09. Juni 2006 Immer mehr Menschen auf der Welt werden innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben. Dagegen sinkt die Zahl der Menschen, die ihr Land verlassen, um im Ausland Schutz zu suchen. Das geht aus der in Genf veröffentlichten Jahresstatistik der Behörde des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) hervor.
Insgesamt habe die Zahl der Flüchtlinge sogar den niedrigsten Stand seit 26 Jahren erreicht, schreibt die UN-Behörde. Zählt man jedoch die so genannten schutzbedürftigen Menschen, wie Asylsuchende, Rückkehrer, Staatenlose und Binnenflüchtlinge hinzu, stieg die Gesamtzahl der schutzbedürftigen Menschen im vergangenen Jahr auf fast 21 Millionen.
Europa ist das Hauptziel für Flüchtlinge
Die Vereinten Nationen zählten 2005 insgesamt 668.000 Asylbewerber in 149 Staaten, zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Die meisten Asylsuchenden wurden in Europa registriert (374.000). Es folgen Afrika (125.000), die Asien-/Pazifik-Region (75.000) und Amerika (72.000).
Der Abgeordnete im Europäischen Parlament Patrick Gaubert sagte dazu, etwa 80.000 Afrikaner warteten auf eine Chance, über das Meer die Kanarischen Inseln und somit Europa zu erreichen. Allein in Mauretanien gebe es etwa 50.000 potentielle Bootsflüchtlinge, weitere 20.000 hielten sich im Senegal auf, sagte Gaubert.
Die Zahlen stammten von der Europäischen Kommission. Kein Land sei in der Lage, einen solchen Flüchtlingsstrom zu bewältigen, sagte Gaubert, der sich an der Spitze einer Delegation der Europäischen Union ein Bild der Situation auf den Kanaren gemacht hat.
Wieder Flüchtlingstragödie im Mittelmeer
Binnen 48 Stunden hatte die spanische Küstenwache etwa 170 Afrikaner beim Versuch aufgegriffen, die Inselgruppe mit Booten zu erreichen. Allein im Mai waren etwa 5000 illegale Zuwanderer auf die Inselgruppe gelangt, mehr als im gesamten Jahr 2005.
Bei einer Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind jüngst vor der maltesischen Küste mindestens drei Immigranten ums Leben gekommen. Das Boot war Behördenangaben zufolge in der tunesischen Hauptstadt Tunis gestartet und 40 Kilometer vor Malta gekentert. Erst Anfang Juni waren bei zwei Flüchtlingstragödien vor Malta und vor Sizilien insgesamt 27 Menschen ums Leben gekommen.
Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa