14. März 2008 Der Start ins Formel-1-Jahr war für BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld nicht optimal, doch kurz vor dem Auftakt in Australien ist der Deutsche optimistisch - auch wenn im freien Training am Freitag nur Platz 14 heraussprang (Siehe auch: Formel 1 in Melbourne: Hitzetest für die Piloten). Im Interview spricht Heidfeld über phantastischen Zusammenhalt, den Spaß am Fahren und das Duell mit Teamkollege Kubica.
Ist die Enttäuschung über Ihren neuen BMW-Sauber F1.08 zu Testbeginn im Januar kurz vor dem Saisonstart der guten Laune gewichen?
Das ist schon länger so. Wir haben uns nach dem ersten Test permanent gesteigert, jeden Tag.
Und wie weit sind Sie gekommen?
Ich denke, wir sind die dritte Kraft (hinter Ferrari und McLaren-Mercedes). Unser Ziel ist es nach wie vor, die Lücke zu schließen und in diesem Jahr ein Rennen zu gewinnen.
Wie hat das Team in seinem dritten Jahr auf den Rückschlag reagiert?
Ich habe einen phantastischen Zusammenhalt festgestellt. Das war am Anfang, als alles zusammenwuchs, anders. Wenn wir damals einen kleinen Durchhänger hatten, dann ist nicht so perfekt reagiert worden. Diesmal haben wir kontinuierlich und logisch weitergearbeitet und überraschend schnell gute Resultate geliefert. Das hat mich als Fahrer sehr gefreut. Ein gutes Auto ist wichtig. Aber man braucht auch eine Mannschaft, die mit Problemen umgehen kann.
Das Fahrwerk und die Aerodynamik funktionierten auf der Piste nicht so wie in der Simulation errechnet?
Ich will nicht ins technische Detail gehen. Nur so viel: Das Auto war schwierig zu fahren, die Rundenzeiten waren nicht gut.
Es hieß, der Wagen habe bei der Kurveneinfahrt erst über die Vorderräder geschoben und sei dann mit dem Heck ausgebrochen. Ist diese Tücke behoben?
Ja, das Auto bewegt sich jetzt im normalen Rahmen. Es gibt keinen Wagen, der kein Unter- und Übersteuern hat, aber jetzt sind diese Reaktionen deutlich vorhersehbar, das Auto ist gut ausbalanciert. Es macht Spaß, zu fahren.
Heißt das, Sie können Ihr Ziel schon in Melbourne erreichen?
Nein. Ich vermute, dass wir hier nicht aus eigener Kraft gewinnen können, aber Dritter sein werden.
Wie fährt sich ein Formel-1-Bolide mit 770 PS ohne eine Traktionskontrolle, die das Durchdrehen der Räder falls nötig auf ein Mindestmaß herunterregelte, jetzt aber verboten ist?
Besonders im Regen ist es das A und O, so wie es sein sollte. Im letzten Jahr reagierte das System so schnell, dass nichts passieren konnte. Ohne Traktionskontrolle muss man auf nasser Piste viel mehr nach der besten und griffigsten Linie suchen, man muss extrem schnell reagieren, wenn die Reifen durchdrehen, und dabei den Gaseinsatz extrem fein dosieren. Die Fahrer haben jetzt eine ganz wichtige Komponente hinzubekommen. Das macht zehnmal mehr Spaß. Für mich ist das super.
Auch Ihr Teamkollege Robert Kubica scheint mit der Regeländerung sehr gut zurechtzukommen. Besser als Sie?
Wenn man sich die Testzeiten anschaut, dann war er meistens schneller. Aber die Tests sind uninteressant. Ich habe die letzten anderthalb Jahre recht gut gegen ihn ausgesehen. Warum sollte das jetzt nicht mehr der Fall sein? Wir werden es bei den Rennen sehen.
Aufgezeichnet von Anno Hecker.
Text: F.A.Z., 14.03.2008, Nr. 63 / Seite 38
Bildmaterial: REUTERS
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