11. April 2008 UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kommt nicht im August zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking. Ban könne den Feierlichkeiten auf Grund von Terminschwierigkeiten nicht beiwohnen, sagte eine UN-Sprecherin. Der Generalsekretär habe die chinesische Führung bereits vor Monaten über die Terminprobleme unterrichtet. Details nannte die Sprecherin zunächst nicht.
China steht wegen seiner Menschenrechtspolitik und der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste in Tibet international in der Kritik. Der amerikanische Präsident George W. Bush steht unter massiven Druck der drei Bewerber um seine Nachfolge, die Eröffnungszeremonie zu boykottieren.
Das Europäische Parlament verlangte am Donnerstag einen Boykott der Feier, wenn China keinen Dialog mit dem tibetischen Oberhaupt Dalai Lama aufnimmt.
Olympisches Feuer in Argentinien eingetroffen
Unterdessen ist das Olympische Feuer am Donnerstag in Buenos Aires eingetroffen. Die argentinische Hauptstadt ist die siebte Station auf der weltweiten Tour der Flamme vor den Olympischen Spielen im Sommer in Peking. Seit dem Start des Fackellaufs vor knapp drei Wochen wird das olympische Ritual von Protesten begleitetet. In London und Paris kam es auch zu gewaltsamen Übergriffen, in San Francisco gelang es den Organisatoren durch ein Versteckspiel mit dem Feuer Protestszenen zu vermeiden. Die Behörden hatten aus Furcht vor gewaltsamen Ausschreitungen durch eine kurzfristig geänderte Laufstrecke Demonstranten von den Fackelträgern ferngehalten.
Auch in Buenos Aires stellten sich die Behörden auf Demonstrationen gegen die Tibet- Politik der chinesischen Regierung ein. Mehrere tausend Sicherheitskräfte sollten am Freitag für einen störungsfreien Fackellauf sorgen. Auch die Abschlussfeier wurde abgesagt.
Rogge gesteht Krise ein
Angesichts der weltweiten Proteste hat das Internationale Olympische Komitee schärfere Töne gegenüber der chinesischen Regierung angeschlagen. IOC-Präsident Jacques Rogge gestand am Donnerstag in Peking erstmals eine Krise ein und mahnte Peking, die moralischen Verpflichtungen in der Menschenrechtsfrage und die Pressefreiheit einzuhalten. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums wies die Äußerungen Rogges umgehend zurück.
Rogge betonte, bei seiner Bewerbung habe China versprochen, dass die Ausrichtung der Spiele die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Menschenrechte voranbringen würde. Für mich sind das moralische Verpflichtungen, und wir bitten China, dieses Versprechen einzuhalten. Die Maschine mit dem Olympischen Feuer landete am Donnerstag auf einem für die Öffentlichkeit gesperrten Teil des Flughafens von Buenos Aires.
Maradona als Fackelträger?
Starke Polizeikräfte riegelten auch die umliegenden Bereiche ab. Anschließend wurde das Feuer an einen geheimen Ort gebracht, wo es bis zum Lauf durch die Stadt aufbewahrt werden sollte. Zu Protesten kam es zunächst nicht.
Die 13 Kilometer lange Strecke durch Buenos Aires sollte am Freitag vom Hafen am Präsidentenpalast Casa Rosada vorbei in Richtung wohlhabender Stadtteile gehen. Die Behörden mobilisierten 2700 Polizisten und 3000 weitere Helfer, um Störungen zu verhindern.
Ob auch Fußball-Altstar Diego Maradona an dem Lauf teilnehmen würde, war zunächst unbekannt. Insgesamt 80 Läufer sollten die Fackel jeweils knapp 400 Meter weit tragen.
Buenos Aires ist die siebte von weltweit 21 geplanten Stationen des Fackellaufes. Nie zuvor war das olympische Feuer am Rio de la Plata, und die Hauptstadt des Tango ist zugleich der einzige Ort in der spanischsprachigen Welt, durch die der Fackellauf gehen soll. Es wird alles gut organisiert, und wir sind überzeugt, dass dies ein Grund der Freude und des Stolzes sein wird, sagte Bürgermeister Mauricio Macri.
Text: FAZ.NET mit Reuters/dpa
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.-Greser & Lenz
