Darfur-Mission

„Es muss doch Hubschrauber geben“

Von Hans-Christian Rößler, Khartum

Rebellen in Darfur

Rebellen in Darfur

17. Dezember 2007 Aus 26.000 Soldaten und Polizisten soll die größte UN-Friedensmission auf der Welt eines Tages bestehen. Vom 1. Januar 2008 an soll in Darfur die neue Truppe, die erstmals Vereinte Nationen und Afrikanische Union (AU) gemeinsam zusammenstellen, ihren Einsatz beginnen. Aber selbst zwei Wochen zuvor verfügt die Mission über keinen einzigen Hubschrauber, um Vertreibung und Gewalt in der westsudanesischen Region zu stoppen, die etwa so groß wie Frankreich ist.

„Wenn es ernst wird, hat die internationale Gemeinschaft auf einmal Schwierigkeiten dabei, in die Tat umzusetzen, wofür sie die sudanesische Regierung so lange unter so starken Druck gesetzt hat. Warum gelingt es nicht, für einen solch wichtigen Einsatz wie in Darfur sechs Kampfhubschrauber und achtzehn Transporthubschrauber zu finden?“, beklagt sich der künftige Unamid-Chef Rodolphe Adada im Gespräch mit der F.A.Z. in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Die Kampfhubschrauber kamen nie

Deutschland gehört dabei nach Ansicht des früheren Außenministers von Kongo-Brazzaville zu den Staaten, die dabei helfen könnten. „Die Bundesrepublik, Japan, Amerika und Frankreich kommen für einen großen Teil der Kosten der neuen Mission auf. Aber diese großen Länder sind auch in der Lage, beträchtliche militärische Mittel zu mobilisieren. Der Beweis dafür ist, dass die Europäer in Tschad gerade eine eigene Militäroperation beginnen. Es gibt also Möglichkeiten“, sagt Adada.

Die Zustimmung zum Einsatz von sechs Kampfhubschraubern ist älteren Datums. Die UN hatten sie der Regierung in Khartum im Frühjahr abgerungen, noch bevor der UN-Sicherheitsrat das Mandat für die neue „hybride“ Unamid-Mission beschloss. Damit wollte man die bisher in Darfur stationierte AU-Friedenstruppe (Amis) unterstützen - aber die Kampfhubschrauber kamen nie.

Wann die Unamid die geplante Truppenstärke erreicht haben wird, kann Adada nicht sagen, der derzeit noch gemeinsamer Darfur-Sondergesandter von AU und UN ist. Nur rund 9000 Mann werden am 1. Januar die neuen Unamid-Uniformen tragen, knapp die Hälfte wird aus der bisherigen AU-Mission dazustoßen. „Am Anfang werden wir wirklich nur eine leicht verstärkte Amis-Truppe sein, aber wir haben ein viel stärkeres Mandat als sie“, hebt Adada hervor. Denn im Unterschied zu den bisher in Darfur stationierten AU-Soldaten, die als Beobachter einen brüchigen Waffenstillstand überwachen sollten, gehört es auch zu den Aufgaben der Unamid, die Zivilbevölkerung zu schützen. Dabei kann man sich auf Kapitel VII der UN-Charta stützen. „Am Anfang wird es angesichts der niedrigen Truppenstärke schwierig sein, die Aufgaben zu erfüllen, die das Mandat stellt“, gesteht Adada, der über einen Jahreshaushalt von 1,48 Milliarden Dollar verfügt.

„Die Lage ist nicht idyllisch“

Leichte Verbesserungen gibt es offenbar bei der Zusammenarbeit mit der sudanesischen Regierung, der immer wieder eine Verzögerungstaktik vorgehalten worden war. „Die Lage ist nicht idyllisch, aber es gibt weniger Widerstände, wir arbeiten besser zusammen und hoffen, dass es so bleibt“, sagt der Sondergesandte. So sei es gelungen, den Streit um Grundstücke beizulegen, die die Unamid in Darfur nutzen wird. Auch die Wasserversorgung der Unamid sei geklärt: Die Mission soll sich durch zusätzliche Brunnen und zugekauftes Wasser versorgen, so dass sie nicht mit den Einwohnern in Konkurrenz tritt.

Schwierig bleibt aber die Zusammensetzung der Unamid-Truppe, der Khartum zustimmen muss. Das tut sie aber zum Beispiel immer noch nicht im Fall der norwegischen Pioniere, die die UN gerne einsetzen würden, um zügiger die Truppenstationierung vorbereiten zu können. Sudan hat jedoch durchgesetzt, dass die Truppen möglichst aus Afrika kommen sollen, und lehnt die Norweger bisher ab, weil es genug afrikanische Pioniere gebe; gestritten wird auch noch über Soldaten aus Nepal und Thailand. Bei Hubschrauberbesatzungen aus nichtafrikanischen Ländern erwartet Adada keine vergleichbaren Schwierigkeiten: „Es gibt dafür schlicht keine afrikanischen Angebote.“



Text: F.A.Z., 17.12.2007, Nr. 293 / Seite 6
Bildmaterial: AP

 
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