Koffein

Die fleißigen Jubilare von „Focus“

KOFFEIN - der Blick in die Medien

KOFFEIN - der Blick in die Medien

13. Januar 2003 Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass der „Spiegel“ seinen Konkurrenten „Focus“ tatsächlich ernstnimmt, so wäre er spätestens an diesem Montag erbracht worden.

Nicht allein, dass der deutlich ältere „Spiegel“ (56) den ersten runden Geburtstag von „Focus“ (10) mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen flankiert, in denen er auf seinen eigenen, ausgesprochen unrunden Geburtstag hinweist - und darauf, immer noch die „Nummer 1“ zu sein. Nein, auch am Erscheinungstag der beiden Magazine sucht der „Spiegel“ die Aufmerksamkeit mit aller Macht auf sich zu lenken: Während „Focus“ mit der Jubiläumsausgabe „10 Jahre Focus“ erwartungsgemäß sich selbst feiert, verblüfft der „Spiegel“ mit „Stars & Stripes“-Aufmachung und der Headline „Blut für Öl - Worum es im Irak wirklich geht“.

So weit vorgewagt, so eindeutig gegen die Amerikaner und ihre globalen Machtansprüche gestellt hat sich ein deutsches Medium seit Jahren nicht mehr - von Sektiererblättchen à la „Junge Welt“ einmal abgesehen. So wirken die nebeneinander im Kiosk liegenden „Spiegel“ und „Focus“-Titel, eindeutig politisch der eine und gänzlich unpolitisch der andere, weit gegensätzlicher, als die beiden Blätter es inzwischen sind.

74.486 Seiten

Sich selbst zu feiern, ist stets ein heikles Unterfangen, was man auch dem aktuellen „Focus“-Heft anmerkt: ein wenig Selbstgerechtigkeit, die angesichts der Schmährufe der Konkurrenten aus den Gründertagen aber wohlberechtigt ist, reichlich Zahlenhuberei (74.486 redaktionelle Seiten wurden bislang produziert) und übers ganze Heft verteilte Selbstreferenz: Den „Focus“-Fragebogen am Schluss beantwortet diesmal „Focus“-Verleger Hubert Burda persönlich. Ein Meister der Selbstreferenz übrigens auch er: Als Lieblingsschauspielerin nennt Burda seine Gattin Maria Furtwängler, als Lieblingsschauspieler Klaus Maria Brandauer, „weil wir oft verwechselt werden“.

Das meistverkaufte „Focus“-Heft aller Zeiten war die Nummer zum 11. September 2001. Im vergangenen Jahr zog die Titelgeschichte „Abnehmen ohne Diät“ am besten. Abgenommen hat jüngst auch die „Focus“-Auflage: In 10 Jahren, schreibt das Magazin, sei seine Auflage auf 786.573 Exemplare gestiegen - und verschweigt dabei, dass sie in früheren Jahren schon mal deutlich über 800.000 lag. Wir erfahren außerdem, dass ein „Focus“-Heft ohne Anzeigenseiten 8,30 Euro kosten würde, und dass kein Politiker von „Focus“ so häufig erwähnt worden ist - mit 2.486 Nennungen - wie Gerhard Schröder.

Kein Raum für Edelfedern

Interessant ist das alles nur in Maßen, kurios immerhin das Foto einer Mauer in München-Nymphenburg mit der gepinselten Aufschrift „Deutschland braucht kein zweites Nachrichtenmagazin“. Welcher „Spiegel“-Fan mochte sich damals solche Mühe gemacht haben? Oder handelte es sich um eine raffinierte „Focus“-Marketingaktion?

Abgebildet werden außerdem die insgesamt 318 „Focus“-Mitarbeiter. Man blickt in viele freundliche Gesichter, liest die Namen - und stellt fest, dass man niemanden kennt. Von Helmut Markwort natürlich abgesehen. „Focus“ ist bis heute kein Medium, welches das journalistische Starwesen fördert; Edelfedern finden hier nicht den Raum, um sich ordentlich aufplustern zu können. Die bekannteste „Focus“-Journalistin neben Chefredakteur Markwort ist dann auch eine, die das Blatt längst verlassen hat, eine junge Frau, die früher Doris Köpf hieß.

Und dann gibt es da noch eine Doppelseite, die mitteilt, dass „'Focus'-Mitarbeiter während der vergangenen zehn Jahre fleißig“ waren: Abgebildet werden bunte Fotos mit rund 70 Kinderporträts, darunter sogar ein Ultraschallbild. Man mag das niedlich finden oder einfach nur peinlich, eines aber steht mit Sicherheit fest: Der „Spiegel“ hätte so etwas nie gemacht.

Text: @jöt
Bildmaterial: FAZ.NET

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