Mika Häkkinen im Interview

„Schumacher wird wieder fahren“

Zwei Altmeister: Schumacher und Häkkinen

Zwei Altmeister: Schumacher und Häkkinen

23. Oktober 2006 Mika Häkkinen war Ende der neunziger Jahre Michael Schumachers stärkster Rivale. Der Finne, von Mercedes in Deutschland zum großen Gegenspieler aufgebaut, lieferte sich im McLaren packende Duelle mit dem Ferrari-Star (Siehe auch: Schumacher: Momente einer beispiellosen Karriere). Sein Aufstieg zu einem WM-Kandidaten begann erst in seinem 97. Rennen mit einem Sieg beim Großen Preis von Europa 1997 in Jerez de la Frontera, dort, wo Schumacher am selben Tag die WM gegen Jacques Villeneuve wegen eines Rammstoßes verlor. Häkkinen wurde 1998 im letzten Grand Prix der Saison Weltmeister und verteidigte diesen Titel ein Jahr später, als Schumacher wegen eines Beinbruchs sechs Rennen aussetzen mußte. 2001 verließ er mit 31 Jahren, müde und entnervt, die Formel 1. Inzwischen fährt er für Mercedes in der Deutschen Tourenwagen Masters.

Ist Michael Schumacher der größte Fahrer in der Geschichte der Formel 1?

Man muß sich das Gesamtbild anschauen. Dann gibt es keinen Zweifel an Michael und an seinen Erfolgen. Er hat mehr Titel gewonnen als jeder andere. Was er erreicht hat, ist großartig. Ich glaube nicht, daß es einen Fahrer geben wird, der seine Rekorde so bald übertreffen wird. Vielleicht geschieht das nie.

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an Schumacher?

Die Momente, als ich ihn überholt habe.

Sie denken an Spa im Jahr 2000?

Auch, ja. Ich hatte mit Michael tolle Rennen, das war eines davon. Der Wettkampf zwischen uns war eine große Herausforderung. Das waren echte Fights auf der Strecke, sehr hart. Es hat aber nie Kollisionen gegeben. Ich würde nicht sagen, daß es ein Gentlemen-Rennfahren war. Aber wir haben uns gegenseitig respektiert, wenn wir die Autos am Limit fuhren. Da gab es keine schmutzigen Tricks. Daher habe ich viele schöne Erinnerungen an Michael.

In Spa überholten Sie Schumacher auf der rechten Außenbahn, während er am überrundeten Riccardo Zonta links vorbeifuhr. War das ein Manöver (bei Tempo 300) am Limit?

O ja, absolut. Jedes Mal, wenn ein Auto über die weiße Linie fährt und aufs Gras kommt, ist man über dem Limit. Aber es ist gut ausgegangen.

Wird Schumacher in den Rennsport zurückkehren?

Ich hatte ein paar Jahre, um die Batterien wieder aufzuladen. Es war eine tolle Zeit mit meiner Familie. Ich bin gereist und hatte keinen Druck mehr. Aber dann begann mir das Rennfahren zu fehlen. Ob Michael zurückkommt? Rennfahren liegt uns im Blut. Ich könnte nicht ohne leben. Ich weiß nicht, in welcher Kategorie und wann er zurückkommt. Aber ich glaube, daß er wieder fahren wird.

Die Fragen stellte Anno Hecker.



Text: F.A.Z. vom 23. Oktober 2006
Bildmaterial: AP

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