Sport-Kommentar

Auf Bernies Rennstrecke

Von Michael Eder

05. Juli 2009 Wir kennen Machiavelli, Hobbes, Locke, und nun ist noch einer hineingefahren in die Liste der eindrucksvollen Staatstheoretiker: Bernie Ecclestone, der Kopf der Formel 1, bei der wir schon immer den Verdacht hatten, dass dort nicht nur Motoren öfter mal Aussetzer haben, sondern auch die handelnden Personen. Jetzt wissen wir es: Wenn es nach Mister Ecclestone ginge und er nicht nur die durchgedrehte Formel 1, sondern ein ganzes Sozialgebilde zu befehligen hätte, dann wäre einer wie Adolf Hitler der Boss und einer wie Saddam Hussein sein Durchführungsminister. Das wäre mal ein Team, da wäre Zucht und Ordnung im Laden und nicht immer nur dieses demokratische Weichgeeiere.

So tickt er also, der Mister Ecclestone, er hat es uns verraten in einem Interview der "Times". Danke. Jetzt kann man sich endlich vorstellen, was sich in seinem Kopf so alles dreht. Jenen muss man sich vorstellen als Hohlraum, in dem ein paar Ganglien verlegt sind nach dem Vorbild einer Formel-1-Strecke, es geht ein bisschen rauf und runter, und es gibt ausschließlich Rechtskurven. Da drehen dann in kleinen Autos der Herr Hitler und der Herr Hussein ihre Runden und vielleicht auch der Herr Stalin und der Herr Kim Jong-il, die fahren da immer im Kreis, und wenn sie nicht im Kreis fahren, dann schaffen sie Geld heran, das Bernie dann flugs auf sein Bankkonto häuft. Das Leben ist schön auf Bernies Rennstrecke, ein paar Frauen gibt es auch, halbnackt stehen sie am Streckenrand, halten bunte Schildchen hoch und dauergrinsen - so brummt und knattert es also pausenlos in Bernies Kopf, dem Kopf der Formel 1.

Rauf, runter und immer rechtsrum: Bernie Ecclestone
Rauf, runter und immer rechtsrum: Bernie Ecclestone

Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa

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