Interview zur Dakar-Rallye

„Wir wollen nicht im Kugelhagel enden“

06. Januar 2008 Der Motorradpilot Guido Faber wollte mit einer von Touratech aufgebauten BMW XChallenge an der Rallye Dakar teilnehmen. Der 42 Jahre alte Wiesbadener war schon vor zwei Jahren bei der Wüstenrallye dabei, fiel damals aber wegen eines technischen Defekts aus. Faber war als Privatfahrer gemeldet, ohne eigenes Team, er wäre die zwei Wochen und 9273 Kilometer der geplanten Rallye auf sich allein gestellt gewesen.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie von der Absage der Rallye Dakar gehört haben?

Ich hatte schon vorher so was läuten hören. Wir wollen eine Rallye fahren und nicht im Kugelhagel enden, deshalb konnte man dieses Risiko nicht eingehen. Die Entscheidung ist dem Veranstalter sicher nicht leicht gefallen. Ich denke, sie ist gerechtfertigt. Es hat keinen Sinn, uns und andere in Gefahr zu bringen. Obwohl es natürlich hart ist für alle Beteiligten, auch für die Länder, durch die die Rallye führen sollte.

Wie tief sitzt die Enttäuschung?

Was soll ich machen? Wir müssen jetzt sehen, wie's weitergeht. Die Dakar ist sicher die Krönung im Motorradsport. Aber es gibt nicht nur die Dakar. Es macht auch Spaß, zu Hause auf kleineren Meisterschaften mitzufahren.

Ist die Rallye Dakar jetzt am Ende?

Ich denke, es wird auf jeden Fall wieder eine Top-Veranstaltung geben, vielleicht in anderer Form oder mit einer anderen Organisation. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Rallye in Afrika bleibt. Schließlich sind es nur einige wenige, die die Rallye bedrohen, und die kommen meist nicht mal aus den betreffenden Ländern, wie diesmal wohl aus Algerien. In Marokko und Mauretanien ist der Großteil der Menschen für die Rallye. Ich habe das selbst erfahren. Unterwegs jubeln einem alle zu, an den Checkpoints drängen sich die Leute, bringen ihre Familien mit, wollen helfen, wollen mitmachen.

Was passiert jetzt mit Ihrem Startgeld von 13.500 Euro?

Das bekomme ich voll zurückgezahlt.

Und die Sponsorengelder?

Die waren unabhängig vom Ausgang der Rallye. Ich bleibe eigentlich nur auf den Reisekosten sitzen, Flug, Hotel, Mietwagen.

Ihr Schaden ist also weniger ein materieller?

Am schlimmsten ist, dass das ganze Herzblut, das dranhängt, umsonst war. Aber ich war immerhin schon mal dabei, sonst hätte es mich sicher noch schwerer getroffen. Ich habe mit einem anderen deutschen Piloten gesprochen, für den es die erste Dakar war. Für den ist ein großer Traum geplatzt.

Wie waren die Reaktionen im Fahrerlager?

Überwiegend verständnisvoll. Es wurde ja nach der Verkündung der Absage auch Beifall geklatscht. Wer sich auf die Dakar einlässt, muss sich eben auf alle Eventualitäten einstellen. Die Dakar-Starter denken sowieso eher an das Naheliegende, eher pragmatisch, überlegen gleich den nächsten Schritt.

Wie sieht der bei Ihnen aus?

Wir haben alles schon perfekt gemacht. Das Motorrad geht mit der Spedition zurück nach Deutschland, ich selbst fliege am Montag mit meiner Frau zurück. So haben wir wenigstens noch ein paar gemeinsame Tage in Lissabon.

Die Fragen stellte Bernd Steinle.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.01.2008, Nr. 1 / Seite 18

 
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