Kino

Ahmadineschad gibt Oliver Stone einen Korb

Von Peter Körte

Kommen nicht zusammen: Stone, Ahmadineschad

Kommen nicht zusammen: Stone, Ahmadineschad

04. Juli 2007 Für ein bisschen Aufregung ist Oliver Stone immer gut. Wer sonst sollte auf die Idee kommen, ein Porträt des iranischen Präsidenten Ahmadineschad zu drehen, als der Mann, der in „Persona non grata“ (2003) zu Arafat vorzustoßen versuchte, der Fidel Castro seine Aufwartung machte, um aus dem dreißigstündigen Gespräch einen Dokumentarfilm namens „Commandante“ (2003) zu montieren, der sich bisweilen mehr am Kamingespräch von Alpha-Männchen zu Alpha-Männchen zu freuen scheint, als entschlossen nachzufragen?

Mit den Mächtigen auf Augenhöhe, das ist Stone sich selber schuldig - und das wäre ja auch das Spannende daran gewesen, wie er sich als Amerikaner einer Person nähert, die aus der Perspektive der Bush-Regierung ein Avatar des Bösen ist. Stones Markenzeichen, mit dem Hammer zu philosophieren, sich mit etwas radical chic als Oppositionellen im Mainstream zu inszenieren, hätte genau das Maß an Größenwahn geliefert, das ein solches Projekt voraussetzt.

Im Gefolge des „großen Satans“

Dass Ahmadineschads Sprecher den Wunsch ablehnte, hat niemanden überrascht, dass er die Ablehnung mit dem üblichen verbalen Geklingel vom „großen Satan“ garnierte, zu dessen Gefolgschaft auch Stone gehöre, ebenso wenig. Aber man muss dann wohl doch sagen, dass Ahmadineschad nicht ganz so smart ist, wie er glaubt. Statt über den großen Satan zu schwadronieren, hätte er sich die DVDs des Castro- wie des Arafat-Films genauer ansehen und mit seinen Imageberatern diskutieren sollen, ob nicht ein Porträt vom Anti-Hofmaler Stone seine Popularitätswerte in der Weltöffentlichkeit nach oben getrieben hätte.

Andererseits, der Mann und seine Berater haben auch einen skurrilen Humor: Wenn ein iranischer Filmemacher ein Porträt von Bush und der CIA drehen dürfte, könnte man Stones Angebot in Betracht ziehen, hieß es. Diesen Film würde man ebenfalls gerne sehen, auch wenn ihn bestimmt nicht international renommierte Regisseure wie Mohsen Mahkmalbaf oder Abbas Kiarostami drehen dürften, die genug Probleme haben, ihre Projekte im Iran zu realisieren. Er wäre so etwas wie ein Auftakt bilateraler Gespräche, nachdem die diplomatischen Beziehungen seit 1979 eingefroren sind. Wenn schon die Politiker nicht direkt miteinander reden, dann könnten ihre Bilder in der neutralen Zone des Kinos miteinander kommunizieren. Als Double-Feature. Damit könnte keine UN-Initiative konkurrieren.

Text: F.A.Z., 05.07.2007, Nr. 153 / Seite 39
Bildmaterial: dpa

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