06. März 2008 Zu Beginn zeigt Tommy Lee Jones einem Mann, wie man eine Flagge richtig hisst, und erklärt ihm, warum man sie nicht verkehrt herum aufziehen darf, denn das bedeute: Land in Not. Am Ende wird er selbst die amerikanische Flagge hissen - und zwar verkehrt herum. Die Ereignisse dazwischen werden erklären, wie es kommt, dass für diesen aufrechten Mann die Welt auf einmal kopfsteht.
Tommy Lee Jones spielt einen pensionierten Offizier, der erfährt, dass sein Sohn nach seiner Rückkehr aus dem Irak unweit seines Stützpunktes ermordet worden ist, und der herauszufinden versucht, was passiert ist. Gefunden wurden nur die verkohlten Reste einer Leiche auf einem Feld, und die Autopsie hat ergeben, dass er mit zahllosen Messerstichen getötet worden ist. Weil die Armee kein sonderliches Interesse an der Aufklärung des Falles zeigt, forscht Tommy Lee Jones auf eigene Faust. Bald begreift er jedoch, dass er dazu die Hilfe der Polizei braucht, auch wenn er der Kommissarin (Charlize Theron) erst mal skeptisch gegenübersteht. So bohren sich die beiden nach und nach in einen Fall, der nur quälend langsam Formen annimmt.
Der Film lebt von Tommy Lee Jones' wortkarger Darstellung
Paul Haggis, Regisseur und Autor von L.A. Crash, baut in Im Tal von Elah um einen realen Fall eine Geschichte, in der die Vorkommnisse im Irak eine Leerstelle sind, die sich nur nach und nach füllt. Man sieht nur kurze Filmclips, die ein Computerfachmann mühsam aus dem verkohlten Handy des Sohns rekonstruieren kann. Man sieht fast nichts auf ihnen, nur Schnipsel des Alltags von Patrouillen im Irak, und es wird fast der ganze Film vergehen, bis sich Jones seinen Reim auf die Bilder wird machen können.
Der Film lebt also davon, dass man Tommy Lee Jones dabei zusieht, wie er zu verstehen versucht, wie er wortkarg in irgendwelchen neongrellen Stuben in New Mexico steht und nicht weichen will, ehe er die Informationen hat, die er braucht, und wie er trotzdem immer wieder gegen unsichtbare Wände läuft. Jones war mit dieser Rolle für den Oscar nominiert, und wahrscheinlich gibt es keinen, der das so gut spielen kann wie er: die Sturheit eines Mannes, dem Drill aus Jahrzehnten bei der Armee so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass er selbst sein Motelbett jeden Morgen so korrekt macht, als würde es inspiziert, und auch die Bügelfalte seiner Hose allabendlich entsprechend nachzieht.
Jones ist aber auch einer, dessen Augen davon erzählen können, wie dieses Weltbild aus Korrektheit und Drill langsam zerbricht, indem er den Blick stumpf werden lässt. Alles steckt darin: Unverständnis und wütende Erkenntnis, eine Ahnung von jener Trauer, vor der er flieht, und die ganze Hilflosigkeit eines Mannes, der am Ende seiner Weisheit angelangt ist.
Die Telefonate des Ehepaars sind das emotionale Epizentrum des Films
Charlize Theron ist ihm ein interessanter Widerpart, denn sie verkriecht sich in die Rolle einer Frau, die sich gegen die sexistischen Anfeindungen ihrer Kollegen mit Härte gepanzert hat, gegen sich selbst wie gegen andere. So bietet sie Jones Paroli - zwei Menschen, die keinen Schritt aufeinander zugehen wollen, aber irgendwann einsehen, dass der andere das Einzige ist, was sie haben. Es spricht für Haggis, dass er sich romantische Anwandlungen spart, schon deshalb, weil es noch eine Ehefrau gibt, die über die schrecklichen Wahrheiten telefonisch auf dem Laufenden gehalten wird.
Diese Telefonate zwischen Jones und Susan Sarandon sind in ihrer quälenden Sprachlosigkeit so etwas wie das emotionale Epizentrum des Films. Denn in ihnen wird klar, dass die beiden bereits ihren anderen Sohn in einem Krieg verloren haben - und man sieht eine Frau am anderen Ende der Leitung, die ihrem Mann nie mehr wird verzeihen können, dass er zwei Söhne dem Land opferte, dem er selbst gedient hat. Wie Haggis in wenigen Strichen die Tragödie dieser Ehe einfängt, gehört schon zu den großen Leistungen dieses todtraurigen Films, der am Ende für die verkehrte Welt eines Landes in einem verkehrten Krieg ein so einfaches wie schlüssiges Bild findet: das verkehrt herum gehisste Sternenbanner.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Concorde/Cinetext