09. Oktober 2006 Der UN-Sicherheitsrat hat den südkoreanischen Außenminister Ban Ki-moon als Nachfolger Kofi Annans an der Spitze der Vereinten Nationen nominiert.
Wie der japanische UN-Botschafter Kenzo Oshima am Montag mitteilte, empfahlen die 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats der UN-Vollversammlung, Ban zum achten Generalsekretär der Staatengemeinschaft zu wählen. Die Nominierung Bans galt als sicher. Bei einer informellen Abstimmung vor einer Woche hatte er als einziger von sechs Kandidaten die Stimmen aller fünf Vetomächte erhalten.
Schnelle Wahl
Die 192 Mitgliedstaaten der Vollversammlung dürften den 62 Jahre alten Diplomaten nun in den kommenden Tagen in sein neues Amt wählen. Sollte Ban von den 192 Mitgliedern bestätigt werden, wäre seine Wahl eine der schnellsten und einmütigsten in der Geschichte der UN. Nach der letzten von vier informellen Abstimmungen im Sicherheitsrat am Montag vergangener Woche hatten die fünf Mitbewerber des Südkoreaners ihre Kandidatur zurückgezogen.
Annan scheidet Ende Dezember nach einer zweiten fünfjährigen Amtszeit aus. Nach ungeschriebenen Gepflogenheiten steht fest, daß nach dem aus Afrika stammenden Annan ein Diplomat aus Asien neuer UN-Generalsekretär wird. Der vorerst letzte Asiate, der das Amt innehatte, war von 1961 bis 1971 U Thant aus Burma.
Fehlt ihm der nötige Biß?
Ban ist seit mehr als zwei Jahren südkoreanischer Außenminister und arbeitete für zwei Präsidenten als Sicherheitsberater. Seit fast 40 Jahren ist er im diplomatischen Dienst. Wie Annan will sich Ban für eine Reform der Vereinten Nationen einsetzen. Kritiker hatten bemängelt, ihm fehle der nötige Biß für das Amt des Generalsekretärs, und er werde eine schwache Führungsfigur abgeben. Er möge zwar nicht wie eine starke Persönlichkeit aussehen, konterte der Südkoreaner, aber er habe innere Stärke.
Ban sieht sich in erster Linie als Diplomat im Weltgeschehen und kündigte an, die Tagesgeschäfte der UN großenteils seinem Stellvertreter übertragen zu wollen. Eine seiner ersten Reisen werde ihn nach Nordkorea führen, sagte Ban in der vergangenen Woche. Nach dem Atomtest in der Nacht zum Montag ist zu erwarten, daß seine erste Mission zugleich eine besonders heikle sein wird.
(Siehe auch: Ban Ki-moon: Die innere Stärke hinter dem Lächeln)
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa