Formel 1

Alonsos Ruf hat schwer gelitten

Von Hermann Renner, Magny-Cours

23. Juni 2008 Für einen Tag war die Welt des Fernando Alonso wieder in Ordnung. Der zweifache Weltmeister erzielte in Magny Cours wie in Montreal die viertschnellste Trainingszeit, und weil Lewis Hamilton strafversetzt wurde, ging der Renault-Pilot gar vom dritten Startplatz aus ins Rennen. Für Alonso war das wie ein Sieg.

Neun Punkte hatte der designierte Nachfolger von Michael Schumacher in den ersten sieben Rennen gesammelt. Das ist für einen Fahrer seiner Qualität eine Bankrotterklärung. Auch auf einem Auto, das nur Mittelmaß darstellt. „Ich will diese Saison nicht auf dem neunten WM-Platz abschließen“, gab sich Alonso vor dem Heimspiel von Renault kämpferisch.

Hätte Renault weniger Fehler gemacht, wäre das Team vierte Kraft

Gleichzeitig spielte er den Teamplayer: „Ich kann nicht mehr Weltmeister werden. Deshalb arbeite ich dafür, dass wenigstens Renault besser dasteht.“ Am Sonntag gelang ihm das nur halbwegs: Alonso beendete den Heim-Grand-Prix auf Rang acht - direkt hinter seinem Teamkollegen Nelson Piquet junior.

Das Weltmeisterteam von 2005 und 2006 ist tief gesunken. Die vergangene Saison beendete das englisch-französische Team ohne Alonso als vierte Kraft. Jetzt kämpfen sie mit Alonso darum, es wieder zu werden. „Wir haben zu viele Punkte hergeschenkt“, bedauert Chefingenieur Pat Symonds. „Hätten wir weniger Fehler gemacht, stünden wir dort, wo wir hingehören. Hinter Ferrari, McLaren und BMW auf Platz vier.“

Realistisch ist derzeit nur ein Wechsel zu Honda

Die Rückkehr von Fernando Alonso an seine alte Wirkungsstätte ist kein harmonisches Wiedersehen alter Freunde. Wenn der 26 Jahre alte Spanier nicht gewinnt, kann er ziemlich ungehalten werden. Dann fallen wie in Montreal böse Worte. Obwohl Alonso durch einen eigenen Fehler von der Strecke flog, gab er seinem Team die Schuld. „Fernando denkt nur an Fernando“, resignierte einer der Ingenieure. „Er nahm ja nicht einmal mehr am Briefing nach dem Rennen teil.“

Alonso wird in regelmäßigen Abständen mit Ferrari, BMW oder Honda in Verbindung gebracht. Realistisch ist im Augenblick nur ein Wechsel zu Honda oder ein Verbleib bei Renault. Ferrari hat Verträge mit Felipe Massa und Kimi Räikkönen. Aus Maranello ist zu hören, dass Räikkönen eher noch ein Jahr verlängert, als dass er frühzeitig in Rente geht. Bei BMW hat man Angst vor den Launen des Spaniers.

„Alle beginnen nächstes Jahr bei Null“, sagt Alonso

„Fernando würde nie akzeptieren, dass ein anderer im gleichen Auto schneller ist als er“, sagen sie bei Renault. Auch bei Honda hat der kapriziöse ehemalige Champion angeklopft, seit sich herumgesprochen hat, dass die Japaner früher als alle anderen Teams die Entwicklungsarbeit für 2009 aufgenommen haben. Es ist das Jahr eins einer neuen Epoche mit neuen Aerodynamikregeln, mit Hybridtechnologie, der Rückkehr der profillosen Slicks. Die Szene traut Honda die Rolle des Geheimfavoriten zu. Alonso sagt: „Alle beginnen nächstes Jahr bei null. Es ist schwierig, eine Vorhersage zu treffen, wer die besten Karten in der Hand hält.“

Alonsos Ruf hat gelitten. Nicht, dass einer im Fahrerlager an seinen fahrerischen Qualitäten zweifeln würde. Doch seit er bei McLaren-Mercedes wenig mannschaftsdienliches Verhalten zeigte, sind die Teams vorsichtig geworden. Honda und BMW haben Alonso wissen lassen, dass sie an kurzfristigen Abmachungen nicht interessiert sind. Deshalb glaubt Pat Symonds, dass Alonso auch 2009 für Renault fährt. „Wir sind unter dem Strich die beste Wahl für Fernando. Wenn er mit uns den Weg aus der Krise fände, würde er sich zum Helden machen.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa, EPA, picture-alliance/ dpa, REUTERS

 
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