12. Mai 2006 Frauen dürfen heute nicht nur sexy, sondern auch kraftvoll sein: Ein Gespräch mit Martina Gedeck, Jasmin Tabatabai und Nadja Uhl, allesamt nominiert für den Deutschen Filmpreis, über Fernsehen und Kino, Erotik und Familie.
Franka Potente hat hier 2002 mal gesagt, sie habe schon seit einem Jahr nichts mehr gemacht, weil einfach nicht die richtigen Angebote kämen. Kennen Sie diese Art von Frustration?
Martina Gedeck: Man muß schon warten, bis man das richtige Buch bekommt. Nachdem ich Bella Martha gedreht habe, kam erst mal drei Jahre kein Kinoangebot, das mir gefiel. Ich hab' schon viel gedreht, aber ich habe Fernsehen gemacht. Im Ausland wurde ich damals oft gefragt, wann kommt ein neuer Kinofilm mit dir? Das ist bei uns schon seltsam.
Jasmin Tabatabai: Man hat fast das Gefühl, daß es eine Art Berührungsangst gibt. Grundsätzlich kann man sagen, daß wenn jemand einen erfolgreichen Film gemacht oder einen Preis bekommen hat, daß dann die Angebote erst mal ausbleiben. Als würde eine Scheu herrschen, einen Schauspieler weiterzubesetzen. Es wird lieber entdeckt, als sich an die Stars herangetraut. Schauspieler, die etabliert sind, schwimmen also keineswegs in Drehbüchern - bei mir war das zumindest nie so.
Nadja Uhl: Ich habe mich lange und auch ganz bewußt in einer Grauzone zwischen Bekannt- und Unbekanntsein bewegt. Ich höre jetzt manchmal von Kollegen, daß sich das mit dem Kinoerfolg von Sommer vorm Balkon ändern könnte, verdränge aber solche Gedanken, um mir nicht die Kraft zu rauben. Man kann auch einen guten Fernsehfilm drehen und künstlerisch erfüllt sein. Es ist nur ein Teufelskreis, denn es gibt leider das Denken, daß man sich mit Fernsehrollen fürs Kino verdirbt. Das wäre schade, denn zur Zeit ist das deutsche Kino sehr stark.
Gedeck: Es geht nicht darum, ob das Kino stark ist. Sondern ob man das Gefühl hat, daß an einem bestimmten Punkt das eigene Potential auch ausgeschöpft wird durch die Angebote. Es gibt schon gute Bücher auf dem Markt, aber es ist nicht so, daß wie in Amerika oder Frankreich auch mal gezielt und vor allem kontinuierlich Stoffe für Schauspieler entwickelt werden. Auch bei den Männern nicht. Schaut euch mal Jürgen Vogel an oder Moritz Bleibtreu. Es ist nicht so, daß ab einem bestimmten Punkt die Sache von alleine läuft. Eigentlich müßte es so sein, daß die Drehbücher mit dir kompatibel gemacht werden und nicht umgekehrt. Insofern kann es passieren, daß zwar tolles Kino gemacht wird, aber trotzdem keine Rollen für dich dabei sind.
Uhl: Man muß immer sehr sorgfältig auswählen, und man weiß, wie wertvoll ein hochwertiges Angebot ist, weil es ja eine Menge guter Schauspieler gibt. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, daß es eine durchaus große Bereitschaft gab, an Büchern zu arbeiten, wenn konstruktive Vorschläge von seiten der Schauspieler gemacht wurden.
Wie oft kam das denn vor, daß jemand gezielt für Sie was geschrieben hat?
Tabatabai: Bei Bandits und bei Fremde Haut. Wir haben einfach das System nicht, daß für Stars Stoffe entwickelt werden. Es gibt in Deutschland nur einen, der das eben selber in die Hand genommen hat, und das ist Til Schweiger. Ich bin es allerdings auch leid, immer mit amerikanischen Stars verglichen zu werden. Weil dabei übersehen wird, daß die Vorzüge von deutschen Schauspielern gerade in ihrer Vielseitigkeit liegen. Wenn man sich den Marktgesetzen unterwirft, erfüllt man lange Zeit, was das Publikum nach einem ersten Erfolg von dir erwartet. Auf diese Gleichförmigkeit hat hier eben keiner Lust. Da kann man sagen: Gut, ihr wollt eben keine Stars werden. Man kann es aber auch positiv sehen: Es gibt hier eben ein starkes Fernsehen, warum sollen wir das dann nicht machen? Und warum sollen wir nicht unterschiedliche Rollen spielen? Es ist ein Fehler, wenn man die Verhältnisse von Hollywood auf hier überträgt. Wir haben ja auch gar nicht Gagen, die es uns erlauben würden, alle ein, zwei Jahre nur einen Film zu machen.
Fühlt sich ein gutes Fernsehprojekt nicht trotzdem anders an als ein Kinofilm?
Uhl: Man kann das nicht verallgemeinern. Ein schlechter Kinofilm ist unter Umständen trostloser als eine gute Fernseharbeit. Und die Tatsache, daß man beim Kino genauer arbeiten kann, weil mehr Geld und Zeit da ist, wird mittlerweile dadurch verwässert, daß manche Fernsehproduktionen ein wesentlich höheres Budget haben.
Tabatabai: Wir sind einfach eine Fernsehnation. Ganz ehrlich: Ich spiele nicht anders für Fernsehen oder Kino. Und es gibt auch keine Unterscheide zwischen den Teams, es sei denn, es sind Fernsehteams, die schon lange zusammenarbeiten, im Gegensatz zu Low-Budget-Sachen, die mehr Rock 'n' Roll sind. Nach dem Kino sehnt man sich, weil es larger than life ist, große Leinwand, totales Abtauchen. Fernsehen ist Wohnzimmer.
Uhl: Auf einer Leinwand dem Menschen in die Seele gucken zu können ist großartig. Die kleinste Regung bildet sich da ab, im Fernsehen verliert es sofort an Intensität.
Gedeck: Es gibt schon einen extremen Unterschied, und zwar inhaltlich. Man kann im Kino einfach andere Wege gehen. Im Kino sehe ich gefährliche, aufreizende, experimentelle Dinge, die mit dem Fernsehzuschauer nicht kompatibel sind. Das hat mit einem inhaltlichen Wollen zu tun, meinetwegen mit einem Kunstanspruch, der auf Wege führt, die nur im Kino beschritten werden. Ich habe beim Fernsehen große Regisseure erlebt, aber trotzdem gibt es Bereiche, in die das Fernsehen nicht hineinreicht.
Gibt es im Kino denn bessere Rollenangebote als im Fernsehen?
Gedeck: Bis vor drei Jahren hatte ich die außergewöhnlichen Rollen eher im Fernsehen. Aber das war eine Zeit, wo das Fernsehen die eigentliche Möglichkeit war, weil das Kino weniger gewagt hat. Im Moment hat man den Eindruck, daß sich das verlagert.
Uhl: Egal, ob Fernsehen oder Kino, man muß immer darauf achten, was die Leute beim ersten Treffen erzählen. Was sind die Beweggründe, eine Geschichte zu erzählen, und wie genau ist der Anspruch an Authentizität. Wer ist offen für Zweifel - wer sagt, die habe ich auch, laß uns daran arbeiten.
Gedeck: Viele sagen das, tun es dann aber nicht.
Uhl: Dann muß man überzeugender werden. Auch auf die Gefahr hin, daß man als Zicke gilt.
Gedeck: Ist man sowieso.
Uhl: Das denke ich nicht. Wenn man um die Qualität kämpft, muß man manchmal auch eine sture Kreativität an den Tag legen, das überzeugt die meisten.
Tabatabai: Ist es aber nicht eigentlich so, daß in jedem Kinofilm ohnehin Fernsehgeld steckt? Die Realität sieht doch eigentlich so aus, daß es keinen so wahnsinnig großen inhaltlichen Unterschied gibt und daß es sogar so ist, daß Kinostoffe wie die Sturmflut hier fürs Kino einfach nicht realisiert werden können, weil es finanziell gar nicht zu stemmen ist. Kino ist ja nicht nur Kunstanspruch und Experiment - mir fehlt ein tolles deutsches Mainstreamkino, das solche Geschichten erzählt.
Gedeck: Die Frage war doch, ob es sich anders anfühlt. Ich spiele nicht anders, aber es fühlt sich anders an.
Tabatabai: Kino ist eben die Königsklasse.
Gedeck: Was ich mit Oskar Roehler, Stefan Krohmer oder auch Sandra Nettelbeck erlebt habe: Wir sind extremer in die Merkwürdigkeiten reingegangen. Und wir haben uns mehr erlaubt, von Anfang an. Ich will die anderen Dinge nicht schmälern, ich habe spannende Sachen fürs Fernsehen gemacht. Aber wo man mit den Figuren hingehen darf, habe ich im Kino erfahren, weil ich dort mehr Raum habe. Das ist tatsächlich erst seit einiger Zeit so, daß man das sucht und auch die Filmemacher sagen: Laß uns freier werden, auch im Gestalterischen; laß uns diese Bahnen verlassen; laß uns gucken, was da entsteht.
Uhl: Diesen Beruf auszuleben erfordert eine große innere Freiheit und Mut und Frechheit. Auch wenn es manchmal erwartet wird, man darf nicht brav sein - das ist tödlich für die Kreativität. Die ermöglicht dann das Kino mit ein paar liebenswerten Verrückten, aber wenig Geld viel eher.
Gedeck: Wenn sie begabt sind...
Tabatabai: Aber das gilt auch nur für das Independent- und Low-Budget-Kino. Ich habe einmal erlebt, was in Hollywood das Studio und die Produzenten reinreden, da dachte ich mir: Vielen Dank, daß ich in Deutschland drehen und hier Teil der Filmkultur sein darf. Wovon ihr sprecht, ist ja wirklich nur das unabhängige Kino, aber sobald da Kohle ist, gibt es Leute, die reinreden, ob Fernsehen oder Kino.
Uhl: Manchmal habe ich den Eindruck: Sie wollen immer eine Figur, die ganz viel Persönlichkeit hat, aber den Schauspieler mit der Persönlichkeit, den wollen sie nicht dazu. Sie wollen am Set ein braves Mäuschen, aber in der Rolle soll man dann die Raubkatze sein. Dieses Paradox kann man nicht liefern. Entweder du hast das Leben in dir und darfst es zeigen, oder du kannst nach Hause gehen.
Tabatabai: Daß ein intensiver Schauspieler vielleicht auch ein intensiver Mensch ist, will den meisten nicht in den Kopf.
Sie sind alle drei für den Filmpreis nominiert. Fühlt sich das jetzt anders an, weil Sie wissen, daß Sie von den Kollegen und nicht von einer Jury gewählt wurden? Gibt es da ein neues Wir-Gefühl, wie es bei der Gründung der Akademie erhofft worden war?
Tabatabai: Das gibt es tatsächlich und hat schon damit zu tun, daß man selber die Jury ist und die Filme tatsächlich auch ansehen muß. Es gibt eine Eigenverantwortung, eine Kommunikation und eine Begeisterung, die neu ist.
Uhl: Ich finde es mündiger, daß unser Können von Fachleuten bewertet und gewürdigt wird und die Branche anfängt, für sich selbst zu reden.
Gedeck: Ich hab' kein Wir-Gefühl. Aber es ist immer gut, wenn man sagt, Dinge müssen sich verändern. So ist es ja auch zur Gründung des Schauspielerverbandes gekommen. Es geht darum, daß man sich nicht als Anhängsel fühlt in der Gesellschaft, Kultur ist nicht nur etwas Aufgepfropftes, sondern etwas Lebensnotwendiges. Da ist auch die Berlinale und die Arbeit von Dieter Kosslick ganz wichtig. Die Wahrnehmung hat sich stark durch die Präsenz des deutschen Films dort verändert.
Tabatabai: Es gibt ein anderes Selbstbewußtsein. Der deutsche Schauspieler kann sich hinstellen und sagen: Wir machen Kino und Fernsehen und haben dadurch auch eine andere Unabhängigkeit. Es ist kein Armutszeugnis, wenn man als Star keine Villa hat und sich noch frei bewegen kann. Ich glaube, wir sind echt glücklicher als mancher Star in Amerika.
Gedeck: Aber den Vergleichen entgeht man nicht...
Haben es hierzulande junge Schauspielerinnen leichter? Man hat den Eindruck, daß junge Frauen bessere Rollen und mehr Aufmerksamkeit kriegen.
Gedeck: Die Stoffe für Zwanzigjährige sind heute tatsächlich viel besser als damals, als ich zwanzig war. Da war man noch mehr Funktionsträger, es gab weniger Charakterrollen. Jetzt gibt es große, starke Partien für die Jungen.
Tabatabai: Das sind dann doch die Früchte der Emanzipation.
Gedeck: Das hat doch damit nichts zu tun.
