14. April 2008 Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) haben angesichts der Preisexplosion bei Nahrungsmitteln Geberländer aufgefordert, 500 Millionen Dollar (316 Mio Euro) zur Linderung der größten Not schnell zu Verfügung zu stellen. Das Welternährungsprogramm der UN brauche das Geld umgehend, sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick am Sonntag zum Abschluss der Frühjahrstagung beider Organisationen in Washington. Bislang sei lediglich die Hälfte der Summe überwiesen worden.
In zahlreichen, vor allem armen Ländern ist es wegen der teuren Nahrung bereits zu Gewalt, Demonstrationen und Plünderungen gekommen. Die Regierung von Haiti ist wegen der Nahrungskrise gestürzt worden (siehe auch: Nach Unruhen: Haitianischer Senat entlässt Regierung). Nach Angaben der Weltbank stiegen die Preise für Lebensmittel weltweit in den vergangenen drei Jahren um 83 Prozent. Als wichtigste Gründe gelten die verstärkte Produktion von Biokraftstoffen, veränderte Ernährungsgewohnheiten in aufstrebenden Ländern wie China und ausgedehnte Dürren etwa in Australien.
G8-Finanzminister wollen im Juni über Preisentwicklung sprechen
IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn berichtete, im gemeinsamen Entwicklungsausschuss von Weltbank und Fonds habe ein Minister die Herstellung von Biosprit aus Nahrungsmitteln wie Mais als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Das zeigt, wie groß die Besorgnis bei manchen ist, sagte er. Strauss-Kahn selbst hatte am Samstag vor Unruhen und Hunderttausenden von Hungernden gewarnt, sollten die Lebensmittelpreise weiterhin so hoch bleiben.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) nannte es völlig inakzeptabel, dass die hohen Preise vor allem die Armen träfen. Das ist genau das Gegenteil von dem, was sich die internationale Gemeinschaft vorgenommen hat - nämlich, Armut zu bekämpfen, sagte die deutsche Weltbank-Gouverneurin. Der Entwicklungsausschuss habe sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Biokraftstoffe unter die Lupe zu nehmen. Weltbank-Chef Zoellick kündigte an, dass die Preisentwicklung auch Thema auf dem Treffen der G8-Finanzminister im Juni in Tokio sein werde.
Text: dpa
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