Im Gespräch: Timo Glock

„Ich bin der Mittelpunkt von Manor“

“Irgendwann muss man zuschlagen“: Timo Glock ist von seinem neuen Rennstall überzeugt

"Irgendwann muss man zuschlagen": Timo Glock ist von seinem neuen Rennstall überzeugt

17. November 2009 Der Odenwälder Rennfahrer hatte bei Toyota überzeugt und nach dem Ausstieg der Japaner einige Angebote. Er entschied sich für einen vergleichsweise kleinen Rennstall, der zuletzt in der Formel 3 erfolgreich startete. Das Projekt erscheint im Vergleich zu einigen anderen Newcomern seriös.

Sie hatten Angebote oder Anfragen von Renault, dem Nachfolger von BMW-Sauber, von McLaren-Mercedes und anderen Teams, warum haben Sie sich für den unbekannten Debütanten Manor entschieden?

“Bei Toyota bin ich manchmal mit meinen Vorstellungen gegen die Wand gefahren“: Glock beim Training zum Großen Preis von Italien 2009

"Bei Toyota bin ich manchmal mit meinen Vorstellungen gegen die Wand gefahren": Glock beim Training zum Großen Preis von Italien 2009

Weil es eine spannende Aufgabe ist. Ich habe mir die Leute angeschaut. Ihre Einstellung gefällt mir. Die wollen unbedingt nach vorne kommen.

Das will McLaren doch auch, nur haben sie es schon bewiesen.

Sicher. Aber bei Manor sind sie nicht nur hoch motiviert. Wichtig war auch, dass sie mich vom ersten Moment an wollten. Das Team baut auf mich. Das Projekt wird um mich herum aufgebaut. Man hat mir zugesichert hat, dass ich die Entwicklungsrichtung mitbestimmen kann. Ich bin im Mittelpunkt.

Das wären Sie bei McLaren an der Seite des McLaren-Ziehsohnes Lewis Hamilton sicher nicht gewesen.

Vermutlich. Aber das wäre kein Grund gewesen abzusagen. Bei so einer komplizierten Entscheidungsfindung spielen auch noch andere Details eine Rolle. Der Zeitplan sprach für Manor. Vor etwa drei Monaten hatten wir den ersten Kontakt. Da wusste noch niemand, wie es weitergehen wird in der Formel 1, wer bleibt, ob Renault nicht auch aussteigt, wie es um McLaren und die Zukunft mit Mercedes steht. Die Manor-Führung hat mir gesagt, dass ich ihre erste Wahl sei, und mir dann Freiheiten gelassen, was den Zeitpunkt meiner Zusage betrifft. Aber irgendwann muss man dann zuschlagen.

Warum ist Timo Glock gut für Manor?

Weil ich in ihr Programm passe. Weil ich, darauf legen sie großen Wert, an den technischen Details interessiert bin, die Zusammenhänge verstehe und hart arbeiten kann. Sie haben beim ersten Treffen genau beobachtet, wie ich auf ihre Vorstellungen reagiere, was mich interessiert. Wir haben die gleiche Wellenlänge. Wir werden uns beide tief hineinknien.

Hatten Sie bei Toyota nicht den Spielraum, den Ihnen Manor nun anbietet?

Nein, ich bin jedenfalls nicht so eingebunden worden, wie ich mir das gewünscht habe. Toyota hatte eine andere Philosophie. Ich bin manchmal mit meinen Vorstellungen gegen die Wand gefahren. Bei Manor wird das anders sein. Ich glaube, ich werde mich sehr wohl fühlen.

Gegner statt Teamkollege: Lewis Hamilton und McLaren

Gegner statt Teamkollege: Lewis Hamilton und McLaren

Vor Ihrer ersten Formel-1-Saison erklärten Sie dieser Zeitung, in drei Jahren Weltmeister werden zu wollen. Ist der Umstieg von einem Werksteam zu einem Privatier nicht ein Rückschritt?

Das Ziel muss man korrigieren, das stimmt. Denn mit Toyota bin ich aus den bekannten Gründen (die Japaner haben vor zwei Wochen ihren Ausstieg erklärt) nicht weitergekommen. Aber als Rückschritt sehe ich den Einstieg bei Manor nicht. Sicher darf man von uns nicht erwarten, gleich im ersten Jahr unter die ersten fünf zu kommen. Das wird ein schwierige, harte Saison, wir werden uns durchbeißen müssen. Aber der ganze Aufbau des Teams und die Strategie lassen eine klare Linie erkennen. Es gibt vielversprechende Voraussetzungen.

Welche?

Unser Technischer Direktor Nick Wirth hat nicht nur Erfahrungen mit der Formel 1 (Wirth arbeitete als Aerodynamiker bei Benetton und entwarf den Boliden für Simtek). Er geht auch neue Wege. Wirth setzt bei der Rennwagenkonstruktion auf CFD (Simulationsprogramme der Strömungsmechanik). Er hat den Acura ARX-02a gebaut, einen Prototypen, der zwar kein Formel-1-Auto ist, aber in der American Le-Mans-Serie auf Anhieb viele Erfolge hatte. Obwohl das Auto nie im Windkanal gestanden hat. Wirths Methode ist eine sehr effiziente, und sie wird auch von den etablierten Formel-1-Teams mehr und mehr angenommen. Mit CFD ein Auto zu bauen kostet weniger Geld und spart Zeit. Außerdem wird die Arbeit in den Windkanälen ohnehin eingeschränkt. Ich halte diese Arbeitsweise für sehr modern.

Wie weit ist Manor mit der Konstruktion des Autos für die Saison 2010?

Ich möchte dazu nicht viel sagen. Nur so viel: Manor ist relativ weit mit dem Auto, absolut im Zeitplan. Ich fühle mich nach der Entscheidung sehr ausgeglichen und freue mich auf den Job.

Sie sind von Toyota nicht unbedingt mit Geld überschüttet worden wie andere Kollegen. Müssen Sie dennoch eine Gehaltseinbuße hinnehmen?

Ich bin nicht in der Formel 1, weil ich Spitzenverdiener werden wollte. Ich möchte meinem wesentlichen Hobby, dem Motorsport, auf höchstem Niveau nachgehen und Fahreigenschaften entwickeln. Das Geld von Manor reicht allemal aus, um einen für mich gehobenen Lebensstil zu leisten.

Die Fragen stellte Anno Hecker.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa

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