Tabatabai: Schau doch mal, wie selbstbewußt die Mädchen heute sind.
Gedeck: Jeder, der zwanzig ist, ist selbstbewußt. Aber wie immer müssen sie im Kino für was herhalten. Man sieht sie halt gerne an. Die junge Frau an sich war schon immer eine Attraktion.
Tabatabai: Aber es tut sich was.
Gedeck: Natürlich tut sich immer was, aber die Frauen waren in den Siebzigern auch selbstbewußt. Guck dir mal die Generation von Eva Mattes an.
Tabatabai: Trotzdem herrschten damals andere Zwänge. Ich weiß, daß ich vor dreißig Jahren keine Karriere hätte machen können. Das liegt natürlich daran, daß ich Tabatabai heiße und ein Migrantenkind bin. Mir wurde am Anfang ganz wohlmeinend gesagt, das wird ganz schwer für dich. Es gibt hier deinen Typus und diese Rollen nicht. Da hat sich wahnsinnig viel geändert.
Gedeck: Ich will ja nur darauf hinaus, daß es unabhängig von Veränderungen immer den Hype um die junge Frau gab. Das ist nichts Neues.
Tabatabai: Aber es gibt mehr Facetten. Junge Frauen dürfen heute mehr zeigen, ohne daß sie gleich als unweiblich gelten. Wut zum Beispiel.
Uhl: Die Stärke jeder Frauengenerationen ist das Resultat der vorherigen. Womöglich profitieren wir davon, daß Schauspielgenerationen vor uns um mehr Bücher mit Grips gebeten, daß sie einiges verweigerten oder einforderten. Und vielleicht profitieren die ganz Jungen ja auch schon davon, daß wir das ein oder andere Buch abgelehnt haben, weil es uns zu blöd war. Außerdem sind ja heute auch viel mehr Frauen in Positionen mit der Macht, Rollen zu vergeben.
Tabatabai: Sie besitzen auch Macht, weil immer mehr Frauen Geld verdienen und Konsumenten sind. So können sie durchzusetzen, was sie sehen wollen. Und die haben satt, immer das Opfer und die Leidende zu sehen, die Mutter und die Hure.
Uhl: Früher hat sich vermarktungsfähiger Charakter bei Frauen anders definiert, Eigenwilligkeit wurde oft vermieden, heute wird sie eingefordert.
Tabatabai: Daneben gibt es aber die Modelschönheit, den Schlankheitswahn, aber das entspricht nicht der Realität auf der Straße. Die Mädchen da wirken auf mich sehr selbstbewußt.
Uhl: Heute sind Frauen nicht nur sexy, sondern auch kraftvoll. Sie müssen ihre Persönlichkeit nicht mehr ausblenden, um Männern keine Angst zu machen, denn die sind auch stärker geworden.
Tabatabai: Und sie müssen nicht mehr häßlich sein, um Charakterrollen spielen zu dürfen.
Gedeck: Aber schaut doch mal Bette Davis, Anna Magnani oder Hanna Schygulla an. Charakter gab's zu allen Zeiten.
Uhl: Die Frage war nur, wie weit durfte er in Verbindung mit vordergründiger Erotik zur Geltung gebracht werden.
Gedeck: Natürlich gab es zu allen Zeiten Pin-up-Girls, aber die Schauspielerinnen, die uns interessieren, haben doch damit nichts zu tun. Bei einer starken Persönlichkeit ist es egal, ob sie einem Sexsymbol entspricht - sie setzt selbst Standards. Wir sind keine Boulevard-Hasen und auch keine genormten Pseudo-Hollywoodstars. Und das ist auch gut so, weil wir unabhängig sind und nicht nach Moden gehen müssen wie die Party-Hühner aus den Magazinen, die alle gleich aussehen. Und das setzt sich am Ende auch durch. Diesen 08/15-Look gab es zu allen Zeiten, aber der interessiert doch niemanden. Uns nicht und auch die Männer nicht - zumindest nicht die, die ich als Männer bezeichne. Schon gar nicht in unserem Beruf. Weil wir spielen müssen und aus unserem Eigenen schöpfen.
Mal was anderes: Was denken Sie über die aktuelle familienpolitische Diskussion?
