06. Juli 2008 China hat nach zweitägigen Gesprächen mit Abgesandten des Dalai Lamas in Peking am Freitag neue Bedingungen für weitere Kontakte mit dem religiösen Oberhaupt der Tibeter veröffentlicht. Demnach verlangt Peking vor allem, dass der Dalai Lama öffentlich und ausdrücklich versprechen soll, keine Aktivitäten zur Störung der Olympischen Spiele zu unterstützen. Die chinesische Regierung fordert vom Dalai Lama auch, den Tibetischen Jugendkongress und dessen terroristische Aktivitäten unter Kontrolle zu bringen und keine Forderungen nach tibetischer Unabhängigkeit zu unterstützen.
Wenn der Dalai Lama noch etwas Gutes für das Land, sein Volk und das tibetische Volk tun wolle, dann müsse er diese Forderungen erfüllen und das mit Taten belegen, sagte der für Tibet zuständige Minister der Einheitsfront, Du Qinglin, nach Berichten chinesischer Zeitungen vom Freitag. Eine neue Verhandlungsrunde könnte Ende des Jahres stattfinden, wenn der Dalai Lama positive Reaktion zeige.
Chinesische Zeitungen berichten über Verhandlungen und Ergebnisse
Die neuen Bedingungen unterscheiden sich von bisherigen Stellungnahmen der chinesischen Regierung, in denen immer gefordert wurde, dass der Dalai Lama selbst seine separatistischen Bestrebungen aufgeben sollte. Die neue Formulierung, nach der der Dalai Lama Unabhängigkeitsbestrebungen nicht unterstützen soll, deutet darauf hin, dass Peking jetzt anerkannt, dass der Dalai Lama selbst eine Unabhängigkeit Tibets nicht mehr anstrebt.
Die erste Begegnung zwischen den Abgesandten des Dalai Lamas und Vertretern der chinesischen Regierung hatte nach den Unruhen vom März im Mai in der südchinesischen Stadt Shenzhen stattgefunden. Jetzt haben die beiden Sondergesandten des Dalai Lamas, Lodi Gyari und Kelsang Gyaltsen, in Peking auch das Olympiastadion besucht und sind mit Tibetologen zusammengetroffen. Erstmals berichteten auch chinesische Zeitungen über die Verhandlungen und ihre Ergebnisse. Bisherige Treffen mit Abgesandten des Dalai Lamas waren immer nach außen als private Besuche deklariert und in China nicht öffentlich gemacht worden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa