Zhang Qingli

Der Statthalter von Tibet

Von Petra Kolonko

Zhang Qingli, Parteichef der “Autonomen Region Tibet“

Zhang Qingli, Parteichef der "Autonomen Region Tibet"

27. März 2008 Nach allen Augenzeugenberichten haben die Ausschreitungen in Lhasa nicht nur die Bewohner, sondern auch die Sicherheitskräfte und die Provinzregierung überrascht. Tibet galt in den letzten Jahren als ruhig; seit im Jahr 2006 die Eisenbahn die tibetische Hauptstadt erreichte, sonnte sich Peking im Glanz seiner „Entwicklungspolitik“. Auch schien die Lage dank wirtschaftlicher Fortschritte entspannter zu sein als noch vor Jahren. Dass sich trotzdem große Wut aufgestaut hatte, die sich nun in Gewaltakten und Brandstiftungen entlud, könnte auch mit an ihm liegen: Zhang Qingli, der Parteichef der „Autonomen Region Tibet“ und somit noch vor dem Gouverneur oberster Statthalter Pekings in der Region, hat seit seiner Berufung für böses Blut gesorgt.

Als er im Mai 2006 in Lhasa ankam, verordnete er als Erstes den Mönchen und Nonnen „Patriotische Erziehungskampagnen“. Politkommissare wurden in die Klöster geschickt und hielten Vorlesungen über die Bösartigkeit des Dalai Lama und die Segnungen der chinesischen Herrschaft in Tibet sowie die Bedeutung der „Solidarität aller Volksgruppen“ in China. Solche Kampagnen hat es schon gegeben, sie haben für große Unruhe in den Klöstern gesorgt.

Er leitete das paramilitärische „Aufbaucorps“

Dann hat Zhang Qingli in öffentlichen Äußerungen aus seiner harten Haltung gegenüber jeder Art von Abweichung von der offiziellen Linie und seiner Auffassung von Religionsfreiheit kein Hehl gemacht. Im vergangenen Jahr bezeichnete er die Kommunistische Partei als den wahren „lebenden Buddha“ des tibetischen Volkes und zeigte damit, dass er noch völlig in der alten kommunistischen Auffassung von Religion steckengeblieben ist. Während die Pekinger Religionspolitik von der positiven Rolle der Religion und ihrem Beitrag für die harmonische Gesellschaft redet, sieht Zhang Qingli sie vor allem als Gefahr.

Bevor er nach Tibet berufen wurde, hatte er schon in einer anderen Unruheprovinz Chinas für „Ordnung“ gesorgt. Von 2002 bis 2004 war er Leiter des paramilitärischen „Aufbaucorps“ in der muslimischen Provinz Xinjiang. Von 2004 bis 2006 diente er als stellvertretender Parteichef der Provinz, die dafür bekannt ist, dass sie mit harten Maßnahmen gegen muslimische Aktivisten vorgeht und unter dem Vorwand einer Bekämpfung des Separatismus auch die kulturelle Autonomie der Muslime beschneidet.

Ähnliche Parteikarriere wie Parteichef Hu Jintao

Als die Parteiführung den Separatisten-Bekämpfer Zhang Qingli nach Tibet schickte, muss sie gewusst haben, dass er auch dort ein hartes Regiment führen würde. Über die Personalentscheidungen der Partei dringt freilich nur in den seltensten Fällen etwas nach außen.

Zhang Qingli hat eine ähnliche Parteikarriere durchlaufen wie Parteichef Hu Jintao. Der 57 Jahre alte Funktionär hat in Peking studiert und war dann auch in der kommunistischen Jugendliga tätig, die als Hu Jintaos Machtbasis gilt. Hu Jintao hat 1989 Unruhen in Tibet niederschlagen lassen. Zhang Qingli will sich nicht weniger entschlossen als sein Parteichef zeigen. Als er jetzt den Dalai Lama als „Wolf in einer Mönchskutte“ bezeichnete, verschärfte er jedenfalls nur noch die Lage.

Text: F.A.Z., 27.03.2008, Nr. 72 / Seite 10
Bildmaterial: AP

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