
Sicher ist Kritik an der chinesischen Regierung in vielen Belangen angebracht, und auch im konkreten Fall der Bahnlinie nach Tibet gibt es Kritisches anzumerken. Es scheint mit aber mal wieder eine typisch deutsche Eigenschaft zu sein, dass technischer Fortschritt zunaechst einmal ausschliesslich von seinen negativen Seiten gesehen wird. Differenzierte Berichterstattung faellt da offenbar schwer. Dabei sollte eigentlich doch jedem klar sein, der sich nur etwas mit der Wirtschaftsgeschichte Europas im 19.Jahrhundert auskennt, wie wichtig eine Verkehrsanbindung fuer die wirtschaftliche Entwicklung ist. Aber leider verstellt uns da wohl unser romantisch-verklaerte Weltbild der heilen vorindustriellen Welt den Blick auf ganz Wesentliches. Schade, dass es in diesem Artikel nicht anders ist.

Das Eisenbahnprojekt ist doch hervorragend? Wer sich da beschwert, ist doch nur neidisch. Wir konnten den Transrapid schon nicht bauen, die Chinesen bezahlten den aus der Hosentasche, uebernahmen Siemens zu 51% in China, bekamen das ganze sogar von Deutschland subventioniert, und Siemens musste Chinesen einstellen und ausbilden. Jetzt redet keiner mehr von deutsch, die Maglev ist 100% chinesisch, wird chinesisch geworben. Natuerlich meckern die Deutschen. Wir konnten noch nicht einmal Oesterreich irgendwie einbinden, auch nicht Europa einen, das alles haetten die Chinesen schon vor 1000 Jahren vollbracht. Und jetzt muessen wir den Frauen mehr Geld geben, damit die Kinder bekommen. In China muss man sie zwingen, keine zu bekommen, sonst wuerden die zwanglaeufig ganz Asien einnehmen, was ein bisschen politisch inkorrekt waere. Ein letztes Wort: China schreibt tatsaechlich und ungelogen niemals ein schlechtes Wort ueber Deutschland. Soetwas gibt es ueberhaupt nicht. Auf der anderen Seite hauen die deutschen Journalisten auf China ein, viele koennen nicht einmal Chinesisch verstehen oder gar lesen. Das eigentliche Problem wird dann entstehen, wenn China endlich anfaengt uns zu belehren, wo wir unzulaenglich sind. Dann aber Mahlzeit!