Von Nina Rehfeld, Los Angeles
01. Juli 2004 Die sogenannte "Nipplegate"-Affäre um die entblößte Brust von Janet Jackson beim Superbowl zieht in Amerika Kreise und könnte den Sender CBS doch noch teuer zu stehen kommen: Die Rundfunkkommission FCC muß nach Informationen verschiedener Medien über eine Empfehlung entscheiden, jede der zwanzig CBS-Sendestationen mit der im Augenblick noch gültigen Höchststrafe von 27.500 Dollar für die Ausstrahlung des umstrittenen Auftritts zu belegen. Damit ergäbe sich eine Gesamtstrafe von 550.000 Dollar.
Vor wenigen Tagen hat zudem eine Gesetzesvorlage den amerikanischen Senat passiert, welche die Medienaufsichtsbehörde FCC ermächtigt, noch viel höhere Strafen für unanständige oder übermäßig brutale Programminhalte zu verhängen - sie werden verzehnfacht. Bisher drohten einzelnen Sendern Strafen von besagten 27.500 Dollar, Einzelpersonen bis zu 11.000 Dollar. Das neue Gesetz sieht eine Maximalstrafe von 275.000 Dollar pro Fall und drei Millionen Dollar pro Sendetag vor, sowohl für Lizenzträger als auch für Darsteller.
Anstößiges erst nach 22 Uhr
Nach dem amerikanischen Gesetz ist es den öffentlichen Fernseh- und Radiostationen untersagt, zwischen sechs und 22 Uhr anstößige Inhalte zu senden. Dazu zählen nach FCC-Definition "die Abbildung oder Verbalisierung von Sexual- und Ausscheidungsorganen und von sexuellen Handlungen" sowie "Äußerungen, die nach zeitgenössischem gesellschaftlichem Empfinden offensichtlich als anstößig gelten".
Der FCC-Direktor Michael Powell hatte die Strafverschärfung im Januar angeregt. Der Skandal um Janet Jacksons kurz entblößte Brust in der Halbzeit des Superbowl-Spiels am 1. Februar hatte ihr entsprechenden Schub verschafft. Noch im Februar hatte Powell von den Sendern verstärkte Selbstzensur, die künstliche Verzögerung von Live-Sendungen und freiwillige weitere Maßnahmen gefordert.
Digital verwischte Münder
In der Folge war unter anderem der Radiomoderator Howard Stern suspendiert worden. Einige Sender erhöhten die Zeitverzögerung bei Live-Sendungen, Fox verwischt inzwischen digital die Münder fluchender Seriendarsteller. Das Repräsentantenhaus hatte bereits zuvor eine Gesetzesvorlage verabschiedet, die Strafsummen von 500.000 Dollar vorsieht. Die beiden Kammern wollen sich nun über den letztgültigen Zahlkatalog einigen.
Künftig könnten die amerikanischen Fernseh- und Radiosender wohl auch aus dem bis dato ehrwürdigen Parlament nur noch mit Zeitverzögerung senden: An dem Tag, an dem der Senat die erhöhten Strafen beschloß, beschied der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney seinen demokratischen Senatskollegen Patrick Leahy nämlich mit den Worten: "Go fuck yourself!" Für einen live übertragenden Sender hätte das teuer werden können.
Howard Sterns Comeback
Der Radiomoderator Howard Stern hat indes gerade sein Comeback verkündet. Seine mit expliziter Sprache nicht geizende Show wird auf neun zusätzliche Sendegebiete ausgedehnt, in vieren war er nach Beschwerden der FCC abgeschaltet worden. Die Radiostationen, die Stern neu im Programm haben, gehören zu der Viacom-Tochterfirma "Infinity Broadcasting".
Suspendiert worden war Stern in den Programmen des "Clear Channel", der sich mit der FCC über eine Strafzahlung von 1,75 Millionen Dollar für Sterns starke Sprüche geeinigt hatte. Der Moderator macht nicht nur aus seiner Vorliebe für Freizügiges kein Hehl, sondern auch aus seinem Wunsch, daß George W. Bush auf keinen Fall wieder zum Präsidenten gewählt werden sollte.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2004, Nr. 151 / Seite 42
Bildmaterial: EPA