09. Oktober 2006 Der UN-Sicherheitsrat hat Nordkoreas Atomwaffentest in einer Dringlichkeitssitzung scharf verurteilt. Das höchste UN-Entscheidungsgremium rief Pjöngjang dazu auf, keine weiteren Tests durchzuführen und unverzüglich zu den Sechs-Parteien-Gesprächen über sein umstrittenes Atomprogramm zurückzukehren.
Noch am selben Tag wollte der Sicherheitsrat auf Expertenebene über Sanktionen gegen Nordkorea beraten. Dem Vernehmen nach wollen die Vereinigten Staaten dem Rat einen Resolutionsentwurf vorlegen, der 13 Punkte enthält, darunter auch Kontrollen aller Schiffe, die einen nordkoreanischen Hafen ansteuern wollen.
Annan zutiefst besorgt
Drei Vetomächte - Vereinigte Staaten, Großbritannien und Frankreich - sprachen sich für Sanktionen gemäß Kapitel VII der UN-Charta aus. Diese Rechtsgrundlage gestattet im Extremfall auch militärische Maßnahmen. China und Rußland erwähnten Kapitel VII dagegen nicht, befürworteten aber ein striktes Vorgehen.
Zuvor hatte sich auch UN-Generalsekretär Kofi Annan zutiefst besorgt darüber geäußert, daß Pjöngjang allen Warnungen der internationalen Gemeinschaft zum Trotz seine Ankündigung eines Atomwaffentests wahr gemacht hat. Annan rief alle Beteiligten dazu auf, diese schwerwiegende Herausforderung in konstruktiver Form zu beantworten. Pjöngjangs Vorgehen verletzt alle internationalen Abrüstungs- und Nichtweiterverbreitungsnormen sowie das gegenwärtige internationale Moratorium für atomare Tests, ließ Annan mitteilen.
Bush: Bedrohung für den Frieden
Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton lobte die einstimmige Haltung des Rates gegenüber Pjöngjang. Es sei den 15 Mitgliedern in nur 30 Minuten gelungen, sich auf eine Stellungnahme zu einigen, sagte Bolton.
Zuvor hatte der amerikanische Präsident George W. Bush Nordkoreas Atomwaffentest in einer Fernsehansprache scharf kritisiert und als Bedrohung für den Frieden bezeichnet. Der Sicherheitsrat müsse auf den provokativen Test mit sofortigen Maßnahmen reagieren, sagte Bush am Montag in Washington. Einmal mehr hat Nordkorea dem Willen der internationalen Gemeinschaft getrotzt, und die internationale Gemeinschaft wird darauf reagieren.
Laut einer vom Kreml in Moskau veröffentlichten Erklärung wollen Rußland und die Vereinigten Staaten ihre Reaktion auf den Atomwaffentest abstimmen. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin stimmten in der Ansicht überein, daß der Test dem Atomwaffensperrvertrag geschadet hat, hieß es darin. Es bedürfe einer koordinierten Vorgehensweise zur Lösung des Problems.
Trotz zahlreicher Warnungen hatte Nordkorea in der Nacht zum Montag nach eigenen Angaben eine Atombombe getestet. Bei dem unterirdischen Versuch sei keine Radioaktivität in die Atmosphäre ausgetreten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP