen lähmen. Diese antizyklische Taktik ist Vettels kleine Chance, gleich zu Beginn geldwerte Punkte für sein Team zu sammeln. Sein privates Konto hat er beim Rennen vor dem ersten Grand Prix schon gut gefüllt. Dem Franzosen Sebastian Bourdais, der Neue im zweiten Cockpit, fiel die Umstellung von der Champcar-Serie in die Formel 1 während der Wintertests schwerer als gedacht. Besonders bei der Simulation des Qualifyings hielt Bourdais - wie er selbst einräumte - nicht mit: Bei der schnellen Runde fehlt noch was.
Am wenigsten soll BMW-Sauber fehlen. Auf ein paar Zehntelsekunden wird der Rückstand hinter den Top-Teams Ferrari und Mc-Laren-Mercedes hochgerechnet. Trotz oder gerade wegen der radikalsten von allen Änderungen bei der Konstruktion der neuen Autos. Nach den ersten Testtagen wirkte Nick Heidfeld als Chefpilot des ehrgeizigen deutschen Formel-1-Projektes zerknirscht, enttäuscht. Dem hochgelobten Neuwagen fehlte die Balance in den Kurven, die einem Piloten das Vertrauen gibt, auch an kritischen Pistenpassagen an die Grenze zu gehen. Doch die ersten Meldungen über den Rückfall-Patienten BMW-Sauber scheinen schon wieder überholt. Wenn wir wie 2007 (Dritter) abschneiden wollen, sagt der 30 Jahre Heidfeld nun, dann sind wir auf einem guten Kurs. Aber das ist nicht unser Ziel. Attacke heißt die Devise. Die letzten Testfahrt-Resultate der Bayern schüren die Vermutung, Heidfeld sei dem Saisonziel nach 132 Formel-1-Rennen doch deutlich näher gekommen. 2008 will er wenigstens einen Grand Prix gewinnen. Kein Deutscher hat bessere Chancen.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP, dpa