Tabatabai: Ich finde es wahnsinnig deutsch, wie damit umgegangen wird. Wie die deutschen Mütter es machen, machen sie es falsch. Die Gesellschaft hat keinen Bock auf Kinder, also wird es als individuelles Problem gesehen. Das ist schon sehr verklemmt. Das führt zu so absurden Wortmeldungen, es läge alles an der Emanzipation.
Wie groß ist denn das Problem, als Schauspielerin schwanger oder Mutter zu sein?
Tabatabai: Wahrscheinlich wie in jedem anderen Beruf auch. Aber generell sind wir als Selbständige natürlich relativ privilegiert, weil man bald wieder in den Beruf einsteigen und sich doch eher eine Kinderbetreuung leisten kann. Wenn es eine bessere Kinderbetreuung gäbe, hätten wir ohnehin viele Probleme nicht. Es wird einem schon schwergemacht, als Mutter wieder zu arbeiten. Es gibt zuwenig Betreuungsplätze, und die wenigen sind zu teuer.
Uhl: Ich finde die Ansätze der neuen Familienpolitik sehr vielversprechend. Ich verurteile niemanden, der keine Kinder will. Für mich gehört es zum Leben dazu, und dementsprechend ist meine Schwangerschaft für mich ein natürlicher Vorgang. Aber als gesellschaftliches Problem ist es schlichtweg die Auswirkung unserer Werte, nach denen ein Kind vor allem Einschränkung und Belastung bedeutet und man mit mehr als zwei Kindern fast schon als verrückt angesehen wird, weil man nicht mehr leistungsfähig und im Geschäftsleben nicht mehr flexibel ist. Alles spielt da rein: die reale Angst, den Job zu verlieren, die Fun-Gesellschaft, der Wahn, ewig jung bleiben zu müssen, und der Wohlstandegoismus.
Tabatabai: Das heißt dann: Wir haben uns für uns entschieden. Nicht fürs Kind. Die Crux der Leistungsgesellschaft ist, daß Kinder nicht als Reichtum betrachtet werden. Man muß ja nicht unbedingt Mutter werden, um eine Frau zu sein, aber wenn man will, daß die Leute mehr Kinder kriegen, muß man die Rahmenbedingungen schaffen. So wie man auch Rahmenbedingungen schaffen muß, wenn man mehr Stars will.
Martina Gedeck, geboren 1961 in München, erhielt 1994 ihre erste Auszeichnung, den Bayerischen Filmpreis, für die Titelrolle in Jo Baiers Hölleisengretl. Später spielte sie in Filmen wie Der bewegte Mann, Stadtgespräch, Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief und Das Leben ist eine Baustelle; für die beiden letztgenannten Filme erhielt sie den Bundesfilmpreis, wie auch für die Komödie Bella Martha. Mehrfach erhielt Gedeck zudem den Adolf-Grimme-Preis. Für den Deutschen Filmpreis nominiert ist sie für ihre Nebenrolle in Elementarteilchen; in dem mehrfach nominierten Film Das Leben der anderen ist sie ebenfalls zu sehen.
Jasmin Tabatabai, geboren 1967 in Teheran, zog mit zwölf Jahren mit ihrer Mutter nach München. Einem breiten Publikum bekannt wurde sie durch Bandits (1996), einem Film über eine Frauenrockband im Gefängnis, zu dem sie auch die meisten Lieder beisteuerte. Weitere Auftritte hatte sie in Helmut Dietls Late Show und Die Unberührbare. Für den Deutschen Filmpreis nominiert ist sie als Hauptdarstellerin in Fremde Haut.
Nadja Uhl, geboren 1972 in Stralsund, schaffte ihren Durchbruch mit Volker Schlöndorffs Die Stille nach dem Schuß (1999), für den sie den Silbernen Bären der Berlinale erhielt. Weitere Rollen hatte sie in Was tun, wenn's brennt? und Das Wunder von Lengede. Für den Deutschen Filmpreis nominiert ist sie - wie auch Inka Friedrich - als Hauptdarstellerin in Sommer vorm Balkon.
Das Gespräch führten Verena Lueken und Michael Althen.
Text: F.A.Z., 11.05.2006, Nr. 109 / Seite 45
Bildmaterial: CINETEXT, Cinetext/Kaatsch, Cinetext/Kersten, Cinetext/Metzger, Cinetext/van Eick, Constantin/Cinetext, dpa, F.A.Z.-Christian Thiel, Kinowelt/Cinetext, Ventura Film/Cinetext, X Verleih/Cinetext, ZDF/Cinetext